by LiSe | 28. März 2021 | Blog, Vermischtes
Der Nachlass Grete Weils in der Monacensia
Von Katrin Diehl
Eines der „Objekte“, das zu dem in der Monacensia aufbewahrten Nachlass der Schriftstellerin Grete Weil (1906-1999) gehört, schiebt die wunderbaren Jahre, die sie hatte, weit, weit weg, die „unglaublich glückliche“ Kinderzeit, das viele Spielzeug, die lieben Menschen, die Tage in Egern am Tegernsee… „Ein Ort, in dem man zu Hause ist, wirklich zu Hause, auch dann noch, als über dem Ortsschild ein Transparent mit der Aufschrift hängt: ‚Juden betreten den Ort auf eigene Gefahr‘ “, schrieb Grete Weil 1998 in ihrer Autobiografie „Leb ich denn, wenn andere leben“. Wolken zogen da auf, aber schön war es immer noch. Auch in der Stadt, in München, in der herzeigbaren Stadtvilla. Der Herr Vater, Siegfried Dispeker, ein angesehener „Geheimer Justizrat“, und seine Frau Bella empfingen gerne Gäste und auch der elf Jahre ältere Bruder Fritz war durchaus präsentabel, ein Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs mit Verdiensten. Der Grete geht es so richtig gut. „Ich war wahnsinnig verwöhnt. Ich brauchte nichts zu tun, brauchte nur da zu sein, wurde geliebt“, sollte sie später einmal sagen. (mehr …)
by LiSe | 28. März 2021 | Blog, Vermischtes
Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat April diese Neuerscheinungen:
Alena Schröder: Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
dtv
In diesem Debütroman geht es um vier Generationen von Müttern und Töchtern, es geht um mütterliche Liebe, die nie genug ist, um Verletzungen und Kränkungen und es geht ums Überleben – das alles verpackt in 100 Jahre Familiengeschichte und Zeitgeschichte. Alena Schröder schafft es, darüber wunderbar frisch und mitreißend zu schreiben, und angenehm witzig wird es sogar streckenweise, wenn die 27-jahrige Hannah auf der Suche nach einem verschollenen Bild ihre Familiengeschichte begreifen will, während sie ihre eigene verkorkste Beziehung zu Männern durchlebt. (mehr …)
by LiSe | 28. März 2021 | Blog, Kurzgeschichte
Von Philipp Stoll
Sehr geehrte Frau Schulze,
ich schreibe Ihnen, weil der Anrufbeantworter ihres Geschäftstelefons keinen Speicherplatz mehr hat und mir nach dem Signalton nicht einmal Zeit blieb, Luft zu holen. Vermutlich rufen ständig Kunden an, um einen Termin zu vereinbaren, jetzt, da es wieder erlaubt ist. Auch ich gehöre zu denen, die dringend Ihrer Dienste bedürfen. Die Blicke meiner Frau werden von Tag zu Tag entnervter. Du schaust unmöglich aus, hat sie heute Morgen in ihrer Ehrlichkeit gesagt. Wie ein Schimpanse mit silbrig-brauner Mähne, greisenhaft verblödet und am Abend zu nichts mehr zu gebrauchen. Ich finde Ehrlichkeit bei anderen Menschen nicht immer eine gute Eigenschaft. Die Details aus unserem Intimleben erspare ich Ihnen. Aber Sie sehen, meine Würde droht gänzlich zu verstrubbeln, und ich bitte Sie dringend um Wiederherstellung derselben. (mehr …)
by LiSe | 28. März 2021 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Benedict Wells’ Coming-of-Age-Roman „Hard Land“
Von Slávka Rude-Porubská
Altwerden ist nichts für Feiglinge – und Erwachsenwerden erst recht nicht. Daher hat es der 15-jährige Sam Turner aus Grady im US-Bundesstaat Missouri denkbar schwer: Der Ich-Erzähler im neuen Roman des aus München stammenden Autors Benedict Wells hält sich selbst für einen „unreifen Schisser“, einen Feigling und Loser. Wells gewinnt der fast stereotypen Figur des nerdigen Außenseiters, der in der Schulcafeteria stets allein am Tisch sitzt, überzeugende Konturen ab und schenkt ihm einen unvergesslichen Sommer, über den Sam im Rückblick resümiert: „Ich fühlte mich so, wie ich mich schon mein ganzes Leben fühlen wollte: übermütig und wach und mittendrin und unsterblich.“ (mehr …)
by LiSe | 28. März 2021 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Anatol Regnier betrachtet sie einzeln, die „Schriftsteller im Nationalsozialismus“
Von Katrin Diehl
So geht Literaturgeschichte. Um ein Gespür dafür zu bekommen, was so alles passiert ist in diesen „1000 Jahren“, zoomt da einer heran, bis einzelne Menschen erkennbar werden in ihrem angestrengten, eifrigen, übereifrigen, verzweifelten, beizeiten auch mühelosen Unterfangen, für sich einen Weg zu finden durch die irgendwie neue Zeit, die da ausgebrochen ist, und die nichts anderes war als eine durch und durch verbrecherische Diktatur. Nicht, dass es da nicht schon einiges gäbe über das nationalsozialistische Deutschland und seine Schriftsteller und Schriftstellerinnen. (mehr …)
by LiSe | 26. Feb. 2021 | Blog, Titelgeschichte
Ulrike Draesner baut auf die Kraft der Sprache
Von Ursula Sautmann
Flucht und Vertreibung, Krieg und Exil sind Ereignisse und Erlebnisse, die Millionen von Menschen passieren und ihre Wirkung entfalten. Allzu oft sind sie so schmerzhaft, dass die Sprache versagt und nur noch das Schweigen bleibt. Ulrike Draesner ist aufgewachsen in einer bayerisch-schlesischen Familie mit eigener Fluchtgeschichte. Sie ist das auslösende Moment für ihre Trilogie über Flucht und Vertreibung. Die Autorin greift Erlebnisse und Erfahrungen in Zusammenhang mit Krieg und Exil auf und überführt sie in Romane, in Literatur. (mehr …)
by LiSe | 26. Feb. 2021 | Blog, Kolumne
Wenn „das Schöne ist erst des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen“. Kommt uns bekannt vor. Irgendwie Schulzeit, Abitur. Aber vielleicht ist es ja umgekehrt. Das Schreckliche ist des Schönen Anfang? (mehr …)
by LiSe | 26. Feb. 2021 | Blog, Vermischtes
Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat März diese Neuerscheinungen:
Brian Moore:
Schwarzrock
Diogenes
Historischer Hintergrund des eher schmalen, aber ungeheuer dicht erzählten Romans ist die Missionierung von Irokesen und Huronen durch Jesuiten, die schon Mitte des 17. Jahrhunderts, also rund 200 Jahre vor der Eroberung des „Wilden Westens“, tief in die Wildnis Nordkanadas vordrangen. Moore erzählt vom „Cultural Clash“: Mit tiefem Verständnis und warmem Blick für beide Seiten beschreibt er das totale Unvermögen sowohl der Indianer als auch der durchaus gutwilligen jesuitischen Patres, sich in der völlig fremden Gedankenwelt der jeweils anderen zurechtzufinden … mit dramatischen Konsequenzen für alle … (mehr …)