ILfest – Italienisches Literaturfestival in München

Das Projekt eines Festivals der italienischen Literatur entsteht aus der Leidenschaft für Literatur sowie aus einer über 25 jährigen Erfahrung in der Organisation von Lesungen mit italienischen Autoren, in Zusammenarbeit sowohl mit italienischen als auch deutschen Institutionen.

Wir wollen ein wahres Fest der italienischen Literatur in München gestalten, denn die Stadt bietet alle Voraussetzungen, damit eine solche Veranstaltung erfolgreich wird: Wegen der weit verbreiteten Kenntnisse der italienischen Sprache, der hohen Anzahl der hier lebenden Italiener, der geografischen Nähe, der kulturellen Affinität und der Dichte an Verlagshäusern. (mehr …)

[LiSe 04/19] Steinige Wege

Verfolgt, vertrieben, ihrer Sprache enteignet – wie es Autorinnen und Autoren im Exil ergeht

Von Bernd Zabel

Gestern noch in der Öffentlichkeit, am nächsten Tag im Versteck, dann die Verhaftung oder heimliche Flucht gegen hohe Schmiergeldzahlung. So erging und ergeht es zahlreichen Autor*innen weltweit. Viele, denen die Flucht gelang, landeten in Deutschland. Einige wenige erheben hier ihre Stimme und werden gehört, aber die Mehrzahl bleibt stumm, denn sie haben Familie und Angehörige zurücklassen müssen und die Regime halten sich mit Sanktionen und Schikanen schadlos. Daher die verbreitete Angst, nicht nur bei türkischen oder iranischen Flüchtlingen. Jedes Fluchtschicksal ist eben ein besonderes. Es macht einen großen Unterschied, ob er/sie hier eine Gemeinschaft von Landsleuten vorfindet, ob der Arm der Verfolger, der Geheimdienste, bis ins Gastland reicht und wie schwer die Traumatisierung durch Flucht, Verfolgung, Haft und Folter auf der Seele lastet. (mehr …)

[LiSe 04/19] Kolumne: Alles Chefsache

Ja klar, wir denken ja schon um!
Ständig: Also, der Wolf ist so ein absolut nützlicher Gefährte des Menschen (solange er uns bloß nicht persönlich begegnet), sorgt für das Gleichgewicht im Walde, nährt sich von Reh, Geißlein und Hasen, reißt ab und zu eine Wildsau oder ein Rotkäppchen – Moment mal, stopp! Das mit dem Rotkäppchen geht gar nicht, streich das gefälligst, ruft der Chefredakteur ins Smartphone, während er mit dem SUV auf seine Almhütte rast, oder ich streiche Dich! Sagt er, und er hat das Sagen!

Dabei haben es Chefredakteure ja auch nicht immer leicht, das muss man bedenken, wenn man in so ein Chef-Bashing auf den asphaltierten Almweg mit einbiegen will. Sie werden selbst gejagt, gehetzt und erlegt, wir erinnern nur an Kristian Krug, Stern oder Klaus Brinkbäumer, Spiegel – das war erst im letzten Dezember. Oder an Zeitschriften, die Anfang des Jahres einfach eingefroren wurden samt ihren Chefs, wie z. B. „Maxi“ (Bauer Verlag), die uns so am Herzen lag, oder der Weekly Standard mit Stephen Hayes, der seinem Verleger einfach zu Trump-feindlich wurde. Manchmal greift ja auch der Insolvenzverwalter zur Tranchier-Schere wie im Falle eines Münchner Boulevardblatts vor knapp fünf Jahren, ja der Chef ist des Menschen Chef!  (mehr …)

[LiSe 04/19] Literaturpreis: Freiheitsliebe, Wahrheitssuche

Husch Josten erhält den mit 20.000 Euro dotierten Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung 2019. Aus der Begründung der Jury: Die Schriftstellerin greift heikle Themen unserer Gegenwart auf wie Terrorismus und Fundamentalismus in Europa, Globalisierungsangst und Glaubensmut, ideologische Verfestigung und religiöse Indifferenz, Freiheit des Gewissens und Menschenwürde. Husch Josten erinnert an die enorme Bedeutung des literarischen Erzählens im Informationszeitalter und verteidigt den Wahrheitsanspruch der Dichtung. Der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung wird seit 1993 an Autoren verliehen, die der Freiheit das Wort geben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören u.a. Sarah Kirsch, Hilde Domin, Louis Begley, Herta Müller, Uwe Tellkamp und Arno Geiger.
red

[LiSe 04/19] Literarische Archive (Folge 3): Spuren eines dichterischen Lebens

Lion Feuchtwangers schriftliche Hinterlassenschaften

Von Antonie Magen

Wenn einer ins Exil geht, nimmt er nicht viel mit. Er hat die Kleider bei sich, die er auf dem Leib trägt, und vielleicht noch einen oder zwei Koffer mit persönlichen Habseligkeiten. Was er zurücklassen muss, sind Bücher, Arbeitsunterlagen, Manuskripte, Briefe, kurz all das, was bei einem Schriftsteller Instrument und Produkt seiner Arbeit ist.

So ähnlich ging es Lion Feuchtwanger, der im November 1932 zu einer Vortragsreise nach England und in die USA aufbrach. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 kam er nicht mehr nach Deutschland zurück. Die Rückkehr auf den europäischen Kontinent war eine Rückkehr nach Frankreich, wo er mit genau dem Gepäck ankam, das er für die Reise gepackt hatte. Seine umfängliche Bibliothek blieb in Berlin, ebenso Manuskripte und Arbeitsunterlagen. Das Haus im Grunewald, das Feuchtwanger seit Mitte der 20er-Jahre bewohnte, wurde von der SA geplündert, Papiere vernichtet. Aber auch Frankreich bot nur vorübergehend Schutz. Nach der Internierung im Lager Les Milles war er in ein zweites Exil gezwungen: 1940 emigrierte er in die USA, wo er bis zu seinem Tod 1958 in Los Angeles lebte. (mehr …)