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Datum/Zeit
Datum - 02.03.2018
20:00

Veranstaltungsort
Lyrik Kabinett

Kategorien


Moderne spanischsprachige Lyrik neu übersetzen

Lesung und Werkstattgespräch mit
Susanne Lange, Petra Strien, Àxel Sanjosé,
Martin von Koppenfels
und anderen.

In Kooperation mit dem Institut für Komparatistik an der LMU und der C.H.Beck Stiftung.

Eintritt: € 8 / € 6; Mitglieder: freier Eintritt
Abendkasse, freie Platzwahl

Im ‚langen‘ 20. Jahrhundert erlebt die Lyrik in spanischer Sprache eine regelrechte Blütezeit – das gilt für Spanien ebenso wie für die Literaturen Hispanoamerikas. Sie stellen das ehemalige Mutterland an poetischer Produktivität und Vielfalt in den Schatten, ohne doch die Bindung an europäische (etwa barocke) Traditionen ganz aufzugeben. Zwar sind die internationalen ‚Stars‘ der Lyrik (wie Antonio Machado, Federico García Lorca, Juan Ramón Jiménez, Pablo Neruda, César Vallejo, Octavio Paz) hierzulande ein Begriff, doch jenseits ihrer Werke gibt es viel zu entdecken – und zu übersetzen. Solche Entdeckungen zu ermöglichen, hat sich eine Gruppe von Übersetzern und Literaturwissenschaftlern zum Ziel gesetzt, die derzeit eine umfangreiche Anthologie spanischsprachiger Lyrik vorbereitet. Sie ist zum zweiten Mal im Lyrik Kabinett zu Gast, um – in Lesung und Gespräch – Einblicke in die Übersetzerwerkstatt zu geben.

De vita beata
En un viejo país ineficiente,
algo así como España entre dos guerras
civiles, en un pueblo junto al mar,
poseer una casa y poca hacienda
y memoria ninguna. No leer,
no sufrir, no escribir, no pagar cuentas,
y vivir como un noble arruinado
entre las ruinas de mi inteligencia.

De vita beata
In einem alten, schlecht regierten Land,
etwa wie Spanien zwischen zwei Bürgerkriegen,
in einem Dorf am Meer
ein Haus besitzen, wenig Grund und Boden
und keinerlei Erinnerung. Nicht lesen,
nicht leiden, schreiben, Rechnungen bezahlen
und hausen wie ein ruinierter Edelmann
in den Ruinen meines Denkvermögens.

Jaime Gil de Biedma, Übersetzung: Martin von Koppenfels