Literaturfest 2019: Ingo Schulze kuratiert forum:autoren

Der Schriftsteller Ingo Schulze kuratiert das forum:autoren des 10. Literaturfests München (13. November bis 1. Dezember) und hat dafür das Motto „Einübungen ins Paradies. Fragen an die Welt nach 1989“ ge- wählt. Ingo Schulze möchte auf die nachhaltigen Folgen des Umbruchs in der Gegenwart blicken und gemeinsam mit deutschsprachigen wie auch internationalen Autorinnen und Autoren erkunden, wie diese literarisch wahrgenommen und gedeutet werden. „Denn vor allem durch Literatur können wir besser erkennen, in welcher Zeit wir leben“, so Schulze. (mehr …)

[LiSe 02/19] Dichternachlässe – ein kulturelles Erbe

Über das Sammeln und Verwahren von literarischen Nachlässen 

Von Christine Erfurth

Briefe, Tagebücher und Manuskripte – einzigartige, authentische Schriftstücke bilden den Nachlass von Schriftstellern. Vor knapp 200 Jahren schrieb Johann Wolfgang von Goethe in seinem Aufsatz „Archiv des Dichters und Schriftstellers“, dass seit dem Sommer 1822 „nicht allein Gedrucktes und Ungedrucktes, Gesammeltes und Zerstreutes vollkommen geordnet beisammen steht, sondern auch die Tagebücher, eingegangene und abgesendete Briefe in einem Archiv beschlossen sind“. Mit seinen Gedanken, der akribischen Organisation seiner Werkausgabe und seines Nachlassarchivs prägt er bis heute unsere Vorstellung vom Schriftstellernachlass als kulturelles Erbe. Die LiteraturSeiten München wollen in einer neuen Serie literarische Nachlässe vorstellen, die in enger Verbindung mit München und Bayern stehen.  (mehr …)

[LiSe 02/19] Kolumne: Münchgrant

Diese Stadt ist ja unbewohnbar wie der Mars, im Winter wegen der Schneemassen, im Sommer wegen Föhn und dazwischen wegen beidem gleichzeitig. Die Meteorologen ignorieren München einfach (genau wie T. Bernhard übrigens). Sie sprechen von „Alpenrand“ oder von „südlich der Donau“, und der Münchner weiß nicht, ob seine Stadt vielleicht gemeint sein könnte. Kommt jetzt der Schnee oder bleibt doch der Föhn, er quält sich mit dieser Ungewissheit, der Münchner, verzweifelt sucht er nach der Wetterwahrheit. Das ist auf Dauer ungesund, das macht ihn so grantig! Deshalb haben uns auch schon so viele Autoren verlassen, sterben einfach weg oder streben in den Norden.  (mehr …)

[LiSe 02/19] Ausstellung: Geschwärzt Verboten Verbrannt

200 Jahre Zensur – eine Ausstellung im Deutschen Museum zeigt Fälle aus 200 Jahren 

Von Stefanie Bürgers

Zensur ist doch Geschichte! Der Fall von Jan Böhmermann beweist das Gegenteil. Aus dessen satirischem Erdogan-Gedicht wurden einige Verse vor Gericht verboten. Der „Spiegel“ machte daraus eine Story – das dazugehörige Titelblatt des Magazins ist jetzt im Deutschen Museum zu sehen: Die Sonderausstellung „Geschwärzt Verboten Verbrannt“ zeigt noch bis Mitte März Beispiele für Zensur aus den vergangenen 200 Jahren. (mehr …)

[LiSe 02/19] Lyrische Kostprobe

Von all den Brücken
nur eine
ohne Geländer

Kommt der Moment
wo du
nicht mehr festhältst

an mir

*

Hatte sich doch ein Fasan
in unserm Garten verfangen

Hechtend suchte ich ihn
an den zum Nacken hin
offenen weißen Halsring
zu packen

Hätte ihn auch gewiss
eigenhändig gerupft
geflammt und abgehangen

Mit höhnischem Gelächter
flog er kurz auf
schlug ich hart auf
sprangen wir aneinander
stolz und tapfer
vorbei

Christian Dörr