[LiSe 07/17] Der ewige Emigrant

Rebell, Weltbürger, Erzähler – Oskar Maria Graf im Literaturhaus

Von Antonie Magen

Am Anfang begegnet man ihm in nichts weniger als in sechs unterschiedlichen Varianten. Der Besucher, der dieser Tage den Ausstellungsraum des Literaturhauses betritt, wird gleich eingangs mit einem halben Dutzend Porträts von Oskar Maria Graf konfrontiert. Die Bilder entstanden im Jahr 1932 und waren als Scherz gedacht, den sich Graf und der Maler Karl Wähmann erlaubten. Im Sommer dieses Jahres verbrachten die beiden viel Zeit miteinander, während der Wähmann Graf in zwölf Bildern verewigte. Der Clou war, dass sie jeweils in unterschiedlichen Malstilen der Moderne gestaltet waren und unter dem Titel „Zwölf ungenannte Maler variieren ein Männerbildnis“ einem der NSDAP nahestanden Kunsthändler angeboten wurden. (mehr …)

[LiSe 06/17] Trügerische Idylle

Eine Ausstellung der Monacensia im Olaf-Gulbransson-Museum in Tegernsee geht Schriftstellern und Künstlern nach, die dort zwischen 1900 und 1945 lebten.

Von Katrina Behrend Lesch

Zuerst waren es zwei fromme adlige Brüder, die es ins Tegernseer Tal zog und dort Mitte des 8. Jahrhunderts an einem „besonders schönen und sonnigen Uferstück“ ein Kloster gründeten. Offenbar stand die Wahl dieser höchst anmutigen Gegend nicht in Widerspruch zu ihrem bußfertigen Rückzug aus der Welt. Nach der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging die Benediktinerabtei in den Besitz der Wittelsbacher über, in deren Gefolgschaft siedelten sich weitere Adlige an, sozusagen als Vorreiter für die bald nachziehende Künstler- und Literatenschar. Zusammen genoss man die freie Natur, die frische Luft, das harmonische Miteinander von Gebirge und See. (mehr …)

[LiSe 05/17] Die Kellnerin vom Lande

Eva Leidmanns Romane werden im Mai 1933 von den Nazis verbrannt

Von Ina Kuegler

Im Lichthof der Münchner Uni beginnt der Terrorakt – auf dem Königsplatz endet das barbarische Spektakel: Bücher mit „volkszersetzendem Schrifttum“ werden am 10. Mai 1933 von den Nazis verbrannt. Viele der verbotenen Werke sind bis heute weitgehend unbekannt, so auch die Bücher der aus Mühldorf am Inn stammenden Schriftstellerin Eva Leidmann. Zwei ihrer autobiographischen Romane spielen überwiegend in München oder Dachau, bevorzugt in Wirtshäusern. Diese Werke müssen dem NS-Staat missfallen – schließlich passen sie so gar nicht zu der von den Nazis geforderten Idealisierung von Bauerntum, Volksgemeinschaft sowie der Blut- und Bodenideologie. (mehr …)

[LiSe 04/17] Schöne neue Bücherwelt

Ein interdisziplinäres Symposion in München befasste sich mit der Zukunft der öffentlichen Bibliotheken.

Eine der schönsten Erinnerungen an Wim Wenders’ Film „Der Himmel über Berlin“ ist die Szene in der Bibliothek, die lesenden Menschen, das Lächeln, das über die Gesichter derer zieht, die die schweifenden Engel erkennen, vor allem aber das Wispern und Knistern, das Weben und Streben, das Rascheln, Zischeln und Flüstern – all die Geräusche, die einem den Aufenthalt im Lesesaal einer Bibliothek so lieb und wert machen. Es sieht so aus, als müsse man sich von dieser vertrauten Vorstellung verabschieden. Weil es im digitalen Zeitalter keine Bücher mehr gibt, jedenfalls keine, die man anfassen und in denen man blättern kann. Weil sich dann jeder seine Lektüre, wissenschaftliche oder unterhaltende, auf sein Laptop, Tablet oder Smartphone laden kann, und das überall, nur nicht unbedingt mehr in Lesesälen. (mehr …)

[LiSe 03/17] WORTSPIELE – junge Literatur zum Mitspielen

Das Internationale Literaturfestival Wortspiele findet am 15., 16. und 17. März zum 17. Mal im Muffatwerk statt.

Das Konzept für die WORTSPIELE ist stimmig: Junge Autoren lesen, ein DJ macht Musik, an den Wänden Projektionen, jeden Abend eine Abstimmung und Verlosung eines Buchpakets, und am Ende gibt es einen Preisträger, der sich auf Los Angeles freuen darf. Ausgedacht hat es sich Johan de Blank, ein Literaturagent, der in München kein Unbekannter ist. Immerhin hat er mehr als 20 Jahre in München gelebt, hat seinerzeit als Buchhändler in der Amalienbuchhandlung regelmäßig Autoren lesen lassen, und lockt heute mit ausgesuchten Veranstaltungen zu Neoliberalismus oder DADA ins Caveau in Schwabing. (mehr …)

[LiSe 02/17] Worte verlieren, Anerkennung gewinnen

Vom Lyrik- bis zum Geschwister-Scholl-Preis – zu Besuch bei drei Preisverleihungen

Die Endrunde des lyrikpreises münchen ist eine intime und noch wenig bekannte Veranstaltung. Liebhaber der Szene und moralische Unterstützer für die sechs Kandidat-Innen der Endrunde bilden die Fangemeinde. Knapp 50 Plätze bietet der kleine Saal im alten Giesinger Bahnhof und dazu das schnörkellose Ambiente eines modernen, zweckmäßigen Versammlungsraums. Die Atmosphäre ist locker und entspannt. Das Bier der benachbarten Bahnhofsgaststätte nimmt man mit hinüber. Nüchtern die Dramaturgie der Bühne, beinahe wie bei Gericht. Auf der einen Seite der Bühne die drei professionellen Preisrichter an einem Tisch, ihnen gegenüber auf der anderen Seite Tisch und Stuhl für die Lyrik. Der Wettstreit beginnt. (mehr …)