[LiSe 09/26] „Was liest du denn da?“ (Folge 7) – Traumata über Generationen hinweg

Von Markus Czeslik

Es ist einer dieser brüllend heißen Tage an einem über-füllten Badesee, wo sich alle Bewegung aufzulösen scheint und das Leben in einen seltsamen Schwebezustand gerät. Wo man hinblickt, drehen sich in der Gluthitze halbnackte Körper um die eigene Achse, werden Bäuche stolz vor sich hergetragen, schreien Kinder, die nass geworden sind oder unbedingt nass werden wollen. Es ist Hochsommer, Hochsaison, hoch wollen wir leben und in der Sonne braten. Bevor das Gehirn zermatscht und der Blick vollends trübe wird, sticht eine kleine Szene heraus. Da spielen zwei Kinder in aller Ruhe im Wasser nahe am Ufer, mit sich selbst beschäftigt. Nanu? Zu wem gehören denn diese Engel, die mit sich so im Reinen sind und in Seelenruhe Sand schaufeln? (mehr …)

Einladung zur Beteiligung an einem Anthologieprojekt

„Feuer, Wasser, Luft und Erde“
Bild-Text-Dialoge
Einladung zur Beteiligung an einem Anthologieprojekt

In der Antike entstand die Vorstellung, dass alles Sein aus einem Mischungsverhältnis der vier Grundelemente Feuer, Wasser, Luft und Erde bestehe. Und auch wenn dieses Modell in der Wissenschaft längst überholt ist, wird es zum Beispiel in der Bildenden Kunst immer wieder aufgegriffen. So auch von der Malerin und Zeichnerin Ulrike Schönfelder-Hellwig. „Dieses Modell bietet mir eine Möglichkeit, meine Auseinandersetzung mit Natur und Landschaft zu strukturieren“, erklärt sie. (mehr …)

Stadt zeichnet Friedrich Ani mit dem Literaturpreis 2026 aus

Der Schriftsteller Friedrich Ani wird mit dem Literaturpreis der Landeshauptstadt München 2026 ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird, alternierend mit dem Publizistik- und Übersetzungspreis, alle drei Jahre für ein herausragendes literarisches Gesamtwerk vergeben. Ausgezeichnet werden Schriftsteller*innen, deren Werke in Stil und Gehalt hohe Qualität aufweisen und München als Literaturstadt Geltung und Ansehen verschaffen. Zur Verleihung am Dienstag, 14. Juli, sprechen Stadträtin Anne Hübner (SPD-Stadtratsfraktion) in Vertretung des Oberbürgermeisters und Kulturreferent Marek Wiechers. Die Laudatio hält der Literaturkritiker und Publizist Thomas Wörtche. Die Veranstaltung findet mit geladenen Gästen statt. (mehr …)

[LiSe 07-08/26] „Was liest du denn da?“ (Folge 6) Ein Toter, vier Verdächtige …

Von Ursula Sautmann

Spätabends auf dem S-Bahnhof am Marienplatz, hinter mir liegt ein erbauliches Konzert, vor mir eine meist wenig erbauliche Heimfahrt. Ich muss warten und finde einen Sitzplatz neben einem jungen Mann, grauer Hoodie, weite Jeans, Sporttasche. Er ist vertieft, so vertieft, dass er den Blick nicht lösen kann. Das Buch liegt auf seinen Knien, er sitzt so tief gebeugt, dass ich unmöglich auch nur eine Ecke des Buches sehen kann. Endlich, er schaut kurz auf, ich kurz um die Ecke: „One of us is lying“, lese ich. Mein erster Gedanke: Oh Schreck, Englisch! Ich sollte nicht so schreckhaft sein. (mehr …)

[LiSe 06/26] „Was liest du denn da?“ (Folge 5)

Wenn Bären nicht schlafen können

Von Michael Berwanger

ich war wieder einmal in Leipzig. Ich bin gern in Leipzig. Die Stadt ist nicht so totsaniert wie die meisten Städte im Westen unserer Republik. Es gibt noch Freiräume für Gestaltung und – zumindest zum Teil – eine Wohnraumpolitik, die der Idee einer Selbstverwaltung sehr nahekommt. Die Stadtgesellschaft ist bunt: Bürgertum trifft auf Arbeiterproletariat trifft auf Queere Community. Der Anteil rechtsnationaler Kreise ist für Sachsen vergleichsweise überschaubar, der Zuzug allerdings massiv. Leider wird in ein paar Jahren die Gentrifizierung auch in dieser Stadt die (Miet-)Preise in die Höhe getrieben haben. Noch aber gibt es verwuschelte Stadtteile mit angenehm unprätentiösem Alltagsleben. (mehr …)

[LiSe 06/26] Lyrik „katalog der kataloge“

Eine Buchpremiere der besonderen Art

Der katalog der kataloge ist ein Doppelband mit spielerischer Anordnung der Dinge und poetischem Zugriff auf die Welt. Der Autor und Verleger Tristan Marquardt und der Zeichner Andreas Töpfer legen damit ein Projekt vor, das in mehr als einem Jahrzehnt gewachsen war: etwa 40 „Kataloge“ mit poetischen Definitionen zu Erscheinungsformen diverser Phänomene wie Schatten, Tunneln, Griff, Freundschaft, Angst – aber auch mit im Alltag kaum gebräuchlichen Wörtern. Töpfers Zeichnungen entwickeln dazu Eigendynamiken und Fortspinnungen von Marquardts sprachlichem Ansatz im visuellen Medium. (mehr …)