Tapetenwechsel – Ein deutsch-tschechischer Literaturaustausch – Ausschreibung 2021

Das Förderprogramm „Tapetenwechsel – Ein deutsch-tschechischer Literaturaustausch“ ist eine Form der Schriftsteller*innenförderung, die es Autor*innen aus Deutschland ermöglicht, sich während eines Aufenthalts in Tschechien ganz ihren künstlerischen Tätigkeiten zu widmen. Reziprok kommt ein*e tschechische*r Autor*in nach Deutschland.
Realisiert wird das Programm vom virtuellen Literaturhaus Bremen, globale e.V., den Künstlerhäusern Worpswede, dem Tschechischen Literaturzentrum (Sektion der Mährischen Landesbibliothek) und dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. (mehr …)

[LiSe 01/21] WAS WIRKT

„Heimrad Bäcker. es kann sein, dass man uns nicht töten wird und uns erlauben wird, zu leben“ – eine Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum

Von Katrin Diehl

Vergessen und erinnern sind nicht unbedingt Gegensätze. Fast  lässt sich sagen, dass jedes Vergessen in  einem gewissen Sinne auch ein Erinnern ist. Womit man schnell beim Thema Verdrängung wäre, die – wir wissen das alle – Folgen nach sich zieht.

Und so könnte es also sein, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Quasi-Verschwinden des Schriftstellers und Verlegers Heimrad Bäcker aus dem feuilletonistischen Bewusstsein – denn immerhin  gilt er als „ein wichtiger Vertreter der konkreten Poesie und Impulsgeber der literarischen Avantgarde Österreichs nach 1945“ – und der Tatsache, dass sich eben dieser Heimrad Bäcker auf einmalige wie beeindruckende Weise und ganz einzelgängerisch sehr früh für die Verbrechen der Nationalsozialisten sowie die Menschen, Jüdinnen und Juden, die ihnen ausgesetzt waren,  interessiert hat.  Dabei war es natürlich mehr als Interesse, was ihn da getrieben hat, und es war auch mehr als eine Dokumentation, die er sehr zaghaft und erst nach Jahren zum ersten Mal hat an die Öffentlichkeit kommen lassen, und begonnen hatte er mit seiner Recherche ja auch bereits schon kurz nach ‘45, ganz für sich, auf der Suche nach Bildern, Stimmen, Dokumenten, Spuren. Der „kontaminierte“ Ort – diese Bezeichnung stammt von dem Journalisten und Autor Martin Pollack – auf den sich Bäcker konzentrierte, war das oberösterreichische Mauthausen, dort das ehemalige Konzentrationslager, das zwar – weil die Alliierten das so wollten – bereits 1949 zu einer Gedenkstätte geworden war, das aber damals als bereits verkleinerter Baukomplex nicht eben groß auf sich aufmerksam machte. Für die Stimmen der Wenigen, die aus bloßem Zufall den Holocaust überlebt hatten, den traumatisierten Zeitzeugen, hatte zu dieser Zeit ohnehin kaum jemand ein Ohr. Man war mit anderem beschäftigt und wollte solche „Sachen“ jetzt nicht hören. (mehr …)

[LiSe 01/21] Kolumne: Skandal verpufft

Seni, der Hofastrologe des berüchtigten Feldherrn Markus Söder, wusste es schon längst, oder arbeitet er für Wallenstein, na, egal, dass Mitte Dezember schweres Unheil dräute: Jupiter überholte den weiter entfernten Saturn und beide standen, von der Erde aus betrachtet, in teuflischer Konjunktion! Schon im ahndungsvollen Vorgriff darauf hatte der marsbegnadete Polemiker Maxim Biller in der SZ den steirischen Dorf-Unschuldsengel Lisa Eckart (Berufswunsch: Kabarettistin) mit seiner „sehr blonden HJ-Frisur“ aus allen Wolken gezerrt und die „Hitlerboys“ vom ZDF gleich dazu, das hatte gesessen – mochte mancher meinen.

Zumal die SZ (und das nicht nur in Klammern) ja auch gerade wild um Aufmerksamkeit, Sensationen und Auflage buhlt. Einsparungen müssen sein! Bis Silvester sollten, so hieß es, 50 Redakteure aus der großen Zeitung „sozial verträglich“ ausgebootet werden! (mehr …)

[LiSe 01/21] Literarische Archive (Folge 20): Satiren nur Männersache?

Die Wiederentdeckung der Gisela Elsner und ihr Nachlass in der Monacensia

Von Katrina Behrend Lesch

Gisela Elsners Leben war von zwei Dingen geprägt. Zum einen wurde sie 1937 in der NS-Reichsparteitagsstadt Nürnberg geboren. Zum anderen kam sie zeitlebens mit dem Zwiespalt zwischen ihrer großbürgerlichen Herkunft und ihrer radikalen Ablehnung alles Bürgerlichen nicht zurecht. Gleichzeitig stellten beide Faktoren die Konstanten in ihrer schriftstellerischen Arbeit dar. Sowohl die spießige Möchtegern-Welt der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft als auch deren Verstrickung in die NS-Vergangenheit waren die Themen, an denen sich Elsner in ihren Werken abarbeitete. Mit ihrem Debütroman „Die Riesenzwerge“ (1964), einer ins Monströse gesteigerten Beschreibung kleinbürgerlicher Lebenswelten, landete sie einen ungeheuren Erfolg, doch dass hinter der messerscharfen Satire eine Frau steckte, schockierte die Presse und lief der Erwartungshaltung an weibliches Schreiben gänzlich zuwider. Wenn hierzulande, so Elsner in einem Interview mit der Zeitschrift kürbiskern aus dem Jahr 1978, eine Frau das Schreiben schon nicht lassen könne, würde man ihr gönnerhaft trübe Metaphern über Geburt, Liebe und Tod gestatten, ja sogar mal einen surrealistischen Seitensprung. Satiren hingegen seien wie Bordellbesuche ausschließlich Männersache. (mehr …)

[LiSe 01/21] Lyrische Kostprobe: LAUTenLOS

Wolfgang Berends, der 1966 in München geboren wurde, ist seit 2004 Leiter der Bibliothek der Stiftung Lyrik Kabinett. Als Lyriker bestreitet er häufig Lesungen. Auch als Übersetzer und Rezensent ist er gelegentlich tätig. Zuletzt erschien sein Gedichtband „Nach Durchsicht der Wolken“ (Stadtlichter Presse, 2016).   RED

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Im Gehölz

Du schneidest alles,
was vor dir ist,
du durchschneidest
die Luft.

Der Wald ist bei uns
immer seltener, in den
wir, wie in die Rinde,
eingedrungen sind.

Die Bäume, warum
zählst du sie nicht,
zuende?

Wolfgang Berends

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