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Datum/Zeit
Datum - 24.11.2016
19:00 - 21:30

Veranstaltungsort
Buch & Bohne

Kategorien


“Afrokultur” – Frauenstudien Leseclub von und mit Natasha A. Kelly

Seit einigen Jahrhunderten leben Schwarze Menschen in Deutschland – nicht erst seit 1945. Doch das Wissen um ihre Lebensgeschichten, die ja auch zur deutschen Geschichte gehören, ist bis heute nicht wirklich im weißen Mainstream angekommen – und das obwohl sich die afrodeutsche Community seit dreißig Jahren graswurzel-mäßig bestens vernetzt hat und immer wieder versucht, ihre Themen ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Die Berliner Wissenschaftlerin Dr. Natasha A. Kelly untersucht genau diese Lücke in der Wissensvermittlung in ihrem Buch “Afrokultur – der raum zwischen gestern und morgen”. Sie beschreibt, welche Mechanismen dafür sorgen, dass dieser Ausschluss von Schwarzem Wissen weiter besteht – und (unausgesprochene) Normen erhalten bleiben – zum Beispiel davon, wer als deutsch gelten kann und wer nicht.

Dazu stellt sie drei zentrale Figuren der afrodeutschen Geschichte vor: W.E.B. Du Bois (1868-1963), Audre Lorde (1934-1992) und May Ayim (1960-1996). An ihren Biografien lässt sich erkennen, in welchem Zusammenhang Schwarze deutsche Geschichte steht – und wie es in der aktuellen politischen Debatte um “Rasse” zu einem racial turn in Deutschland kommen kann.

Besonders spannend aus feministischer Sicht:

Die Arbeiten von Audre Lorde und May Ayim, die sich beide dafür eingesetzt haben, dass vor allem afrodeutsche Frauen ihre “Stimme” in dieser Gesellschaft hörbar werden lassen. So war die feministische Bewegung in Deutschland unglaublich wichtig für das Entstehen einer afrodeutschen Bewegung.

Außerdem seziert Natasha A. Kelly in ihrem Buch “Afrokultur”, wie diese Mechanismen des Ausschlusses bis heute wirken und untersucht dafür vor allem drei Ebenen: die sprachliche, die visuelle und die kognitive. Sie erklärt dazu:

“Auf der sprachlichen Ebene gibt es zum Beispiel berühmte Sprichwörter, Schimpfwörter, die immer noch Verwendung finden. Auf der visuellen Ebene bedeutet es, dass viele Menschen Schwarze oder Menschen mit dunkler Hautfarbe sehen und bei ihnen sofort Sehgewohnheiten aufgerufen werden. Und diese Sehgewohnheiten entstehen wiederum durch bestimmte Gedankenmuster – da sind wir jetzt auf der kognitiven Ebene – die sozusagen programmiert sind aus der Kolonialzeit. Also die Vorstellung, dass Deutsche weiß, blond, blauäugig sein müssen. Aber diese Vorstellung ist im Kolonialismus durch die Mischehen-Gesetze entstanden: Als die Kolonisatoren ausgezogen sind, haben sie sich Schwarze Frauen genommen – das war ja ein faux pas für die rassistische Ideologie der Zeit! Die Deutschen hatten Angst, dass die „Rasse“ beschmutzt wird. Deshalb wurden diese „Mischehen-Gesetze“ in den Kolonien, u.a. im heutigen Namibia, eingesetzt – um genau dies zu verhindern. Das ist eine Vorstellung, die bis heute weitergetragen wurde, die ihren grausamen Höhepunkt im Nationalsozialismus gefunden hat und bis heute immer noch die Vorstellungen der Menschen prägt. Nämlich die Vorstellung, dass Schwarze Menschen, , gar nicht hierher verortet werden können. Und das ist ein ganz klarer kolonialer Gedanke.”
Dieser Abend wird mit einer kurzen Lesung aus “Afrokultur” beginnen, anschließend wird Natasha A. Kelly in einem Vortrag ihre Forschungsarbeit und die Fragen, die sich daraus für unsere Gesellschaft stellen, kurz skizzieren. Anschließend wird für eine ausführliche Diskussion genug Zeit sein.

Natasha A. Kelly ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin und Soziologin mit den Forschungsschwerpunkten race und gender. Die in London geborene und in Deutschland sozialisierte Panafrikanistin ist die gewählte Hauptvertreterin der Europäischen Union im Landesbeirat für Integrations- und Migrationsfragen des Berliner Senats (2012–2017). Sie selbst versteht sich als »akademische Aktivistin«, die stets versucht, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden, um die Wichtigkeit und Notwendigkeit von Transferleitungen zwischen Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zu betonen. Die Autorin und Dozentin hat an zahlreichen privaten und staatlichen Einrichtungen in Deutschland und Österreich gelehrt und ist in diversen ehrenamtlichen Projekten engagiert.

Wer Lust hat, sich im Vorfeld noch genauer über die afrodeutsche Poetin und Aktivistin May Ayim zu informieren, dem sei diese Radiosendung über sie ans Herz gelegt – in der auch Natasha A. Kelly zu Wort kommt.

Moderation: Laura Freisberg

Der Eintritt ist frei. Voranmeldung erforderlich per Mail an info@frauenstudien-muenchen.de

Da die Platzzahl begrenzt ist, erhalten Sie von uns ca. 5 Tage vor Veranstaltung eine Bestätigung Ihrer Teilnahme per Mail. Wir bitten Sie, diese verbindlich bis zum 23.11. rückzubestätigen – ansonsten wird der Platz über die Warteliste weitervergeben.

Und bitte beachten Sie: Diese Veranstaltung richtet sich nur an Frauen.