Auszeichnung für die Lyrik-Kabinett-Gründerin Ursula Haeusgen

Auszeichnung für die Lyrik-Kabinett-Gründerin Ursula Haeusgen – Freistaat fördert Bibliothek des Lyrik-Kabinetts erstmalig mit 40.000 Euro

MÜNCHEN. Die Liebe zur Lyrik war ihr Lebensinhalt: Die Gründerin des Lyrik Kabinetts und frühere Poesie-Mäzenin Ursula Haeusgen ist knapp sechs Monate nach ihrem Tod von Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler mit der Auszeichnung „PRO MERITIS SCIENTIAE ET LITTERARUM“ des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst geehrt worden. „Menschen wie Ursula Haeusgen sind beispielgebend dafür, was privates Engagement für Kunst bewirken kann. Auf Persönlichkeiten wie sie ist unser Kunst- und Kulturleben, ist unsere Gesellschaft angewiesen“, betonte Sibler, der die Auszeichnung am frühen Montagabend in München stellvertretend an den Geschäftsführer der Stiftung Lyrik Kabinett Dr. Holger Pils überreichte. (mehr …)

[LiSe 07/21] Cassandras unerhörte Rufe

Die Literatur als Seismograf kommender politischer Unruhen – Jürgen Wertheimer und sein „Projekt Cassandra“

Von Michael Berwanger

In den letzten Monaten konnte man erleben, welchen Stellenwert die Kultur auf den politischen Entscheidungsebenen hat: Theater werden in einem Atemzug genannt mit Spaßbädern und Bordellen. Die Literatur wird nicht viel besser bedacht. Lesen gilt landläufig als Zeitvertreib für den Sommerurlaub am Strand oder für lange Abende auf der Couch bei Kaminfeuer. Selbst innerhalb des Literaturbetriebs kämen nur wenige auf die Idee, Romane als Fingerzeig auf zukünftige politische Veränderungen zu sehen – ja sogar als Instrument für Vorhersagen, die sich wissenschaftlich verwerten ließen. (mehr …)

[LiSe 07/21] Kolumne: Alles testen, bitte!

Die Abiturprüfungen sind längst gelaufen, es gab den üblichen Corona-Ärger. Mathe, wieder viel zu schwer; Rechtsanwalt, sofort nachhaken! Die geplagten Eltern können sich kaum entspannen. Mancher Vater ging vor dem Abi auf 1,5 Meter Abstand zu sich selbst, um sich überhaupt im Spiegel zu erkennen. Dieses ständige Fiebern zwischen Wechsel-, Präsenz- und Distanzunterricht! Jetzt sucht er sich einen schönen Platz an der Isar, Tuch an Tuch, neben einer fremden Blonden, Typ Judith Rakers zum Beispiel, von der Tagesschau. Etwas Ablenkung nach dem Abistress. (mehr …)

[LiSe 07/21] Lyrische Kostprobe: Streng und spielerisch

Andrzej Kopacki, geboren 1959, ist Essayist, Lyriker, Übersetzer sowie Dozent an der Warschauer Universität und bei der Literaturzeitschrift Literatura na Świecie. In einem Ton und Rhythmus, der streng und spielerisch zugleich ist, wendet sich der Warschauer Dichter in der Sammlung „Gedichte für Marianna“ an ein Kind und an die Welt, an Königinnen und Liebhaber, an Hunde und Obstfliegen und Kellnerinnen im Hafen. Seine Form: Sonett und freier Reim …, und wissen Sie noch, was eine asklepiadeische Ode vom Dichter verlangt? (mehr …)

[LiSe 07/21] Literaturarbeit: Siehe oben

Auf der Bühne wird gesprochen, darüber schwebt Text

Von Katrin Diehl

Übertiteln“! Wie schön einem dieses Wort gegen den Strich geht. Wie einfach es sich zusammensetzt, ganz entlang einer Tätigkeit, die wenig Aufhebens von sich macht. Yvonne Griesel ist professionelle Übertitlerin, übertitelt schon eine ganze Weile, ohne dass ihr dabei die Faszination für das, was da eigentlich zwischen Sender und Empfänger mit Sprache so geschieht, abhanden gekommen wäre. (mehr …)

[LiSe 07/21] Kurzgeschichte: Starkregen

Von Isa Bellini

Als Dominique – wie er es an jedem Abend nach der Arbeit tat – den Hügel hinab ging, erschrak er nicht nur deshalb, weil der wochenlange Regen seinen Trampelpfad einfach weggewaschen hatte und er ins Rutschen kam, nein auch, weil ihm plötzlich ein gläserner Aufzug im Wege stand, mitten im Dickicht des Isar-Wäldchens.

Der Regen lief ihm ins Genick. „Nichts wie rein“ dachte er. Falsch gedacht – die Kabine war voll, total voll, voll mit weißem Pferd und noch schlimmer. Die dampfenden Pferdeäpfel vernebelten die Glaswände und stanken ihn aus der offenen Türe an. (mehr …)