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Datum/Zeit
Datum - 28.10.2020
20:00 - 21:30
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Veranstaltungsort
Stiftung Lyrik Kabinett

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Friedrich Ani liest aus seinem neuen Band
Moderation: Knut Cordsen (BR)

„Im Herzen bin ich ein fahrender Sänger“, sagt Friedrich Ani von sich selbst. Als Jugendlicher habe er bereits Songtexte geschrieben; auslösend für die Gedicht sei „vielleicht irgendeine Synapse in meinem Hirn, die über ein Seil springt“. Der Lyriker Ani – das weiß man im Kreis seiner Leser – ist älter als der Romanautor, der ab Mitte der 1990er Jahre breite Bekanntheit erlangte, mit Kriminalromanen (vor allem denen um Kommissar Tabor Süden) und mit Jugendbüchern. Erste Gedichte von Friedrich Ani, geboren 1959, erschienen schon kurz nach seinem Abitur: suggestive Momentaufnahmen oder Langgedichte, in denen sich Melancholie und Ironie, Katastrophen- und Formbewusstsein, kühne Bilder, die Eingängigkeit von Bannsprüchen und ein Interesse an gesellschaftlichen Außenseitern und skurrilen Existenzen verbinden. In seinem neuen Band hat Ani sich einer tradierten und in Form von Songtexten bzw. Lyrics bis heute florierenden Gattung zugewandt: der Ballade. In dieses Genre fasst er zeitgenössische Ängste und aktuelle politisch-soziale Problemlagen und lässt mit sparsamen Strichen, häufig Öffentliches und Privates engführend, drastisch bildhafte Szenen entstehen, etwa von einem Amoklauf. Im Gespräch mit Knut Cordsen vom Bayerischen Rundfunk gibt der Autor Einblicke in seine jahrzehntelange, intensive Beschäftigung mit Lyrik.

Bitte beachten Sie: Aus Gründen der aktuellen Abstandsregelungen ist die Besucherzahl auf 20 Personen beschränkt – Einlass ausschließlich nach Voranmeldung: info@lyrik-kabinett.de oder 089 -34 62 99 und anschließender Bestätigung der Anmeldung durch das Lyrik Kabinett. Die Veranstaltung ist zwei Tage später, ab Freitag, den 30.10.2020, kostenfrei nachzuhören unter: www.dichterlesen.net.

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KAPUTTER SONNTAG

Dämmerung, in der Wohnung
drüber Hämmerung.
Ich lese Buchstaben, im
Hinterhof glaubt ein
Mäusebussard an Raben, weil er
Krähen sieht, er betet sie an
in ihrer himmlischen Schwärze.
Ich entzünde eine Kerze, heut
ist Sonntag, Dämmerung schon
wieder, oben weiter
Hämmerung, ich gehe hinauf,
ermorde den Täter mit
selbstgebrauter Tinktur, niemand
kommt mir auf die
Spur, anders als im Tatort
später.

Friedrich Ani, aus: Die Raben von Ninive, Suhrkamp 2020, S. 36