[LiSe 11/21] Kolumne: Innehalten?

Ein bisschen langsamer machen, das Tempo runterfahren, entschleunigen – kann ja eigentlich nicht schaden, oder? Auch beim Lesen nicht. Oft tut es dem Textverständnis gut, während des Lesens mal kurz innezuhalten. Oder gar kritisch nachzudenken. Das leicht altmodische Verbum „innehalten“ meint mehr als nur „unterbrechen“, weil es zusätzlich ein In-sich-hinein-Lauschen impliziert, was wiederum zum gewöhnlich etwas länger dauernden Nachdenken führen kann. Ungesund ist das bestimmt nicht, vor allem nicht beim Lesen von Zeitschriften und Zeitungen. (mehr …)

[LiSe 11/21] Jung und schreibend (Folge 3)

„ein elch gehorcht dem labyrinth (und andersrum)“
Daniel Bayerstorfer

Von Marie Türcke

Mit Daniel Bayerstorfer zu telefonieren, ist in vielerlei Hinsicht eine Freude. Nicht nur wegen seines vergnügt-verlegenen Lachens zwischendurch, sondern vor allem wegen der Breite an Themen und der Fülle an Gedanken, denen man begegnet. Fließend kommt das Gespräch von einer Einführung in die chinesische Sprache und Dichtkunst, über Bayerstorfers eigene Gedichte, die Frage der Fiktion in Lyrik und Lyrikunterricht an Schulen, zum Prozess des Älterwerdens im Schreiben. (mehr …)

[LiSe 11/21] Lyrische Kostprobe

Ein Kenotaph für Newton, Opening Night.

Gravitationsfinsternis.
Die Nacht öffnet ihren Mund wie ein Planet. Oben, wird unten
behauptet, pflanze jemand Zypressen, lockere die Erde, häufe
Dünger im Kreis um die Kugel. Der Zirkel noch frisch, das totale
Lächeln von Masse. So bohrt man sich schließlich Tunnel zur
Nacht. Durch Gebirge, Moose und Dohlen. Dabei auch versehentlich
gekitzelte Tamarisken. Jedoch die Nacht öffnet ihren Mund, wie
ein Planet. Der hat dem Schwarz Reflexe antrainiert, und so gibt’s
dunkle, zuckende Klumpen: Die igeln sich ein und
adlern sich aus. (mehr …)

[LiSe 11/21] Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat November diese Neuerscheinungen:

Beth Ann Fennelly; Tom Franklin: Das Meer von Mississippi
Heyne Verlag

1927 erlebt der Süden der USA eine Jahrhundertflut, als der mächtige Mississippi über die Ufer tritt. Zwei Prohibitionsagenten finden am Schauplatz eines Verbrechens ein verlassenes Baby. Agent Ingersoll vertraut das Kind Dixie Clay Holliver an. Was er zunächst nicht ahnt – sie ist eine erfolgreiche Schwarzbrennerin. Als die Deiche brechen, wird die Welt aller aus den Angeln gehoben. Die Schilderungen der Gesellschaft in der Kleinstadt am Mississippi sind fesselnd, die Landschaftsbeschreibungen beeindruckend. Ein mitreißender Roman, der auch ernste Themen wie Rassismus nicht ausspart. (mehr …)