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Datum/Zeit
Datum - 02.12.2022
19:00 - 20:45
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Veranstaltungsort
Stiftung Lyrik Kabinett

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Ein Abend zu T.S. Eliots Aktualität mit Johannes Ungelenk und Rike Scheffler (deutsch / englisch)
Moderation: Tobias Döring

Veranstaltungsort: Lyrik Kabinett
Eintritt: € 8 / € 6; Mitglieder unseres Freundeskreises: freier Eintritt
Abendkasse, freie Platzwahl

He Do the Police in Different Voices: So lautete ein Arbeitstitel für T.S. Eliots Langgedicht, der es als nachgeahmte, geborgte oder auch gebrochene Sprache ausweisen sollte. Tatsächlich ist The Waste Land ein vielzüngiger Text, der vielfach fremdes Sprachmaterial zusammenführt und in seinen Klang- wie Sinneffekten auf die Probe stellt. Die Wirkung, weiß man, war gewaltig. Dieses Gedicht „verheerte unsere Welt wie eine Atombombe“, bekannte William Carlos Williams später. Was aber bedeutet es für unsere Welt, hundert Jahre nach Erscheinen? Was sagen uns seine Verfahren von Sampling, Montage, Revision und Wiederholung? Wie lässt sich dieses Monument der Moderne, entstanden nach dem Ersten Weltkrieg, angesichts heutiger Verheerungen neu lesen? Und wie neu übersetzen? In der Eröffnungsstrophe setzt The Waste Land mit einem Gespräch im Münchner Hofgarten ein. Wir laden ein, dieses Gespräch fortzuführen.

Rike Scheffler wurde 1985 in Berlin geboren, wo sie als Dichterin, Performerin und Musikerin lebt und arbeitet. Johannes Ungelenk lehrt Komparatistik an der Universität Potsdam. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist „Schreiben aus dem Zwischen“ (T.S. Eliot, Virginia Woolf). Tobias Döring lehrt englische Literaturwissenschaft an der LMU München.


Die Begrabung der Toten

April ist der grausamste Monat, treibt
Flieder aus dem toten Land, mischt
Erinnerung mit Lust, wühlt
Stumpfe Wurzeln auf mit Frühlingsregen.
Der Winter hielt uns warm, deckte
Die Erde in vergesslichen Schnee, nährte
Ein wenig Leben mit getrockneten Knollen.
Der Sommer überraschte uns, wie er über den    Starnbergersee kam
Mit einem Regenschauer; wir warteten in den Kolonaden,
Und gingen weiter im Sonnenlicht, in den Hofgarten,
Und tranken Kaffee und redeten eine Stunde.

Übersetzung Rike Scheffler, wie in „Das brache, öde, wüste Land. 100 Jahre The Waste Land – eine Vorzeitbelebung“, Dossier von Gerd Schäfer und Norbert Wehr, in Schreibheft. Zeitschrift für Literatur, Nr . 98, 2/2022, S. 31.