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Datum/Zeit
Datum - 20.10.2015
19:00 - 21:00

Veranstaltungsort
Tschechisches Zentrum München

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Josef Čapek, Maler der Avantgarde von Weltrang, verfasste im KZ Gedichte über den Lageralltag und die Hoffnung, diesem Elend zu entkommen. Die Gedichte sind nun erstmals auf Deutsch erschienen. Ein Poesieabend mit der tschechischen Schauspielerin Zdenka Procházková. Es begleitet am Klavier Jan Čech.

Interniert im KZ wurde Čapek von der SS gezwungen, kleinbürgerliche Gemälde zu malen. Als ein Akt der Freiheit begann er dagegen in Sachsenhausen mit einer von ihm bis dahin nie erprobten literarischen Form, dem Verfassen von Gedichten mit den Motiven aus dem Lageralltag wie Hofgänge, Zellen, Hinrichtungen, Särge, Leichen auf Karren, die sich mit Trost-, Hoffnungs- und Sehnsuchtsversen verbinden. Die Gedichte wurden im KZ wagemutig auf einer Schreibmaschine abgetippt und kursierten mittels Durchschlägen im Lager. Diese Kopien gelangten noch während des Krieges aus dem KZ und in die Hände von Čapeks Frau und des Dichters Vladimír Holan. Die Originalschriften wurden von einem Gefährten Čapeks bewahrt, der den Todesmarsch aus Sachsenhausen überlebte.

Josef Čapek (23.3.1887 – April 1945) ist über die tschechischen Landesgrenzen hinaus vor allem als Avantgardekünstler wahrgenommen worden. 1918 begründete er mit Jan Zrzavý und anderen die Künstlergruppe Die Hartnäckigen und machte sich als Maler, Grafiker, Buchgestalter sowie als politischer Karikaturist im Dienst der Demokratie einen Namen. Am 1.9.1939 wurde Josef Čapek, der es abgelehnt hatte, ins Exil zu gehen, von der Gestapo verhaftet. Sein fünfeinhalbjähriger Leidensweg führte bis nach Bergen-Belsen, wo er 1945 wenige Tage vor der Befreiung vermutlich einer Typhusepidemie erlag.

Weniger bekannt ist im deutschen Sprachraum, dass Josef Čapek auch ein produktiver Schriftsteller war. Dabei umfassen seine Schriften nicht weniger als sieben Bände: lyrische und philosophische Prosa, einen Roman, ein Drama, kunsthistorische Studien, publizistische Texte, Kinderbücher und Gedichte aus dem KZ.

Die Herausgeber Prof. Urs Heftrich (Heidelberg) und Prof. Dr. Jiří Opelík (Prag) haben aus den 121 Gedichten des tschechischen Originals für die deutschsprachige Leserschaft 44 Texte ausgewählt. Dabei wurde darauf geachtet, einen repräsentativen Eindruck von der thematischen und stilistischen Eigenart des Autors zu vermitteln.

Die Veranstaltung ist kostenlos.

Veranstalter: Tschechisches Zentrum München, Adalbert Stifter Verein

In Kooperation mit: Památník Karla Čapka, Gesellschaft für Bohemistik