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Datum/Zeit
Datum - 12.10.2021
19:00
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Veranstaltungsort
Lyrik Kabinett

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Michael Krüger stellt seinen neuen Gedichtband vor
und spricht darüber mit Felicitas von Lovenberg

Mit freundlicher Unterstützung von Bayern liest e.V.

„Ich lebe auch auf dem Land, wenn auch gezwungenermaßen, / und wenn die Krankheiten vor dem Ende des Lebens auslaufen, / kann ich wieder zurück in die Stadt zu den Krähen und Amseln […].“ Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 Fahrt aufnahm, hatte Michael Krüger (geb. 1943; viele Jahre Leiter des Hanser-Verlages, danach Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste) gerade eine Therapie gegen seine Leukämie begonnen – und zog sich, um sein geschwächtes Immunsystem vor Infektionen zu schützen, in das ‚Holzhaus‘ zurück, das seine Leser schon aus früheren seiner Bände kennen. Von dort, am Rand eines Dorfes, nahe dem Starnberger See, schickte er in der Folgezeit Gedichte an die Süddeutsche Zeitung, die sie in ihrer wöchentlichen Beilage veröffentlichte. Kontemplationen seiner Umgebung, seiner selbst, der Welt – mit jener unnachgiebig achtsamen und meditativen Zartheit, die die Wahrnehmung dieses Dichters immer auszeichnete, und mit all seiner Euphoriefähigkeit – gerade in jener Situation existentiellen Ausgesetzt-Seins. In einer Lesung und im Gespräch mit Felicitas von Lovenberg stellt er diese Kassiber der Kultur in Zeiten der Quarantäne im Lyrik Kabinett vor. Felicitas von Lovenberg leitet den Piper Verlag und war zuvor als Literaturkritikerin tätig (für die FAZ, die Literatursendung lesenswert des SWR etc.).


Begrenzte Platzzahl – Vergabe nach der 3G-Regelung, Anmeldung mit Name, Adresse, Telefonnummer: info@lyrik-kabinett.de.
Abend: € 8 / € 6; Mitglieder: freier Eintritt

Die Lesung ist wenige Tage nach der Veranstaltung nachzuhören auf www.dichterlesen.net.


[…]
Meine Erinnerung ist ein Scherbenhaufen,
der sich nicht mehr in Form bringen lässt.
Ich picke einige Stücke heraus, halte sie
gegen das Fenster, ins Licht, und staune
über den Reichtum, den Glanz, die Pracht.
Aber es gibt keinen Anschluss, keine Fortsetzung,
kein „Bild“: die SORGLOSIGKEIT, mit der unser Weltbild
aufgebaut war, das jetzt einzuknicken beginnt.
Ich stehe unter Quarantäne,
mein Immunsystem hat seine guten Tage
hinter sich. Man muss täglich neue Wörter lernen,
heute: Herdenimmunität. Mal sehen, wie lange
es sich hält. Firmament sagt auch keiner mehr.
Raus aus der Einfältigkeit, der unergründlichen Trauer!
Ich muss den Zaun flicken, bevor ich sterbe.
[…]

Michael Krüger, aus: Im Wald, im Holzhaus, Suhrkamp 2021, S. 9f.