Ausschreibung von Arbeitsstipendien für Münchner Autoren

Auch 2019 schreibt die Landeshauptstadt München zwei mit je 6.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien für Münchner Autorinnen und Autoren aus, die sich mit ihrem Werk bereits literarisch ausgewiesen haben und im Literaturbetrieb in Erscheinung getreten sind: durch Veröffentlichungen in Verlagen (mindestens zwei belletristische Werke), Lesungen, Auszeichnungen oder Rezensionen. Bewerbungen können bis Montag, 25. März, beim Kulturreferat der Stadt eingereicht werden.

Informationen unter www.muenchen.de/kulturausschreibungen.

Quelle: Rathaus Umschau 237 / 2018 vom 12.12.2018  

Stadt München schreibt Literaturstipendien für 2019 aus

Münchner Nachwuchsautorinnen und -autoren beziehungsweise Übersetzerinnen und Übersetzer (S-Bahn Einzugsbereich) können sich 2019 für sieben Literaturstipendien der Stadt in Höhe von jeweils 6.000 Euro sowie dem Leonhard- und Ida Wolf-Gedächtnispreis in Höhe von bis zu 3.000 Euro bewerben. Bis Dienstag, 12. März, können bisher unveröffentlichte deutschsprachige Texte beim Kulturreferat eingereicht werden. Mit den biennal vergebenen Literaturstipendien sollen vielversprechende literarische Projekte gefördert werden. Eines der Stipendien ist für Übersetzungen vorgesehen, zwei Stipendien werden für Kinder- und Jugendbuchprojekte vergeben, in diesem Bereich können auch illustrierte Projekte eingereicht werden.

Weitere Informationen unter www.muenchen.de/kulturausschreibungen.

Quelle: Rathaus Umschau 236 / 2018 vom 11.12.2018

[LiSe 12/18] Schrecken, Gewalt und Verwustung

Vor 400 Jahren begann der 30jährige Krieg /
Von Andreas Gryphius bis Bert Brecht und Durs Grünbein

Von Antonie Magen

Wir sind doch nunmehr gantz / ja mehr denn gantz verheeret! // Der frechen Völcker Schaar / die rasende Posaun // Das vom Blutt fette Schwerdt / die donnernde Carthaun // Hat aller Schweiß / und Fleiß / und Vorrath auffgezehret. // Die Türme stehn in Glutt / die Kirch ist umgekehret. // Das Rathauß ligt im Grauß / die Starcken sind zerhaun // Die Jungfern sind geschänd‘t / und wo wir hin nur schaun // Ist Feuer / Pest / und Tod / der Hertz und Geist durchfähret“. – Mit diesen sprachgewaltigen Zeilen beginnt das Sonett „Tränen des Vaterlandes“, das Andreas Gryphius 1636 unter dem Titel „Trauerklage des verwüsteten Deutschlands“ verfasste und ein Jahr später publizierte. Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, dessen Beginn sich in diesem Jahr zum 400. Mal jährte, werden hier so eindrücklich beschrieben, dass sie dem Leser bis heute plastisch vor Augen stehen.

Dabei sind die Verse von Gryphius nur ein Beispiel für eine Vielzahl dichterischer Zeugnisse, in denen schon die Zeitgenossen das Kriegsgeschehen verarbeiteten und als Inbegriff von Gewalt und Verwüstung darstellten. So verfasste beispielsweise Martin Opitz im Winter 1620/21 das „Trost-Gedichte in Widerwertigkeit deß Krieges“. Noch im „Dankeslied zum Kriegsende“ sprach Paul Gerhardt von „zerstörten Schlösser[n] / und Städte[n] voller Schutt und Stein“, von „vormals schönen Felder[n], / mit frischer Saat bestreut, / jetzt aber lauter Wälder und dürre, / wüste Heid“, von „Gräber[n] voller Leichen / und blutge[m] Heldenschweiß“. Immer noch bekannt ist das Kinderlied „Maikäfer flieg“, das vermutlich ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammt und Bezug auf dessen Kriegskatastrophe nimmt. (mehr …)

[LiSe 12/18] Kolumne: Buch – Revolte

Einige sind heimlich geflohen, Einzelgänger. Es gab aber auch Buchhandlungen, aus denen sie massenhaft am hellen Tage ausgebrochen sind, vor allem im Zentrum der Stadt. Bücher haben sich aus dem Staub gemacht, denen man das niemals zugetraut hätte. Romane vor allem sind zu Hunderten geflohen, Sachbücher weniger, und Lyrik hat in der Regel ganz konservativ standgehalten in den ihr zugewiesenen Regalen. Die Buchhändler versuchen hektisch, alles schnell wieder aufzufüllen. Allerdings, „aus dem Staub“ zu sagen ist eine Gemeinheit. Tatsächlich sind es gerade die gepflegten Buchpaläste mit den riesigen Beständen, die den Exodus beklagen, gerade jene, die jetzt vor dem gewohnten gigantischen Weihnachtsansturm stehen. Auch Bestseller, die stolz und eitel unter Werbeplakaten in den Auslagen ruhen, haben sich ihren ruhmlosen Genossen, den Ladenhütern angeschlossen und sind über Nacht getürmt. Wollen sich zur Demo auf der Theresienwiese versammeln. Die Rote Revolution 1918/19 sei ihnen zu Kopf gestiegen, verlautet aus der Ettstraße. Tatsächlich haben die Bücher eine Rätevertretung gewählt mit allem, was ein Rätesystem zu bieten hat: Imperatives Mandat und jederzeitige Abwahlmöglichkeit, alles nur „Träumer“, würde Weidermann wahrscheinlich wieder sagen, der Literaturchef des „Spiegel“, dessen gleichnamiges Werk bei den Revoluzzern gesichtet wurde. (mehr …)

[LiSe 12/18] Lyrische Kostprobe

wie man farbige dunkelheit kreiert
stückzahl. geleitworte. ungelenke satzgeschosse
erzählen unzuverlässig von gewinnen. blue chips, werg
qua wertstellungswechsel: im disagio blühen renditen und
gänsefingerkraut-WHAM, aufflackernde ziffernblöcke &
all die homestories, dort,wo obstruktionen regieren. rat race
nachtschwarzer nominalgewinne gewittert hellauf über alle pips.
computer generiert. automatisch überboten. geld-
inkubatoren. palliative abschreibung, badewannenwarm.
der juniorchef macht seinen ersten großprofit. die lücke im ja/nein
schnickschnackt in verfilzten optionswolken. ich sage mir nichts.

Armin Steigenberger

[LiSe 12/18] Dichter-Denkmäler in München (Folge 12)

Immer im Schatten – Heinrich Manns halb versteckte Gedenktafel in Schwabing

Von Michael Berwanger

Im Januar 2016 entschied das Landesamt für Denkmalpflege, dass der Gebäudekomplex an der Leopoldstraße 59-61 nicht in die Denkmalschutzliste aufgenommen werden könne, da es sich um einen Neubau handle – der ursprüngliche Bau war im Krieg total zerstört worden. Seither ist unklar, wann das so genannte Mann-Haus, in dem Heinrich Mann von 1914 bis 1928 gelebt hatte, abgerissen wird. Ohnehin wird dem im Schatten stehenden Bruder von Thomas Mann wenig Ehre zuteil– nur eine kleine Tafel erinnert an die 14 Jahre von Heinrich Manns Schwabinger Zeit. Und diese Tafel hängt nicht an der Front des Hauses, sondern seitlich. So, als ob man es besser nicht sehen solle. (mehr …)