[LiSe 07/17] Der ewige Emigrant

Rebell, Weltbürger, Erzähler – Oskar Maria Graf im Literaturhaus

Von Antonie Magen

Am Anfang begegnet man ihm in nichts weniger als in sechs unterschiedlichen Varianten. Der Besucher, der dieser Tage den Ausstellungsraum des Literaturhauses betritt, wird gleich eingangs mit einem halben Dutzend Porträts von Oskar Maria Graf konfrontiert. Die Bilder entstanden im Jahr 1932 und waren als Scherz gedacht, den sich Graf und der Maler Karl Wähmann erlaubten. Im Sommer dieses Jahres verbrachten die beiden viel Zeit miteinander, während der Wähmann Graf in zwölf Bildern verewigte. Der Clou war, dass sie jeweils in unterschiedlichen Malstilen der Moderne gestaltet waren und unter dem Titel „Zwölf ungenannte Maler variieren ein Männerbildnis“ einem der NSDAP nahestanden Kunsthändler angeboten wurden. (mehr …)

[LiSe 07/17] Kolumne: Kuss um Kuss

Ganz sicher lesen die Herren nachts im Bett sehr lange in der Bibel, im 1. Buch Moses, unsere großen Literaturfürsten, die Herren Enzensberger, Krüger und andere. Diese aufregende Geschichte vom jungen Josef beispielsweise und der Frau des ägyptischen Beamten Potiphar, der Thomas Mann einige tausend Seiten gewidmet hat. Sie muss ihnen zu Kopf gestiegen sein, sie ist ja auch, sie hat was! Haben sich deshalb aus unserer Welt entfernt, die Herren, träumen von willigen Frauen, die, wenn abgewiesen, nach Rache dürsten? Fühlen sich nicht mehr verstanden. Verstehen: Ja, verstehen vieles nicht mehr. Jetzt müssen sie sich z. B. von der ZEIT, von der FAZ im hohen Norden vorwerfen lassen, „Münchner Spezlwirtschaft“ zu betreiben. (mehr …)

[LiSe 07/17] Münchens literarische Orte (Folge 13)

Mit einem Buch fing alles an

Das Café Ruffini

Von Ina Kuegler

Am Anfang war das Buch. Knapp 40 Jahre liegt das jetzt zurück, und das Buch hatte den Titel „So einfach ist Theater“. Der Ratgeber wandte sich an Kinder, sollte Spaß vor und hinter den Kulissen machen. Verfasser war ein Kollektiv, eine Gruppe von Freundinnen und Freunden aus der Liebigstraße 39. Aus der literarischen WG um Eberhard Spangenberg entstand wenig später das Café Ruffini in der Orffstr. 22-24, ein Kollektiv bis in unsere heutigen Tage. Unverändert ist auch das Pfund, mit dem das Ruffini seit seiner Gründung wuchert: Kaffee und Kuchen, italienische Weine und (zumeist) mediterrane Küche – und ein Faible für Literatur. (mehr …)

[LiSe 07/17] Lyrische Kostprobe

Den Arsch gepackt
und zugestoßen
Flasche geleert
totgeschlafen
In später Nacht
In nasse Stiefel getaumelt
mit der Herde getrottet
aufgefädelt
Den Namen geknurrt
einen Holm erwischt
und wieder in die Planken
getreten
bis zum späten Licht
Zur Baracke gestolpert
und die Flasche gepackt

Jörg Schön

[LiSe 07/17] Kurzgeschichte: Facebook-Liebe

Von Michael Laube

Susi stieg wie jeden Morgen in die S-Bahn und wusste nicht, dass sich an diesem Tag ihr Leben fast verändern würde. Man weiß das nie, jederzeit kann etwas Unvorhergesehenes passieren. Die Unfall-Kliniken sind voll von Menschen, die morgens noch nicht gewusst haben, dass sie abends im Krankenhaus liegen würden.

Aber Susi war noch nicht in dem Alter, in dem man die Unfallmeldungen in der Zeitung liest und sich freut, dass man noch gesund ist. Sie war mit ihren 16 Jahren naturbedingt mehr an männlichen Wesen ähnlichen Alters interessiert. (mehr …)

[LiSe 07/17] Ein Fest für die Kinderlyrik

Das Programm „Mit Kinderlyrik in den Mai“, mit dem die Internationale Jugendbibliothek (Blutenburg) im Vorjahr in den Frühsommer gestartet ist, war ein großer Erfolg. Deshalb folgt am 23. Juli 2017 (11:00 Uhr) ein neues Kinderlyrikfest. Nach einer Lesung vergnüglicher, hintersinniger und tierischer Verse von Erich Kästner, James Krüss, und Paul Maar und vielen anderen heißt es: Ran an die Stifte! Die bekannten Bilderbuchkünstler Nadia Budde, Julia Friese, Regina Kehn und Michael Roher laden in ihren Werkstätten Groß und Klein zum Mitmachen ein. Reimen, Dichten, Malen, Zeichnen – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Lesung: Uwe-Michael Gutzschhahn. Das Projekt ist eine Kooperation der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Internationale Jugendbibliothek und der Stiftung Lyrik Kabinett.
red

Eintritt frei.
Anmeldung unter Tel. 089/891211-60 oder kinderbibliothek@ijb.de