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Datum/Zeit
Datum - 07.10.2019
19:00

Veranstaltungsort
Bayerische Akademie der Schönen Künste

Kategorien


Literatur am Montag

Begrüßung: Hans Pleschinski
Lesung: Dagmar Leupold

Kleist muß man nicht vorstellen. Kleist muß man zücken. Wie ein Messer oder wie ein Scheckbuch, auf das man einen besonders hohen Wechsel ausstellt. Und das möchte ich bei dieser schönen Gelegenheit tun: Die kühne Architektur seiner Sätze, die unglaubliche Fähigkeit, auf engstem Raum komplexe affektive Porträts und Psychogramme seiner Figuren zu entwerfen und erfahrbar zu machen, die nahezu haptische Sinnlichkeit seiner Sprache. D. Leupold

Kleist kann man durchaus noch heute als Antipoden des Geheimrats lesen, er, der, abgesehen von einer vorübergehenden Aufnahme in den Preußischen Staatsdienst (1801 bis 1806), mit vielen krisen- und reisebedingten Unterbrechungen, niemals ein Amt antrat oder einen festen Wohnsitz etablierte. Kleist ist und bleibt ein Anti-Klassiker – und das ohne ein Romantiker zu sein: Nicht durch Beispielhaftes belehren will er, sondern affizieren. Und selbst affiziert, entzückt sein. Das ist das elektrische Modell wie es in Die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden dargelegt wird, dynamisch und darin heikel – heikel, weil es nicht planbar ist. Das Heikle ist und bleibt, im Leben und im Schreiben Kleists, durchgängig gewärtig: Im August 1806 schreibt er dem »liebsten Rühle« (Otto August Rühle von Lilienstern): Die Wahrheit ist, daß ich das, was ich mir vorstelle, schön finde, nicht das, was ich leiste. Wäre ich zu etwas anderem brauchbar, so würde ich es von Herzen gern ergreifen: ich dichte bloß, weil ich es nicht lassen kann.

Kleist, schreibt Friedrich Dieckmann in seiner hellsichtigen Studie Auf der Streckbank der Geschichte, »ist der Mann der Hitze und der Kälte zugleich: einer Hitze, die sich allerorten, im Drama wie in der Erzählung oder der ästhetischen Reflexion, auf die äußerste Zuspitzung versteht, und einer Kälte, die, als Meisterschaft der Form, das Gefäß dieser Hitze bildet.«
In Kleists eigenen Worten gesagt (in einem Brief an die mütterliche Freundin Adolfine von Werdeck im Juli 1801): Ach, ich trage mein Herz mit mir herum, wie ein nördliches Land den Keim einer Südfrucht.

Möge es dem Abend gelingen zu zeigen, wie fruchtbar diese paradoxe Austragung war. D. Leupold

Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Bitte haben Sie dafür Verständnis, daß unser Platzangebot begrenzt ist. Daher werden eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung am Haupteingang der Residenz Platzkarten vergeben. Der Zugang zur Akademie ist nicht barrierefrei.

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