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Datum/Zeit
Datum - 15.10.2019
20:00 - 21:30

Veranstaltungsort
Kulturzentrum Einstein, Bildungszentrum Einstein 28, Vortragssaal 1

Kategorien


Ein Abend mit Marcel Beyer, Daniela Danz und Uwe Kolbe

Moderation: Niels Beintker (BR)
In Kooperation mit der MVHS

Noch immer – aus dem Rückblick von nunmehr dreißig Jahren – erscheint der Mauerfall als eine Art historisches Wunder: Die Trennung der beiden deutschen Staaten war eine bedrückend zur Gewohnheit gewordene Realität. Viele Menschen – im Osten wie im Westen – waren in diese Welt „hineingeboren“, wie Uwe Kolbe in einem Gedicht aus den 1970er Jahren schrieb. Unvorstellbar damals, dass jene „zaundurchsetzte Ebene“ einmal verschwinden würde… Drei Dichter unterschiedlicher Generationen blicken zurück auf 30 Jahre Mauerfall: Daniela Danz (geboren 1976 in Eisenach, Leiterin des Schillerhauses in Rudolstadt), Marcel Beyer (geboren 1965 in Tailfingen, Baden-Württemberg, Träger des Georg-Büchner-Preises 2016) und Uwe Kolbe (geboren 1957 in Ostberlin; 1988 nach Hamburg übergesiedelt, heute in Dresden lebend). Gemeinsam mit Niels Beintker vom Bayerischen Rundfunk denken sie über folgende Fragen nach: Inwiefern wirkt Lyrik als eine Zeitkapsel, die existenzielle Erfahrungen und auch historische Wirklichkeit speichert? Und welche neue und veränderte Realität hat seit 1989 Eingang gefunden in ihre Lyrik und ihre Poetik?


Bienen
Seltsam, wie oft sie einem mit Bienen kommen.
John Dos Passos, Orient-Express

In den Augen Sonne, unter den Flügeln
Reiche von morgen, in allen Zellen Hunger –
Bienen, wie sie der Osten zeugt.

Vom Ararat ausgesandt, Prometheus
überlebte mit ihnen, sie gaben Stimme
den Winden des Brachlands im Norden.

Wie bescheiden dagegen ist unser Schwärmen,
ausgeschmolzen die Zeit, auch dieses Licht,
in dem die Nachlese leuchtet.

Uwe Kolbe, aus: Gegenreden. Gedichte. S. Fischer 2015, S. 160