Lade Karte ...

Datum/Zeit
Datum - 12.04.2016
19:00 - 21:00

Veranstaltungsort
Juristische Bibliothek

Kategorien


Man könnte denken, das lyrische sei ein leises Wort, eines, das untergeht im lauten gesellschaftlichen Getöse taumelnder europäischer Ideen und wiedererstarkender Nationalismen. Aber gerade weil der gedichtete Vers mehr ist als die alltägliche Bedeutung seiner Worte, weil er sie übersetzt und in einen anderen Zustand hebt, kann er der augenblicklich verrohenden Sprache neuer Grenzziehungen und Fremdenfeindlichkeit etwas Nachhaltigeres entgegensetzen: Empathie, Vertiefung, Anerkennung – ein Gleichgewicht. Poesie, wie sie etwa der italienische Dichter, Übersetzer und Literaturwissenschaftler Federico Italiano versteht, entzieht sich so nicht durch Schönheit ihrer „Verantwortung des Realen“. Sie ist vielmehr im Gegenteil die „Reparation eines Ungleichgewichtes“.

In einen solchen poetischen Dialog tritt Federico Italiano am 12. April mit dem Münchner Lyriker Jürgen Bulla. Beide lesen aus ihren Werken – sowie aus denen des jeweils anderen – diskutieren und gestalten gemeinsam einen Abend über die besonderen, momentan verschiedentlich geprüften Freund- und Nachbarschaften Europas, über Flucht- und Sehnsuchtsländer, über literarische Grenzverwehungen und das Übersetzen als Anverwandlung des scheinbar Fremden.

 

Federico Italiano, 1976 in Novara geboren, lebt als Autor, Übersetzer und Herausgeber in München, wo er Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft unterrichtet. Seit 2016 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2003 erschien sein erster Gedichtband Nella costanza. Es folgten I Mirmidoni (2006), L’invasione dei granchi giganti (2010) und L’impronta (2014). Unlängst ist eine Auswahl seines lyrischen Werks erschienen, Un esilio perfetto. Poesie scelte 2000-2015 (Feltrinelli 2015). Seine Gedichte wurden ins Deutsche u.a. von Jan Wagner übertragen. Zusammen mit Michael Krüger hat er eine Anthologie der zeitgenössischen italienischen Dichtung herausgegeben, Die Erschließung des Lichts. Italienische Dichtung der Gegenwart (Hanser 2013).

Jürgen Bulla lebt und arbeitet in München. 1999 erschien sein erster Lyrikband Glas. Zeitgleich beteiligte er sich an der Übersetzung der Gedichte von Richard Dove und Michael Hamburger aus dem Englischen. Zu seinen Veröffentlichungen zählen seither die Lyrik-Bände A8 Gedichte und Poolparty. Zusammen mit dem bildenden Künstler Christoph Hessel veröffentlichte er 2011 Die neuen Nothelfer, 2014 Hotel Gabi. Zuletzt erschien Ich sehe noch Tellaro. Landschaften mit und ohne Cara (Scaneg Verlag 2015).

Begrüßung: Klaus Kempf (Bayerische Staatsbibliothek)

Moderation: Fridolin Schley

Einlass: ab 18.30 Uhr

Veranstalter: Literaturportal Bayern

In Zusammenarbeit mit dem Istituto Italiano di Cultura und dem Generalkonsulat der Republik Italien in München

Anmeldung bitte unter: literaturportal@bsb-muenchen.de