Jan Wagner kuratiert das forum:autoren 2018

Der Lyriker und Büchner-Preisträger Jan Wagner wird das diesjährige forum:autoren gestalten, das vom 15. bis 22. November im Rahmen des Literaturfests München stattfindet. Unter dem Motto „Schönes Babel. Europäische Lektüren“ wird die sprachliche Vielfalt Europas in den Mittelpunkt der eingeladenen Autorinnen und Autoren gestellt. Dabei setzt der Kurator Europa nicht mit den Unionsstaaten gleich, sondern begreift es im weiteren geographischen und kulturellen Sinne – auch die Ukraine und Russland umfassend. Beim forum:autoren 2018 sind Lesungen, Gespräche, Lyriknächte und Konzerte geplant. Im Blick auf den Brexit 2019 widmet Jan Wagner dem Vereinigten Königreich besondere Aufmerksamkeit und lädt Gäste aus England, Schottland, Nordirland, Irland und Wales nach München ein. Außerdem will er die junge europäische Lyrik Europas zeigen, in all ihrer Vielfalt, aus rund 28 Ländern und verschiedenen Sprachräumen. (mehr …)

[LiSe 02/18] Namen locken

Vor 60 Jahren wurde die Bayerische Akademie der Schönen Künste gegründet

Von Katrina Behrend Lesch

Wenn sich an einem nasskalten Vorweihnachtstag gegen sechs Uhr vor dem Eingang der Residenz auf dem Max-Joseph-Platz eine Menschentraube bildet, dann ist Akademiezeit. Diesmal war es Heinrich Bölls 100. Geburtstag, der für Gedrängel an der Pforte sorgte. Da mag sein Name, der im Nachkriegsdeutschland zu den wichtigsten unter unseren Schriftstellern zählte, an Bedeutung verloren haben, wenn die Akademie ruft, ist der Andrang groß, und sicher trug neben Gert Heidenreich und Sven Hanuschek als Referenten auch Regisseur Volker Schlöndorff dazu bei. Seine Verfilmung der Böll’schen Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von 1975 führte seinerzeit einem großen Publikum eindringlich vor Augen, wie machtlos der Einzelne einer zur Massenhysterie angeheizten öffentlichen Meinung.ausgeliefert war. Geändert hat sich daran nichts, damals war es eine gewisse Boulevardpresse, heute wabern Verunglimpfung und Hetze durch die sozialen Medien. (mehr …)

[LiSe 02/18] Kolumne: Theater-Erektionen

Der Mann und seine Erektionen. Einst ein Tabu, vielleicht eines der letzten. Jörg Hube als Herrmann rühmte die seinen vor Jahren gegenüber Ehefrau Helga (Franziska Walser) in dem vergessenen Stück „Nicht Fisch nicht Fleisch“ Sie solle die Chance nützen!
F. X. Kroetz nahm damit auf der Bühne der Kammerspiele männliches Potenzgehabe aufs Korn. Die Frau wollte (aber, schon damals) nicht näher darauf einsteigen. Karriere im Kopf. – Gutes altes Sprechtheater. Jedes Tabu ist verhandelbar, alles kann man auf die Bühne bringen! (mehr …)

[LiSe 02/18] Dichter-Denkmäler in München (Folge 4)

Alles, was faul und schlecht war

Die Landeshauptstadt und ihr Emigrant Feuchtwanger  – ein schwieriges Verhältnis

Von Ina Kuegler

Früher hatte die schöne, behagliche Stadt die besten Köpfe des Reiches angezogen. Wie kam es, dass sie jetzt fort waren, dass an ihrer Stelle alles, was faul und schlecht war im Reich und sich anderswo nicht halten konnte, magisch angezogen nach München flüchtete“. Dieses Urteil über München stammt aus dem Jahr 1925, Lion Feuchtwanger hält es in seinem Roman „Erfolg“ fest, zieht selbst die Konsequenz: Er verlässt München und lebt fortan in Berlin. Noch Jahrzehnte später ist das Verhältnis Feuchtwanger – München ein angespanntes. Mittlerweile gibt es ein Lion-Feuchtwanger-Gymnasium in der Landeshauptstadt und eine nüchtern-anmutende Tafel am St.-Anna-Platz, die an den weltweitbekannten und (zwangsweise) weltweitgereisten Schriftsteller erinnert. (mehr …)