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Datum/Zeit
Datum - 13.05.2022
19:00 - 21:00
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Leo Hoffmann (Zeile) und Thomas Huber (Strich) erzählen in dieser Ausstellung die Heldenreise eines Knopfes namens Pius. Der ist ein runder Fundamentalist mit katholisch geprägtem Horizont, sieht das Leben in Schwarz-Weiß, hat Fremdenangst, verwechselt Geld- mit Selbst-Wert und will doch so gerne ein „Glücksknopf“ werden. Am Ende seiner Reise ist der Knopf völlig zerschunden, hat aber das Leben entdeckt und Gefühle entwickelt. Als Pius von sich selbst absieht, um andere glücklich zu machen, wird auch seine Welt plötzlich, wie sie wirklich ist: bunt! Knöpfe sind zuverlässige Begleiter, die mehr Aufmerksamkeit verdienen.
Deshalb machte die Autorin Leo Hoffmann einen Knopf zum Protagonisten ihrer absurden Abenteuergeschichte.
Thomas Huber, Maler und Land-Art-Spezialist
, schuf die eigenwilligen Zeichnungen, gewollt gekritzelt und scheinbar improvisiert. Veröffentlicht wurde dieses künstlerische Teamwork mit den Mitteln einer von der Landeshauptstadt München geförderten Crowdfunding-Kampagne – statt eines Katalogs gibt’s also ein frisch gedrucktes Buch.

Eröffnung: Freitag, 13. Mai 2022, Beginn: 19 Uhr

Einführung: Leo Hoffmann 

Ausstellung: vom 14. Mai 2022 bis 29. Mai 2022

Geöffnet: Freitag und Samstag: 15 bis 18 Uhr, Sonntag: 13 bis 16 Uhr   

Finissage mit Lesung: Sonntag, 29. Mai 2022 um 17 Uhr im Innenhof des streitfeld

Diese Veranstaltung wird gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München. Es gelten die jeweils gültigen Corona-Hygiene-Regeln.

 

Großer Auftritt für einen Unsichtbaren

Täglich benutzen wir sie wie Selbstverständlichkeiten und zollen ihnen keine Beachtung. Man bemerkt sie erst, wenn sie fehlen. Meistens am Hosenbund. Oder wenn’s am Hals plötzlich zieht. Dabei waren sie einst eine revolutionäre Erfindung, die Knöpfe samt ihrem unerlässlichen Gegenüber, dem Knopfloch. Sie lösten Gewandspangen und Gürtel, Fibeln und Schnüre, Haken und Ösen ab. Sie erwiesen sich als so praktisch, dass sie sogar Eingang in die Sprache fanden: Wer nicht richtig hinschaut, hat „Knöpfe auf den Augen“. Kleine Kinder werden gerne mal überheblich als „Knöpfe“ bezeichnet. Wen man mit unsauberen Methoden um sein Geld bringt, dem „knöpft man es ab“ und wer Ärger macht, den „knöpft man sich vor“.

Trotz dieses sprachlichen Reichtums und ihrer milliardenfachen täglichen Einsätze fehlte bisher der literarische und künstlerische Auftritt der Knöpfe auf der Weltbühne. Diesen Mangel haben sie ausgeglichen, die Autorin Leo Hoffmann und der Maler und Land-Art-Künstler Thomas Huber vom Duo GÆG: Sie erschufen für Leser ab 12 Jahren das Bilderbuch „verflixt und zugeknöpft“.

Mit der Geschichte des Knopfes Pius erzählen Hoffmann und Huber eine Heldenreise: Aus Langeweile löst sich Pius von einer Priestersoutane und lässt sein Knopfloch Marianne im Stich. Dank seines katholisch geprägten Horizonts sieht er das Leben in Schwarz-Weiß, hat Fremdenangst, kennt Empathie nur für sich selbst. Er verwechselt Geld-Wert mit Selbst-Wert.
Auf humorvolle Art schildern Hoffmann und Huber die Folgen von religiösem Idealismus: Weltabgewandtheit, Engstirnigkeit, Mangel an eigenen Zielen und Unkenntnis, wie man sie verfolgt.
 Doch Pius beschließt, ein „Glücksknopf“ zu werden. Diesem Entschluss folgt eine wilde Odyssee durch Schränke, Staubsaugerröhren, Kitteltaschen, Waschbecken und Mülleimer … Am Ende dieser Reise ist Pius völlig zerschunden. Doch hat er das Leben in all seinen Facetten entdeckt: Betrug, Arbeitsalltag, Theater, Literatur und Gefühle.
 Als er von seinen vier Löchern absieht, um andere froh zu machen, entdeckt er, dass genau das glücklich macht. Endlich sieht er die Welt, wie sie ist: bunt!

Bunt ist auch die Ausstellung dieses künstlerischen Teamworks im Projektraum des Streitfeld, in der Streitfeldstr. 33, die ab 14. Mai 2022 läuft und am 29. Mai mit einer öffentlichen Lesung (17 Uhr) endet. Denn sie vollzieht die Abenteuer des Knopfes in Stil und Rhythmus als Installation dramatisch nach. Ein Film und Scharen von Knöpfen ergänzen die Originalzeichnungen.
Mit der Ausstellung „verflixt und zugeknöpft“ singen Huber und Hoffmann einerseits ein Loblied auf die Selbstfindung, andererseits auf die Zweit- und Drittverwertung alltäglicher Dinge. Denn wir sind alle Knöpfe!
Veröffentlicht wurde dieses künstlerische Teamwork mit den Mitteln einer von der Landeshauptstadt München geförderten Crowdfunding-Kampagne – statt eines Katalogs gibt’s also ein frisch gedrucktes Buch. Der Mehrwert seiner 124 Seiten liegt im Lese-Spaß und im Genuss der so peniblen wie absurd unordentlichen Zeichnungen, die sich glatter Illustration verweigern.

Leo Hoffmann
schreibt Kurzgeschichten und Theaterstücke für Jugendliche und Erwachsene. Uraufgeführt davon wurden „Pfeifen im Wald“ 2003 auf dem NRW-Theatertreffen am Theater Aachen,
„Oh, what a Lovely Afternoon!“ 2004 am Akademie-Theater München,
„Luise, der Führer ruft!“ 2006 am Theater Aachen und
die Oper „Die Marquise von O.“ mit ihrem Libretto nach der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist 2011 an der Opéra de Monte-Carlo.

2019 inszenierte sie ihren Monolog „Safran, Korallen, Barchent“ als Stadtschauspiel in Ravensburg und veröffentlichte ihr Kinderbuch „Die Welt hat viele Farben“ im neunmalklug-Verlag.

Im Februar 2022 erschien ihr Kinderbilderbuch „Das kleine gelbe Haus“ im Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart.

Thomas Huber
studierte Malerei und Zeichnung an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Horst Sauerbruch.
Mit dem Förderstipendium der Stadt München startete er 1993 eine Reihe von aktionistischen Landart-Projekten, vorzugsweise in arktischen Regionen. Ausgehend von der Malerei beschäftigt er sich auch mit Objektkunst, Installation und Medien.

2011 nahm er als Mitglied des Künstlerduos GÆG mit dem Projekt „passage2011“ an der 54. Biennale di Venezia teil,
2017 am Projekt „linear“ in den USA und
2021 bei der Installation „UND ENDLICH“ in den Schweizer Alpen.

http://verflixtundzugeknöpft.de