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Datum/Zeit
Datum - 19.11.2021
19:00
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Veranstaltungsort
Lyrik Kabinett

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Mirko Bonné liest aus seinen Gedichten und Gedichtübersetzungen und führt darüber ein Gespräch mit Claudia Schattmann


Der Romancier und Übersetzer Mirko Bonné sagt von sich selbst: „Ich komme vom Gedicht. In jedem Satz, den ich schreibe, klingt ein möglicher Vers an.“ Und mit solchen Gedichten, die er seit ca. drei Jahrzehnten schreibt und die unter anderem in seinen Bänden Die Republik der Silberfische (2008), Traklpark (2012) und Wimpern und Asche (2018) versammelt sind, genießt er schon seit langem die Wertschätzung der Leser: eine lyrische Stimme von verspielter Eindringlichkeit, die Naturbefragung, Erinnerung und Lektüreerlebnisse auf unverwechselbare Weise verquickt. Im Frühjahr 2021 werden Bonnés Gedichtbände Langrenus (1994), Gelenkiges Geschöpf (1996) und Hibiskus Code (2003) gemeinsam mit verstreut erschienener Lyrik der Jahre 1990-2004 neu veröffentlicht: Elis in Venedig wird die Sammlung mit frühen Gedichten heißen. Als Ausblick auf das Buch stellt Bonné einen Querschnitt durch sein lyrisches Schaffen vor, daneben Gedichtübersetzungen, die sein Schreiben verändert haben. Seine übersetzerische Faszination durch den englischen Romantiker John Keats hat Bonné bereits 2016 in der Reihe Zwiesprachen des Lyrik Kabinetts reflektiert, weitere Übersetzungen, aus denen er lesen wird, gelten Gedichten von Robert Creeley, E. E. Cummings, Emily Dickinson, Grace Paley und Rutger Kopland.


Freier Eintritt, nur mit Anmeldung: info@lyrik-kabinett.de. Es gilt die 3G-Regel (Zutritt für Genesene, Geimpfte oder Getestete – jeweils mit Nachweis.)

Die Veranstaltung ist zeitnah nachzuhören auf www.dichterlesen.net.


Idiom

Erschüttert ich beiß mich besänftigt
im Zimmer am Tisch fest und wieder
erschüttert richt ich mich auf
an meinem geheimen Idiom.

Was hab ich verloren seit auch
mich das Inferno der Sprache
auf dem Weg zu tieferem Einverständnis
voranwälzt erschüttert den Glauben

unterscheiden zu können die Worte von
ihrem Wert auf der Zunge besänftigt Zeit
für Elegien erschüttert auf die Leblosigkeit
wenn ich nicht mehr hinausgeh besänftigt.

Immer öfter nur in Gedanken
leg ich Wege zurück Regen im Kopf
niedergeschlagene Anemonen erschüttert
besänftigt. Ich bau eine Stadt

aus Sätzen nicht zu betreten doch
in der ich in allen Häuserzeilen zu Haus bin hier
liegt alles nah beieinander erschüttert
besänftigt in seinem Idiom.

Mirko Bonné, aus: Gelenkiges Geschöpf. Rospo 1996, S. 71