Lade Karte ...

Datum/Zeit
Datum - 28.04.2022
20:30 - 22:30
Termin im Kalender eintragen: iCal

Veranstaltungsort
Stiftung Lyrik Kabinett

Kategorien


Mit Michael Krüger, dem polnischen Dichter Tadeusz Dąbrowski und der Übersetzerin beider Lyriker Renate Schmidgall

Mit Grußworten von Holger Pils (Lyrik Kabinett), Jo Lendle (Hanser Verlag) und Mateusz Werner (Zeitschrift Twórczość)

Ein Kooperation mit der Kunsthalle München und dem Carl Hanser Verlag; freundlich unterstützt vom Adam-Mickiewicz-Institut.

Veranstaltungsort: Kunsthalle München
Tickets demnächst unter: T +49 (0)89 / 22 44 12; kontakt@kunsthalle-muc.de

_________________________

„Jeden Tag entscheiden wir, ob wir die weiße Flagge der Kapitulation aus dem Fenster hängen oder den von kühnen Farben strotzenden Gobelin eines Gedichts“, so der große polnischsprachige Dichter Adam Zagajewski (geboren 1945 in Lemberg, Ukrainische SSR; gestorben 2021 in Krakau). Zeitlebens vertrat er – als Dichter und als Essayist – die Farbkraft des geschliffenen Denkens und Sprechens und den Wert dessen, was sich jenseits des Alltagsbanalen erschließt (in Träumen, Utopien oder Mystik), und er bewegte sich dabei wie die polnischen Symbolisten in einem internationalen Rahmen. Ein Jahr nach Zagajewskis Tod erinnern in Lesung und Gespräch an ihn und seine Bezugnahmen auf die polnische wie die deutsche Kulturtradition: sein Freund und langjähriger Verleger Michael Krüger, der junge polnische Dichter Tadeusz Dąbrowski, ein Bewunderer Zagajewskis, und Renate Schmidgall, die Übersetzerin Zagajewskis und Dabrowskis. Besonders wichtig war für Zagajewski immer seine Beziehung zur deutschen Kultur (zuletzt war er 2019 zum Jubiläum des Lyrik Kabinetts in München). Mateusz Werner, Redakteur der Zeitschrift Twórczość (Kreativität), die heuer eine ganze Nummer dem polnisch-deutschen Kulturaustausch widmet und jüngst ein Gedichte von Tadeusz Dąbrowski zu Zagajewski publizierte, wirft Schlaglichter auf das Thema aus polnischer Perspektive.

____________________________________________

Verabschiedung der literarischen Zeitschriften

Für Adam Zagajewski

Ich träumte, dass ich mich nach einer literarischen
Zeitschrift sehnte, wie man sich nach einem frischen
Brötchen sehnt, ich irrte von einem Kiosk zum anderen,
doch überall gab es nur Kreuzworträtsel und Zeitungen,
bis mir schließlich in einer kleinen Bude am Rande
der Welt ein Verkäufer mit einer Stimme, bittersüß
wie Schuberts Lieder, und dem Gesicht von Adam
Zagajewski, der sagte: „Tadeusz, vergleiche
mich nicht mit Schubert“, die Nummer einer
literarischen Zeitschrift in die Hand drückte, die
bis heute ungeöffnet auf meinem Regal steht,
zwischen Bücher gepresst wie eine Scheibe Brot.

Tadeusz Dąbrowski, erschienen in der Zeitschrift Twórczość, übersetzt von Renate Schmidgall