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Datum/Zeit
Datum - 11.05.2015
20:00

Veranstaltungsort
Literaturhaus München

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Was für ein Buch! Was für eine Übersetzung! Kein Buch hat in diesem Frühjahr ähnlich viel Aufmerksamkeit bekommen als der als italienischer »Ulysses« gefeierte Roman von Stefano d’Arrigo »Horcynus Orca«, erschienen im S. Fischer Verlag. Die Entstehungsgeschichte des Romans und die Geschichte seiner Übersetzung werden Thema unseres Abends sein. Der Übersetzer Moshe Kann berichtet von seiner Leidenschaft, von der Entdeckung des Textes, den Versuchen, die besondere Sprache des Originals zu entschlüsseln und zu übertragen in eine Übersetzung, deren Schönheit und Besonderheit in allen Feuilletons bejubelt wurde. Wie nähert man sich einer Sprache an, die den Dialekt Siziliens mit ganz eigenen Wortkreationen verbindet? Vierzig Jahre nach dem Erscheinen von »Horcynus Orca« ist es Moshe Kahn gelungen, den lange als unübersetzbar geltenden Roman zum ersten Mal in eine andere Sprache zu übertragen. Eine Meisterleistung.

Die Landschaften um die Straße von Messina bilden die Brücke zwischen den Mythen der Antike und der Gegenwart. Hier, zwischen Skylla und Charybdis, hörte Odysseus den Gesang der Sirenen. An genau diesen Ort, sein Zuhause, strebt der Held von Stefano D’Arrigos »Horcynus Orca«, dem letzten großen unentdeckten Roman der Moderne. D’Arrigo bannt diese ganze Welt in nur vier Tage: Ein 1943 nach dem Zusammenbruch der Marine heimkehrender Matrose erfährt, was der Krieg aus seinen Menschen gemacht hat. Eine geheimnisvolle Frau hilft dem Fischer ohne Boot über die Meerenge, aber er muss erfahren, dass jede Heimkehr vergeblich ist, wenn der Tod das Ruder führt.

Stefano D’Arrigo, 1919 in Alì Marina bei Messina geboren, schloss sein Studium mit einer Arbeit über Friedrich Hölderlin ab, übersiedelte nach Rom und debütierte 1957 mit einem Gedichtband, dem Ungaretti und Gadda einen Preis zusprachen. Ab da begann er mit der Arbeit an »Horcynus Orca«, der nach Jahrzehnten von Um- und Überarbeitungen 1975 erschien. 1985 folgte »La cima delle nobildonne«, 1992 starb D’Arrigo in Rom.

Moshe Kahn, 1942 geboren, übertrug u.a. Bücher von Roberto Calasso, Andrea Camillieri, Primo Levi und Pier Paolo Pasolini. Seine erste Übersetzung war eine Auswahl von Paul Celan-Gedichten, die er ins Italienische übertrug, was ihm den Ruf einbrachte, ein Übersetzer »unübersetzbarer« Bücher zu sein.

Thomas Loibl liest Passagen aus dem Buch, kommentiert von Moshe Kahn und Klaus Voswinckel, der im Gespräch mit dem Übersetzer dem Sprachkunstwerk Stefano d’Arrigos und seiner kongenialen deutschen Interpretation näher kommen wird.

Moderation: Klaus Voswinckel

Veranstalter: Stiftung Literaturhaus in Kooperation mit dem Münchner Übersetzer-Forum
Ort: Saal (3. OG)
Eintritt: Euro 9.- / 7.-