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Datum/Zeit
Datum - 08.12.2019
18:00 - 20:00

Veranstaltungsort
Hofspielhaus

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Eintausendzweihundertundvier Briefe haben Peter Iljitsch Tschaikowsky und Nadeshda Filaretowna von Meck einander in vierzehn Jahren geschrieben. Die beiden Briefpartner haben sich nie in ihrem Leben gesprochen, nur einige Male   von weitem gesehen. Was sie sich mitzuteilen und anzuvertrauen hatten, das schrieben sie sich und so hat diese Brieffreundschaft, die eigenartigste, welche die Musikgeschichte kennt, für uns den Wert als authentisches  Zeugnis der Gedanken und der Gefühle des grossen Klassikers der russischen Musik im neunzehnten Jahrhundert, des Menschen  und KomponistenTschaikowsky.

Ein Komponist lebt für die Nachwelt durch seine Musik und in seiner Musik, sie spiegelt sein Denken und Fühlen wider, mit dem er auf seine Umwelt reagiert. Es liegt jedoch im Wesen der Musik, dass sie dem Zuhörer Gefühle und auch Gedanken übermitteln kann aber nur wenig die Erscheinungen die ihnen zu Grunde liegen. Deshalb hatten viele Musiker das Bedürfnis in Briefen mitzuteilen was sie bewegte und einer der eifrigsten war Tschaikowsky. Seine Menschenscheu, die manchmal krankhafte Formen annehmen konnte, verschwand beim Briefeschreiben.Dann berichtete er von seinen Freuden und Leiden, seinen Hoffnungen und Enttäuschungen. Er war homosexuell und litt darunter es  verbergen zu müssen.

Man kann vermuten, dass er sich bewusst war in einer Epoche des Umbruchs zu leben, Nachhall des Dekabristenaufstandes (1825) ,des Krimkrieges (1854- 56), der die Rückständigkeit Russlands aufzeigte, Aufhebung der Leibeigenschaft (1861) und die einsetzende Industrialisierung, aber politische Ansichten hat er nicht gehabt. Er neigte zur pantheistischen Verklärung der Natur, liebte das Klare, das Lichte das sich ihm in Mozarts Musik offenbarte. Tschaikowsky liebte seine Heimat und wenn er im Ausland weilte, sehnte er sich stets nach Russland zurück. Er fühlte sich mit den einfachen Bauern verbunden und mit ihren Liedern, die er sammelte und in den Kompositionen verwendete.

Gelesen von Inge Rassaerts und Dieter Gilde.

Peter Tschaikowsky wurde am 25. April 1840 in Wotkinsk, einer kleinen Stadt westlich des Ural geboren als Sohn eines Bergwerkdirektors. Er starb am 25.Oktober 1893 in Petersburg an der Cholera. Nadeshda von Meck war beim Beginn des Briefwechsels eine reiche Witwe, exzentrische Musikliebhaberin und Mezänin des damals armen Tschaikovsky. Sie hatte elf Kinder, lebte aber sehr zurückgezogen und es verband sie die Menschenscheu und die Liebe zu Russland, ihr Wunsch war es die russische Musik auch im Ausland bekannt zu machen.Sie soll sehr herrschsüchtig gewesen sein und ihr abrupter Abbruch des Briefwechsels liegt im Dunkeln. Möglicherweise war ihr Tschaikowsky entglitten, denn mit den Jahren wurde er berühmt und wohlhabend oder aber ihre Kinder wollten die hohen Geldzuwendungen stoppen. Tschaikowsky war unendlich unglücklich darüber und schrieb ihr noch lange obwohl er keine Antworten mehr erhielt auf ihr kränkendes Verhalten.