[LiSe 05/22] NEUE SCHULE

Ein Projekt, das junge Menschen von der Kinderlektüre zur Erwachsenenliteratur führen möchte

Von Marie Türcke

Man liest Pippi Langstrumpf und die drei Fragezeichen, aber was liest man eigentlich dann?“ – „Ach verdammt, hätte mir doch jemand Herman Hesse gegeben als ich 15 war!“

Es sind Sätze und Gedanken wie diese, die am Anfang von Leander Steinkopfs Buchprojekt „Neue Schule. Prosa für eine neue Generation“ stehen. Wie kommt ein junger Mensch von der Kinderlektüre zur Erwachsenenliteratur? Und vielleicht noch wichtiger: Wie findet man einen Zugang zur Gegenwartsliteratur? Der Deutschunterricht ist durchgetaktet – Goethe, Schiller, die Romantiker –, hier ist keine Zeit mehr für die, die jetzt schreiben: über das Jetzt. (mehr …)

[LiSe 05/22] Kolumne: Nee jetzt

Zuerst einmal ist da die Neugier. Man will es genau wissen, umstellt das rätselhafte Etwas, damit es ja nicht entwischt, nähert sich ihm langsam, schnappt zu … und die Erkundung kann beginnen. Es ist ein stufenweiser Prozess, der sich hinter dem schlichten, althochdeutschen Wort „firstan“ verbirgt, ihn zu fassen sucht. Über die mittelhochdeutsche Zwischenstation des „verstan“ hat es sich zu unserem heutigen „verstehen“ entwickelt, ein Verb, das nach all den Jahren zur Verfaserung neigt. „Ich verstehe“ kann heißen, dass ich etwas deutlich gehört habe, dass meine Ohren also in Ordnung sind. Es kann zweitens ausdrücken, dass ich etwas kapiert habe. Drittens lässt sich mit „verstehen“ sagen, dass ich mit jemandem mitfühlen, mich in ihn hineindenken kann. „Ja. Versteh dich echt voll.“ (mehr …)

[LiSe 05/22] Gedenken: München liest – aus verbrannten Büchern

Für Frieden, Freiheit und Menschenrechte

Am 10. Mai 1933, wenige Wochen nach der Machtübernahme der Nazis, wurde auf dem Königsplatz ein „Verbrennungsakt” inszeniert, wobei „undeutsche“ Bücher der „Reichsfeinde“ ins Feuer geworfen wurden. Viele der 1933 verbrannten Bücher und ihre Autor*innen sind heute weitgehend unbekannt bzw. vergessen. (mehr …)

[LiSe 05/22] Lyrische Kostprobe: Stärkung des Ichs

Am Anfang des sechsten Gedichtbandes von Veronique Dehimi steht als Motto ein Zitat Paul Celans: „Wer auf dem Kopf geht, der hat den Himmel als Abgrund unter sich“. Dieses Bild einer auf dem Kopf stehenden Welt wird in einigen Gedichten direkt fortgeführt. Dabei ist die bilderreiche Sprache des lyrischen Ichs Dehimis keine, die mithilfe von Metaphern Lebensbereiche miteinander verbindet. Wie bei einem Kind in der animistischen Entwicklungsphase ist die Welt der Bilder und Personifikationen einfach vorhanden. (mehr …)