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Datum/Zeit
Datum - 20.09.2019
17:00

Veranstaltungsort
fructa space

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Glauer Joie de Vivre bringt neben der Installation von Marius Glauer zudem eine neue dreiteilige Lesung von Jan Erbelding zur Aufführung. Erbeldings künstlerische Praxis ist textbasiert und vermittelt sich vor allem durch seine Performances/Lesungen. Hier ist Text nicht nur Schriftbild und Inhalt, sondern im Prozess des Vortragens, das grundsätzlich vom Künstler selbst übernommen wird, eröffnen sich weitere Wahrnehmungsebenen. Ausgangspunkt der Texte sind meist Beobachtungen der unmittelbaren Umgebung oder persönliche Erlebnisse des Künstlers: körperliche Empfindungen, Emotionen, Alltags- und Naturbetrachtungen, Tagträume und Imaginationen, Versatzstücke von Dialogen, Gedankenströme. Diese verflechtet Erbelding gekonnt mit theoretischen und literarischen Referenzen sowie gesellschaftspolitischen Kommentaren zu dichten, poetisch-assoziativen Berichten eines Ich-Erzählers. In Lesungen wirken diese Texte noch intensiver, wie aneinandergereihte, atemlose Beschreibungen intimer Wahrnehmungs- und Denkprozesse.

Durch die geraffte, seltsam gedämpfte Vortragsweise, bei der sich verschiedene Sounds, Sprachen und Geschwindigkeiten mischen und miteinander dynamisieren, vermitteln sich nicht nur Oberflächlichkeiten, Stoff- und Sinnlichkeit, sondern der Zuhörer findet sich wieder in einer diffusen, emotional aufgeladenen Atmosphäre. Obwohl die Dinge sehr konkret und plastisch benannt werden, verbleiben Jan Erbeldings Texte in einem wunderbar latent unscharfen Stadium der Abstraktion, schwer greifbar und nur individuell vom Zuhörer zu komplementieren. Aus dieser Textpraxis sind derweil auch Druckwerke erwachsen, die konkreter Poesie ähneln und mitunter Teil der Installationen werden. Zudem finden sich seit diesem Jahr erstmals auch lakonisch-poetische Objekte, wie die Uhren, die aus Kartonagen entstehen. Diese Objekte sind dingliche Manifestationen von etwas, das keine Existenz hat unterworfen sind: der Zeit. Diese Uhren sind ungenau genau, Zeit wird nicht mehr lesbar, bleibt aber dennoch (be-)greifbar. Hier wird Poesie philosophisch: „Wir liegen in wirklicher Haft an unwirklichen Ketten. Die Zeit, die selber etwas Unwirkliches ist, verbreitet über alles und uns selbst einen Schleier der Unwirklichkeit.“ (Simone Weil)

Jan Erbelding (*1984, Freudenstadt) ist ein in München lebender Künstler. Nach einer Fotografenlehre und einem Medienkunststudium an der HfG Karlsruhe studierte er freie Kunst an der AdBK München und schloss dieses als Meisterschüler bei Olaf Nicolai ab. Seine Arbeiten waren zuletzt zu sehen in der Kunsthalle Wien; im Eigen Art LAB, Berlin; Stiftung Federkiel, München; Kunsthalle BadenBaden/Cité, BadenBaden; Kreuzberg Pavillion, Berlin; D21, Leipzig und Kunsthalle Baselland, Basel. Jan Erbelding betreibt – zusammen mit Leo Heinik und Maria von Mier – Ruine München, einen Offspace, der Ausstellungen im Format einer Publikation realisiert, die jeweils einer Künstlerin gewidmet sind.

An drei Terminen finden 3 Lesungen statt:

  • 20. September 2019: durchdrehen / weggefahren
  • 28. September 2019: Der Wille zur Dekoration / Naturbetrachtungen
  • 26. Oktober 2019: Soundtrack / Lust for Life beziehungsweise joie de vivre

Zur Ausstellung:
Glauer Joie de Vivre. Diese Ausstellung ist ein Gefühl. Ein Moment, in dem das Dopamin zu tanzen beginnt, wir der Euphorie verfallen. In diesem Zustand unmittelbarer Gegenwart liegt alles so nah beieinander, dass es kaum auszuhalten, geschweige denn auseinanderzuhalten ist. Versuchen wir uns an Momente der Lebensfreude zu erinnern, gelingt das nur bedingt, denn Erinnerungen treffen nie den Punkt. Auf der Suche diese Empfindung zu fassen, hat sich Marius Glauer seinem Archiv gewidmet und seine Tentakel nach foto-biografischem Quellenmaterial ausgefahren.

Marius Glauer (*1983, Oslo, Norwegen) ist ein in Berlin lebender Künstler. Er studierte an der Parsons New School for Art and Design in New York und schloss sein Studium an der UdK Berlin als Meisterschüler von Josephyn Pryde ab. Seine Arbeiten wurden u. a. bei Addsdonna, Chicago; Heit, Berlin; Kunstnernes Hus, Oslo, und bei der Daimler Art Collection, Berlin, gezeigt. 2010 hat Marius Glauer – zusammen mit Gernot Seeliger – den artist-run space Heit, Berlin, mitbegründet und bis 2017 zahlreiche Ausstellungen organisiert.

Die Ausstellung im fructa space läuft bis 26. Oktober 2019 und ist geöffnet Do-Sa 14-18 Uhr und nach Vereinbarung.
www.fructa.org