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Datum/Zeit
Datum - 23.11.2019
16:30

Veranstaltungsort
Gasteig, Black Box

Kategorien


Geflüchtete Jugendliche schreiben Gedichte über Todesangst, Fremdheit und Sehnsucht

Im Versemachen finden die Jugendlichen ihre Stimme.

Auf Reisen durch Afghanistan hatte Spiegel- Korrespondentin Susanne Koelbl den Zauber der Lyrik in der persischen Kultur immer wieder erfahren und entwickelte eine ungewöhnliche Idee: Als von 2015 an Hunderttausende Menschen aus Krisengebieten nach Deutschland kamen, stellte sich die Frage, wie Fremdheit und Unsicherheit überwunden werden könnten – die Poesie als Brücke schien Koelbl ein guter Anfang.

Allein geflüchtete Jugendliche trafen sich regelmäßig und verfassten Verse über Todesangst, Sehnsucht und Fremdheit. Mittlerweile hat sich ein deutschlandweiter lyrischer Dialog zwischen Jugendlichen mit und ohne Fluchthintergrund entwickelt. Entstanden sind sehr persönliche Zeilen über Krieg und Angst, über Gemeinsamkeiten und Liebe.
Durch Lesungen wird dieser Dialog sehr real und berührend nach außen getragen. Veranstaltungen fanden unter anderem schon in Kooperation mit der Berliner Schaubühne und der Choreografin Sasha Waltz statt, eine erste Gedicht-Anthologie wurde mit dem Else-Lasker-Schüler-Preis ausgezeichnet. Zu Unterstützer_innen des Projektes zählen Herbert Grönemeyer, Günter Wallraff und der persische Popstar Aryana Sayeed.
Die Jugendlichen von The Poetry Project sprechen auf der Bühne von ihrem Leben und der literarischen Auseinandersetzung mit ihren Erfahrungen. Ihre Gedichte tragen sie in der Originalsprache vor, die deutschen Übersetzungen lesen Schauspieler_innen der Schauburg.

Meine Heimat habe ich verlassen,
mein Herz. Jetzt ist es wie Schlaf und Traum
und brennt in der Tiefe meines Körpers.
Die weinende Mutter hat mich fortgeschickt.
Die Leiden sind zu Ende, sagte ich.
Ich packte und machte mich auf den Weg.
Leib und Seele überließ ich dem Ozean,
Gott, ich existiere noch, danke.
Gott möge das Meer verfluchen, dass die Leiber verschlingt.
Das Gebet und die Liebe für die Schwester halfen mir anzukommen.
Aber meine Augen haben die Farben des Unglücks gesehen.

– Mohamad Mashghdost Bandar Anzali, Iran –

Begleitend zur Lesung findet am 22.11. auch ein Workshop mit Münchner Schüler_innen statt.

In Zusammenarbeit mit der Schauburg