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Datum/Zeit
Datum - 19.03.2019
19:00 - 21:00

Veranstaltungsort
Haus des Deutschen Ostens München

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Jürgen van Buers 260 künstlerisch höchst beachtenswerten Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Kirchenburgen vermitteln ein einzigartiges Bild dieser einmaligen Kunst- und Sakraldenkmäler, die mit ihrem repräsentativen äußeren Erscheinungsbild und ihren atmosphärisch dichten Innenräumen beeindrucken. Der Fotograf Jürgen van Buer und der Mitherausgeber des Fotobandes, Josef Balazs, wagen mit ihrem Projekt einen subjektiven Blick auf das architektonische Erbe der Siebenbürger Sachsen – und aus dieser Perspektive erschließt sich ihnen bisher Unbekanntes. Durch die Bildkomposition, durch ein an expressionistisches Bildvokabular anknüpfendes Schattenspiel von scharfen Schwarz-Weiß-Kontrastierungen und gebrochene Linienführung, aus denen eine monumentale Bildgeometrie entsteht, wird eine Wirkung des Raumes erzeugt, die seine historische Semantik unmittelbar erfahrbar macht. Durch diese Wirkung werden die Fotos vorzugsweise zum Symbol für Konflikte, die die Geschichte der Siebenbürger Sachsen durchziehen und für die die Kirchenburgen eine Raummetapher bilden. Die visuelle Botschaft ist in einem Fall heroisch-pathetisch, verweist im anderen auf das Gewohnte und Alltägliche. Die Dynamik der Linie richtet sich gegen die Statik und gewaltige Wucht des archaischen Gesteins, verläuft sich jedoch in den verwinkelten Ecken dieser Kolossalobjekte, und zerschellt an ihrer Unverrückbarkeit und manifesten Präsenz. Van Buers Aufnahmen präsentieren die Kirchenburgen als Teil einer über Jahrhunderte gewachsenen stark ländlich geprägten Lebenswelt, deren räumlichen, sakralen und kulturellen Mittelpunkt sie in der Vergangenheit bildeten und in der Gegenwart immer noch sind. Die Begleittexte ordnen sie – mal auf eine narrativ-performative, mal auf eine fachhistorische Art – in ihren geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Kontext ein. Gleichzeitig sensibilisieren sie für das Verständnis dieser Fotos als eines medialen Raums, in dem ihre Bedeutung aus der situationsabhängigen Betrachtung, aus dem Austausch zwischen dem Urheber und dem Rezipienten, dem Fotografen und dem Betrachter entsteht.

Professor Dr. Jürgen van Buer (geb. 1949) promovierte, nach seinem Studium der Romanistik und Erziehungswissenschaften an der Universität Münster, 1980 an der Universität Göttingen. 1989 folgte die Habilitation an der Universität-Gesamthochschule Siegen. Von 1992 bis 2016 war Professor Dr. Jürgen van Buer Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik an der Humboldt-Universität Berlin.

Josef Balazs (geb. 1952 in Kronstadt, Siebenbürgen) war nach dem Studium der Germanistik und Romanistik an der Universität Klausenburg (Siebenbürgen) mehrere Jahre als Lehrer tätig. 1986 wurde er zum Mitarbeiter im IT-Bereich zunächst bei der AEG (Nürnberg), später bei der Stadt Schwabach. 2010 erfolgte der Wechsel in das Kundenmanagement.