[LiSe 01/22] Liebe vor Ruinen

Sabrina Schmatzs Comic „München 1945“

Von Katrin Diehl

Es wird geliebt, auch wenn die Welt in Trümmern liegt. Kriegsruinen gerieren zu bloßer Kulisse, Schuld, Sorgen, Traumata verschwinden für Glücksmomente in der zweiten Reihe, bis sie sich wieder Bahn brechen und ihren Tribut verlangen: einer Auseinandersetzung damit, was da geschehen ist, zum Beispiel in den vergangenen zwölf Jahren. Denn wir schreiben das Jahr 1945, befinden uns in München. Der Krieg ist zu Ende und es sind vor allem die amerikanischen Soldaten, die die Menschen mit ihrer jüngsten Vergangenheit konfrontieren, ihnen – ob sie das nun verstehen oder nicht – deutlich machen, dass das mit Nazi-Deutschland over ist. Over. Over. Over. Danach gehen diese Menschen wieder ihrer Wege, schlagen sich durch Berge aus Steinschutt, suchen nach Existenziellem, vor allem nach Orientierung. (mehr …)

[LiSe 01/22] Jung und schreibend (Folge 5): Benedikt Feiten

Von Höflichkeitsdrückern, Anstandstripplern und Nachstandlern

Von Ursula Sautmann

Benedikt Feiten war noch Schüler, als er mit dem Texten begann, Cello und Trompete waren da bereits seine ständigen Begleiter, und gemalt und gezeichnet hat er auch. Heute, keine 40 Jahre alt, gibt es bereits eine kleine Liste an Wettbewerben, die er gewonnen hat, mit Texten, die veröffentlicht sind. So richtig glauben an eine Zukunft als Autor mag er immer noch nicht, „es gibt so viel Literatur, zu hoffen, dass jemand liest, was man schreibt, ist ein stranges Anliegen“, sagt er. (mehr …)

[LiSe 01/22] Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat Januar diese  Neuerscheinungen:

Elif Shafak: Das Flüstern der Feigenbäume
Kein & Aber

Mitten im Bürgerkrieg auf Zypern verlieben sich die Türkin Defne und der Grieche Kostas ineinander. Sie werden durch die Unruhen getrennt und begegnen sich erst Jahre später wieder. Nach Großbritannien ausgewandert, gründen sie eine Familie. Weitere 16 Jahre später beginnt ihre Tochter Ada für ein Schulprojekt nach ihren Wurzeln zu forschen. Eine wechselvolle Familien- und Liebesgeschichte, bei der Elif Shafak immer wieder eine andere Facette beleuchtet. Bemerkenswert ist auch, dass hier ein Feigenbaum als allwissender Erzähler auftritt, was der Geschichte etwas Märchenhaftes verleiht. (mehr …)

[LiSe 01/22] Glosse: Haarige Würde …

Von Hans G. Bauer

Hat die Corona-Pandemie neben vielen anderen merkwürdigen Diskussionen doch auch die Frage ins Leben gespült, ob die Pflege unseres Haars nicht sogar eine des Umgangs mit der menschlichen „Würde“ bedeute. Allerdings ist das mit der Würde, die da am Haar hängen soll, bei genauerer Betrachtung durchaus verschlungen-vielschichtiger, als man es dem Haar zutraut. (mehr …)