[LiSe 07/18] Dichter-Denkmäler in München (Folge 9)

Ein Mineraloge auf Abwegen
Franz von Kobell und seine bayerische Heimat

Von Michael Berwanger 

Wer den Biergarten des ehemaligen Hofbräukellers in Haidhausen auf der Rückseite durch den kleinen Durchlass verlässt, kommt in den Maximiliansanlagen zu einer Anhöhe, die die Münchner die „Kobell-Wiese“ nennen. Auf der Kuppe, direkt vor der früheren Villa des Malers Eduard Grützner, steht ein Denkmal, das an den Mineralogen, Schriftsteller, Konservator und Musiker Franz von Kobell erinnert. Es ist eines jener Denkmäler, die durch Prunk und Größe auf eine Zeit verweisen, als Bayern noch an den ewigen Fortbestand der Wittelsbacher Monarchie glaubte – ein Gründerzeitdenkmal. Auf einem klassizistischen Natursteinpostament, flankiert von stilisierten Pinienzapfen, thront die von Ferdinand von Miller gegossene Bronzebüste des Volksdichters, entworfen vom damals äußerst umtriebigen Künstler Benedikt König, der sich gern Professor von König nennen ließ, und errichtet im Auftrag des Prinzregenten im Jahr 1896. (mehr …)

[LiSe 07/18] vhs München: Literarisches Schreiben

Die Münchner Volkshochschule bietet einen Jahreslehrgang Literarisches Schreiben an – ein ganzes Jahr im Zeichen literarischen Schreibens. In diesem Lehrgang steht die intensive Betreuung der Teilnehmenden durch erfahrene Dozenten und Dozentinnen im Mittelpunkt. Notwendige handwerkliche Fertigkeiten verbinden sich mit Überlegungen zu künstlerischen Konzepten und werden ergänzt durch Kenntnisse über den Literaturbetrieb. Zentrales Thema ist die literarische Prosa in ihren verschiedenen Formen bis hin zur Entwicklung eines Romanprojekts.  (mehr …)

[LiSe 07/18] Empfehlungen: Buchtipps aus erster Hand

Die Buchhandlung „CoLibris“ in Neuhausen empfiehlt diese beiden Romane, die im Sommer ganz druckfrisch erscheinen.

Michael Ondaatje: Kriegslicht

Hanser Verlag

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird der 14jährige Nathaniel zusammen mit seiner älteren Schwester Rachel von Mutter und Vater in London zurückgelassen. Die Kinder befinden sich von nun an in der Obhut des mysteriösen „Falters“, den sie für einen Schmuggler und Ganoven halten. Als mehr und mehr klar wird, dass dieser sich mit
seinen exzentrischen Freunden fürsorglich um die Kinder kümmert, schwindet das Misstrauen. Nach langer Zeit kehrt die Mutter zurück, schweigt jedoch über die Jahre ihrer Abwesenheit. Erst als Erwachsener, lange Jahre nach dem gewaltsamen Tod der Mutter, verfolgt Nathaniel ihre Spuren und gewinnt Einblick in das Leben einer Spionin im Kalten Krieg.

Sehr lesenswert.

Julia von Lucadou: Die Hochhausspringerin

Hanser Verlag

Riva ist eine gefeierte und bewunderte Hochhausspringerin. Als sie sich eines Tages weigert, weiter zu trainieren, wird eine andere junge Frau, Hitomi, damit beauftragt, Riva wieder gefügig zu machen. Scheitert sie, droht ihr eine Verbannung in die Peripherien der Stadt, wo die Menschen in Armut und Schmutz leben, ohne eine Chance auf Arbeit, Gesundheit und Wohlstand. Geschildert wird eine Gesellschaft, in der Anpassung begehrenswert und Transparenz des Einzelnen total ist.

Beklemmend und packend.

