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Datum - 31.01.2020
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Grenze, Berührungsfläche, Übergang. Wir ziehen sie ab, streifen sie über, stecken in ihr, können nicht und fahren aus ihr heraus, piercen und tätowieren sie und kommen heil mit ihr davon. Haut ist einiges, aber vor allem eines: die Projektionsfläche für vieles von dem, was wir ›Körper‹ nennen.

Bereits in der Antike wird die Disparität von Haut als Grenze und taktiles Erfordernis verhandelt: Zwischen dem Überstreifen der schützenden fremden Haut des Nemeischen Löwen und dem Anlegen des Nessoshemd, das, verschmolzen mit Herakles’ Haut, den Heros in den Selbstmord treibt, wird im Mythos die Ambivalenz der Haut sichtbar. Eine Axiologie des Oberflächlichen. Als Linie zwischen Tod und Leben.

Bis ins späte 19. Jahrhundert beim Aderlass geöffnet, syphilitisch zerfressen und mit Schröpfköpfen oder Blutegeln besetzt, erfuhr die Haut in der Moderne eine grundlegende Transformation. Einst poröse Membran, durch die das Innere – zur Not unter Zuhilfenahme medizinischer Gerätschaften – nach außen dringen sollte, wandelte sie sich nach und nach in eine ihren Träger*innen uneingeschränkt zur Verfügung stehende ›reine‹ Oberfläche. Die weiße Haut Schneewittchens wird zum Sinnbild ihrer reinen Seele – oder auch »White is Purity,« wie Nivea noch 2017 wirbt. Unter dieser Annahme stellt jede Form der Modifikation, sei es als geschminkte, sei es als chirurgisch-plastisch gestaltete Haut, eine Verfälschung dar – oder die postmoderne Kritik an einem sogenannten ›Wahren‹. Wenn der Körper eine Projektion ist, dann ist die Haut ihre größte Übertragungsfläche, ein Ort unzähliger Ein- und Umschreibungen, und stets im Begriff, die Spuren zu verwischen, die diese auf ihr hinterlassen.

Ob Netzhaut, Nabel, Pergament, Lederschuh, Milchhaut, Vorhaut, Flughaut ­– ob Skins, Skalps, Skinheads oder Hymen – thematisch ist uns jede Haut willkommen!

Schickt eure Abstracts und Texte bis 31.01.2020 an die jeweiligen Ressorts:
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Alle weitere Informationen gibt es hier: https://kon-paper.com/call-for-papers/

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