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Datum/Zeit
Datum - 29.05.2017
19:00

Veranstaltungsort
Seidlvilla

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Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Hasse (Goethe-Universität FfM)

Die Philosophie – erst Recht die Lebensphilosophie – scheint heute von geringem politischen Nutzen zu sein – vor allem im Vergleich mit Soziologie und Politikwissenschaft, mehr aber noch den anwendungsbezogenen Naturwissenschaften. Das täuscht – aber erst dann, wenn die Philosophie sich weniger als ein Dienst am Denken denn am Menschen versteht. Inner­halb der Wissenschaften kommt der Lebensphilosophie dann eine aufklärungsorientierte Schlüsselstellung zu. Im Unterschied dazu lehrt der Szientismus ein aseptisch-maschinisti­sches Verhältnis zum Leben. Im Schatten immer höher gelegter Abstraktionsbasen des Denkens beschleunigt sich das Vergessen des sinnlichen wie leiblichen Selbst. Schon der Mythos der Ubiquität des intelligiblen Akteurs erzählt die illusorische Geschichte eines Menschen als brain-machine. Heute stellt sich nicht mehr die Frage, was die Wissenschaften den Menschen zu sagen haben, sondern was die Menschen von den Wissenschaften verlangen müssen. Otto Friedrich Bollnow, Hermann Schmitz, Rudolf zur Lippe und Peter Sloterdijk sollen mögliche Richtungen auf dem Weg einer lebensphilosophischen Spurensu­che bahnen. Diese folgt dem Projekt einer Sorge um das eigene Leben. Ein differenziertes Sprechen-können über das Banale des Alltäglichen (z.B. eine Atmosphäre der Stille oder das Wehen des Windes) erweist sich als Hebel der Kritik gegenüber einer sedierenden politischen Akzeptabilität, in deren Schatten die Denk-Voraussetzungen praktizierter Herrschaft unhinterfragt bleiben.

Veranstalter: Nietzsche-Forum München e.V.
Bitte bringen Sie interessierte Freunde und Bekannte mit!
Unkostenbeitrag € 8.–/ 6.– / Studenten frei
Mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München