Buchhandlung CoLibris,
Leonrodstraße 19, 80634 München

[LiSe 06/18] Dichter-Denkmäler in München (Folge 8)

Die Unangepasste
Franziska zu Reventlow und München

Von Katrina Behrend Lesch

„… frei bin ich, frei bin ich, frei – frei!“ Viele solcher „Aufschreie“ notierte Franziska zu Reventlow in ihren Tagebüchern, wie um sich selbst zu bestätigen, was für sie im Leben allein zählte. Einem Freund schrieb die Neunzehnjährige „ … es liegt nun einmal tief in meiner Natur, dieses maßlose Streben, Sehnen nach Freiheit …“ Hineingeboren in ein adliges Milieu und in die restriktive Gesellschaft des zweiten Kaiserreichs, dessen Dauer ihren eigenen Lebensdaten entspricht – 1871 bis 1918 – rebellierte Franziska, die eigentlich Fanny hieß, zeit ihres Lebens gegen deren Regeln und Konventionen. Ob sich München, ihr langjähriger Lebensmittelpunkt, wegen dieser so leidenschaftlich eingeforderten Freizügigkeit mit ihrem Andenken schwer tut mag dahin gestellt sein. Eine einzige Bronzetafel erinnert an sie, fast unsichtbar seitlich an dem Gebäude Leopoldstr. 41 angebracht, das die typische Fassade einer heutigen Großstadtmeile aufweist: Ein Supermarkt, ein Klamottenladen. In diesem Haus über dem Café Noris von einst wohnte die Schriftstellerin Franziska von Reventlow *1871 1918 † lautet die lapidare Inschrift. Sie verrät nichts über die Persönlichkeit, die wegen ihres berühmt-berüchtigten Lebensstils in den Schwabinger Künstlerkreisen als „heidnische Madonna“ bezeichnet wurde. (mehr …)

[LiSe 06/18] Buchtipps aus erster Hand

„Buch in der Au“ empfiehlt diese beiden Romane.

Natalie Buchholz: Der rote Swimmingpool
Hanser Berlin

Einen ungewöhnlichen roten Swimmingpool und einen ungewöhnlichen ersten Roman hat die Autorin Natalie Buchholz kreiert. Adam, der fast volljährige Sohn eines Vor-zeige-Ehepaares, wird in ein Familiendrama verwickelt. Die von allen verehrte französische Mutter Eva wird von Wiktor, dem polnischen Selfmade-Mann, Knall auf Fall verlassen. Und mit ihr auch Adam, der die Welt nicht mehr versteht. Was ihm hilft, sind die Gespräche mit Freunden auf den Stufen der Wittelsbacher Brücke an der Isar und die Weisheit seiner Alten, die er im Rahmen einer Sozialstrafe betreuen muss. Ganz langsam löst Natalie Buchholz die Knoten. Die Sonne geht wieder auf, Adam verliebt sich. Wunderbar in Form und Sprache mit einem liebevollen Blick auf menschliche Abgründe. Absolut lesenswert. (mehr …)

[LiSe 06/18] Eigene Texte lesen!

Münchner Literaturbüro – MLB: Ein offener Treffpunkt für alle, die Prosa oder Lyrik schreiben und ihre eigenen Texte gerne mal öffentlich vor 10 bis 30 Zuhörern vortragen wollen.

Jeden Freitag (außer im August) von 19:30 bis 22 Uhr lesen im MLB, Milchstraße 4, direkt hinter dem Gasteig. Autorinnen und Autoren ihre Texte und bekommen vom Publikum direkte Resonanz und Anregungen. Anmeldung unter: muenchner-literaturbuero.de/terminkalender
Bitte folgen Sie den dort aufgeführten Anweisungen.

Haidhauser Werkstattpreis: An jedem ersten Freitag im Monat ist eine Anmeldung nicht erforderlich! Jede/r Autor*in kann einen eigenen maximal 10-minütigen Text lesen. Das Publikum wählt den besten Beitrag, der am Finale im Gasteig teilnimmt. Dem Sieger winken Champagner und Preisgeld!

WH.