[LiSe 01/20] Beteiligt Euch – es geht um Eure Erde!

Leben und Werk von Erika Mann – eine Ausstellung in der Monacensia

Von Katrina Behrend Lesch

Den Prolog „spricht“ noch Thomas Mann, der seine Erstgeborene etwas enttäuscht mit den Worten empfing, einen Sohn hätte er „poesievoller … als Fortsetzung und Wiederbeginn“ der eigenen Person gefunden. Das änderte sich rasch, das „kühne, herrliche Kind“ wurde zu seiner bevorzugten Vertrauensperson. Er bewunderte und respektierte Erika in all ihren Facetten, als Schauspielerin, Kabarettistin, Autorin, Vortragsreisende, Kriegsberichterstatterin, sie war es letztlich, die ihn auch dazu brachte, sich 1936 öffentlich gegen die Nationalsozialisten zu positionieren. Von all dem erzählt die Ausstellung, die die Monacensia zusammen mit der Kuratorin Irmela von der Lühe und dem Kreativstudio Büro Alba dem stürmischen Leben dieser Frau gewidmet hat. Eingebettet in die turbulenten Zeitläufte des 20. Jahrhunderts, breitet sich in acht Stationen die ganz eigene Geschichte der Erika Mann aus, die viel mit Politik zu tun hat, aber auch mit Familie, mit Theater, dem Schreiben und dem Einstehen für ein Ideal, das da heißt Menschlichkeit. (mehr …)

[LiSe 01/20] Kolumne: BILD schtirbt

Ja ja, wenn Großes sich zu sterben anschickt, pflegt es lange Schatten zu werfen. So ließ Thomas Bernhard etwa in seiner Erzählung „Goethe schtirbt“ den viel bewunderten alten Goethe im März 1832 gute 120 Jahre vorausgreifen und nach dem Philosophen Ludwig Wittgenstein aus Cambridge verlangen, der ihm geistesverwandt sei wie kein anderer. Den er unbedingt sprechen müsse! Er scheitert, naturgemäß. (mehr …)

[LiSe 01/20] Vera Doppelfeld Preis

Neuer Preis aus München

Literarische Debüts von Autoren oder Autorinnen bis zu 35 Jahren bei Erscheinen des Werks haben die Chance, einen Hauptpreis von 6.000 Euro oder einen der beiden Förderpreise von jeweils 3.000 Euro zu gewinnen. Der „Vera Doppelfeld Preis“ zeichnet deutschsprachige Erstlinge in den Genres Erzählung, Novelle oder Roman aus. Alle Verlage können Bücher einsenden, die im Herbst 2019 erschienen sind oder Manuskripte von Werken, die im Frühjahr 2020 erscheinen werden. Einsendeschluss ist der 28. Januar 2020. (mehr …)

[LiSe 01/20] Literarische Archive (Folge 11)

„Wir haben alles Leben in der Hand …“ 

Aus dem Vorlass von Dagmar Nick in der Monacensia

Von Katrin Diehl

Das lässt sich doch vielleicht herausfinden. Heute jedenfalls eher als noch vor 30 Jahren. Im März 1988 nämlich bekam Dagmar Nick, die man mit Fug und Recht als eine der wichtigsten deutschsprachigen Lyrikerinnen (Lyriker eingeschlossen) nach 1945 bezeichnen kann, da bekam die Dame also einen Anruf aus dem „Deutschen Museum“. Ein Ralf Bülow war dran, Mathematiker, Informatiker, im Forschungsinstitut des Museums mit dem Thema „Datenverarbeitung“ beschäftigt. Und der wollte wissen – besser gesagt – meinte bereits zu wissen, dass Nicks Gedicht „Wir“, das aus den 50er Jahren stammte, dass dieses „Wir“ das erste deutsche Gedicht sei, in dem das Wort „Roboter“ vorkomme („Wir haben Mut. Wir glauben an die Macht/des Robotergehirns./Wir gehen blindlings in die letzte Nacht/des sterbenden Gestirns./Wir haben alles Leben in der Hand“). Dagmar Nick weiß nicht so recht. Könnte das Wort nicht vielleicht schon früher, vielleicht in einem Gedicht von Benn gefallen sein? Bülow verspricht das zu prüfen, möchte aber trotzdem von ihr wissen, ob sie „ein sehr technisch interessierter Mensch sei“. „Nein, um Gotteswillen“, sagt Nick, und erzählt von ihrem Schock, als der erste Sputnik mit Hund „auf den Mond … oder in eine Umlaufbahn um die Erde geschossen wurde“. (mehr …)

[LiSe 01/20] Buchtipps aus erster Hand

Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für Januar diese beiden Neuerscheinungen:

Gabriel Katz: Der Klavierspieler vom Gare du Nord
Fischer

Am öffentlichen Klavier in Paris kreuzen sich die Wege von Mathieu, der mit Mutter und kleinem Bruder in der Banlieue wohnt, und Pierre, dem Direktor des Konservatoriums. Später wird Mathieu bei einem Einbruch erwischt, und Pierre setzt sich dafür ein, dass er die Sozialstunden als Putzkraft im Konservatorium ableistet. Mathieu ist zunächst wenig begeistert, als Pierre ihn dann noch zur besten Lehrerin des Konservatoriums schickt … Der Protagonist muss viele Hindernisse überwinden, ehe es zu einem guten Ende kommt. Klar ist das Kitsch, aber den braucht man auch ab und zu. Für alle, die „Ziemlich beste Freunde“ liebten. (mehr …)

[LiSe 01/20] Kurzgeschichte: Hose aus Gold

Von Wolf Amberg

Die Prothetik, Herr Kollege, die Prothetik bringt Ihnen natürlich ein Vielfaches. Dieser Zahn zum Beispiel, hier auf dem Foto, wenn Sie den nur füllen, rechnen Sie nette 70 oder 80 Euro ab beim Kassenpatienten und sind nach einem halben Jahr praktisch ruiniert. Wenn Sie weiter so kleckern! Mit Füllungen wie vor 20 Jahren werden Sie es niemals zu einem guten, und das heißt auch finanziell erfolgreichen Zahnarzt bringen, niemals. Denken Sie daran. Gerade hier auf dem Land, im Bayerwald. Und Sie haben sich ja nicht zufällig bei mir hier draußen beworben – hier wollen die Menschen keine Füllungen mehr, grundsätzlich keine billigen Füllungen mehr, verstanden? (mehr …)