[LiSe 03/24] Jahr eins nach Zille

Die Leipziger Buchmesse wird dieses Jahr zum ersten Mal von einer Marketingfachfrau geleitet.

Von Michael Berwanger

Im Blätterwald und den Rundfunkanstalten toste es gewaltig, als im vergangenen Jahr der langjährige Leiter der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, seinen Posten hinschmiss, obwohl ihm nach der dreijährigen Corona-Zwangspause ein bemerkenswertes Comeback der Buchmesse gelungen war. 33 Jahre lang hatte er eine der ältesten deutschen Fachmessen für Literatur gelenkt und dabei nicht nur die Transformation vom sozialistischen Wirtschaftsplan zur kapitalistischen Unternehmensstruktur geschafft, sondern er hatte auch ohne Rückschlag den Umzug von der komfortablen Innenstadtlage „Messehaus am Markt“ zum neuen Messegelände im Norden Leipzigs vollzogen. Und mehr noch: Er konnte beständig Besucherzahl wie Zahl der teilnehmenden Verlage steigern, etablierte die Leipziger Buchmesse nach der Frankfurter Buchmesse zum zweitgrößten Literaturort, machte aus ihr das größte deutsche Literaturfestival. (mehr …)

[LiSe 03/24] Kolumne: Bücher aus dem Kühlregal

Literatur ist gefährlich. Man kann sich an ihr verschlucken. Man kann an ihr ersticken. Was auch daran liegt, dass Menschen, egal welchen Alters, nie aufhören, mit dem Mund zu erkunden. Wie schmeckt ein Buch, ein Vorwort, ein Inhaltsverzeichnis? Bücherfresser wissen darauf eine Antwort. Sie sparen sich Lesezeichen (auch Regalplatz), beginnen die Seiten, die sie konsumiert/gelesen haben, ein zweites Mal essend zu konsumieren. Und das geht so: Das Blatt herausreißen, zusammenknüllen, in den Mund schieben, zerkauen, hinunterschlucken. Je nach Papierqualität kann das alles ganz schön mühsam werden, und wenn’s schlecht läuft, wenn’s am griffbereiten Wasserglas fehlt, auch schlimm enden. (mehr …)

[LiSe 03/24] Lyrische Kostprobe: „Ein Raum im Bewusstsein“

Fedor Pellmann (*1967) wuchs in den 1960er und 1970er Jahren als durchschnittliches Landkind in einem Dorf bei Augsburg auf. Nach Zivildienst und Automechaniker-Lehre folgte ein Studium auf Lehramt mit Anstellung in Neu-Ulm. Doch bald schon führte ihn sein Weg als Lehrer nach Argentinien und heiratete in Buenos Aires. Zurück kam er 2011; seitdem lebt er in München. (mehr …)

[LiSe 03/24] Unabhängige Verlage, Teil III: Es bleibt in der Familie: Der Schillo Verlag

Von Markus Czeslik

„Mit dem Verlag habe ich mir einen Traum aus Studienzeiten erfüllt“, sagt Thomas Schillo. Zufrieden sitzt er mit seiner Tochter in einem hellen Atelier gegenüber dem Ostbahnhof. Sophie hat mittlerweile fast die komplette Verlagsarbeit von der Autorenbetreuung über die Inhalte und Gestaltung bis zum Vertrieb übernommen. Auch das macht Thomas Schillo stolz: „Um die Zukunft brauche ich mir keine Sorgen zu machen.“ (mehr …)

[LiSe 03/24] Für Kinder und ihre Eltern: Münchner Bücherschau junior

Die Münchner Bücherschau junior hat sich auch in diesem Jahr einiges einfallen lassen, um Kinder (und ihre Eltern) für Literatur zu begeistern. Vom 2. bis zum 10. März finden im Fat Cat (ehemals Gasteig am Rosenheimer Platz) zahlreiche Veranstaltungen mit Kinder- und Jugendbuch-Autor*innen statt. Eine Veranstaltung ist den Themen KI und ChatGPT gewidmet, eine andere dem Marvel-Universum mit Lesung und Workshop. Die Musikschule Puchheim gestaltet eine musikalische Bilderbuchlesung. Das gesamte Programm gibt es bei www.muenchner-buecherschau-junior.de, Tickets bei München Ticket. (mehr …)

[LiSe 03/24] Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat März diese Neuerscheinungen:

Rebecca F. Kuang: Yellowface
Eichborn

June Hayward und Athena Liu könnten beide aufstrebende Stars der Literaturszene sein. Doch während die chinesisch-amerikanische Autorin Athena für ihre Romane gefeiert wird, fristet June ein Dasein im Abseits. Als June Zeugin wird, wie Athena bei einem Unfall stirbt, stiehlt sie Athenas neuestes, gerade vollendetes Manuskript, einen Roman über die Heldentaten chinesischer Arbeiter während des Ersten Weltkriegs. June überarbeitet das Werk und veröffentlicht es unter einem Künstlernamen. Denn verdient es dieses Stück Geschichte nicht, erzählt zu werden, und zwar egal von wem? Gesellschaftsanalytisch zeigt die Autorin, wie Minderheiten unterdrückt werden. (mehr …)