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Datum/Zeit
Datum - 14.02.2018
19:00

Veranstaltungsort
Lyrik Kabinett

Kategorien


In Kooperation mit der Münchner Volkshochschule
Eine Anmeldung ist möglich unter: Tel.: 4 80 06–62 39 oder www.mvhs.de,
mit Angabe der Kursnummer: F244070.

Eintritt: € 8 / € 6; Mitglieder: freier Eintritt
Im Lyrik Kabinett: Abendkasse, freie Platzwahl

„Ein moderner Orpheus“, so nannte Joseph Brodsky Ossip Mandelstam (1891-1938). Als lyrischer Seismograph des „Jahrhunderts der Wölfe“ ahnte Mandelstam früh den Kulturbruch, den die Oktoberrevolution bedeutete, und bekannte sich als Europäer zur Menschenwürde, zum Individuum und zur Stimme der Lyrik. Kein Dichter der Epoche war hellhöriger als Mandelstam („Die kommenden Hinrichtungen hab ich geahnt“), und er wusste um den hohen Preis, den der lyrische Prophet dafür bezahlen sollte: „Das Lied von Kränkungen und Lehm, sie werden’s brechen, / Mit Blei versiegeln dir den Mund.“ Sein entlarvendes Epigramm auf den „Seelenverderber“ Stalin wurde ihm zum Verhängnis. Er starb 1938 im Gulag. Ralph Dutli ist Übersetzer und Herausgeber von Mandelstams Gesamtwerk und Autor der Mandelstam-Biographie Meine Zeit, mein Tier. Zuletzt veröffentlichte er im Wallstein Verlag zwei Romane sowie Übersetzungen unbekannter altfranzösischer Dichtung in einer Kleinen Trilogie des 13. Jahrhunderts: Fatrasien (2010), Das Liebesbestiarium (2014) und Rutebeuf: Winterpech & Sommerpech (2017).

Wilde Katze: Hauptstadt, macht den Buckel,
Auf der Brücke die Patrouille – breit,
Nur ein böser Motor rast durchs Dunkel
Der jetzt wie ein Kuckuck schreit.
Ich brauch keinen Nachtpassierschein, rede
Mir die Angst aus vor den Posten dort,
In der Sowjetnacht werde ich beten
Für das selige sinnlose Wort.

Ossip Mandelstam,
aus: Bahnhofskonzert. Das Ossip-Mandelstam-Lesebuch. Aus dem Russischen übertragen und herausgegeben von Ralph Dutli. S. Fischer 2015, S. 126