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Datum/Zeit
Datum - 17.04.2018
20:00 - 21:30

Veranstaltungsort
Literaturhaus Saal

Kategorien


Gründgens, Furtwängler, Sauerbruch, Schmitt – der Rang dieser vier Männer ist bis heute unbestritten – und doch waren sie Teil der kulturellen Elite im Dritten Reich, ausgezeichnet mit dem Ehrentitel des »Preußischen Staatsrats«: Carl Schmitt, der brillante Jurist und Staatsrechtler, der den Nazis half, die Verfassung systematisch auszuhöhlen; der große Dirigent und Komponist Wilhelm Furtwängler, der sich auf die Immunität einer »reinen« Musik berief; Gustaf Gründgens, der schillernde Künstler, der ohne die Protektion Hermann Görings verloren gewesen wäre; schließlich der berühmte Chirurg Ferdinand Sauerbruch, der als unantastbar galt, während sich in seinem Haus auch die Attentäter des 20. Juli trafen. Wie konnte es dazu kommen, dass sich diese Männer, herausragende Vertreter des gebildeten Bürgertums in Deutschland, mit dem Nationalsozialismus einließen?

Helmut Lethen zeichnet in imaginären Gesprächen ein faszinierendes Porträt der »Staatsräte« (Rowohlt Berlin) und beleuchtet im Gespräch mit Rüdiger Safranski das komplizierte Verhältnis der geistigen Elite zur Macht.

Veranstalter: Stiftung Literaturhaus
Eintritt: Euro 15.- / 10.-

Karten über die Webseite des Literaturhauses oder Tel. 089-29193427

»Für die vier ehrenwerten Staatsräte bildete das Dritte Reich eine Umwelt, in der sie ihre Prunksucht ausleben und sich lustvoll an der Macht festsaugen konnten. Hier wurden ihre herrschsüchtigen und selbstverliebten Neigungen, aber auch ihre aggressiven oder widerständigen Möglichkeiten ausgereizt. Hier spielten sie ihre Hellsicht in Zynismen aus, verbargen ihre Sanftheit und verfolgten die Perversionen ihres Ordnungstriebs. Man erlebt, wie sich die vier zuweilen in ihren Disziplinen, Sprachspielen ihres Berufs oder privaten Obsessionen so verkapseln, als gäbe es das Dritte Reich nicht.
Nach dem Krieg ging von jedem der vier Staatsräte weiterhin eine große Faszination aus. Lässt sich an diesen Idolen der frühen BRD der Zusammenhang von luzider Theoriebildung und Lebensblindheit erklären? Findet der Hochmut ihres Scharfsinns eine Entsprechung in ihrem Mangel an sozialer Empathie? Sind ihre Phantasien des Widerstands nur Begleiterscheinungen der faktischen Komplizenschaft? Ihr Schicksal: Sie wollten ihr Leben führen – und wurden geführt.« (Helmut Lethen)