[LiSe 06/20] Literarische Archive (Folge 16) „Gedächtnis der Stadt“

Seit 2008 hat Michael Stephan das Stadtarchiv München geleitet. Jetzt ist er, von Mai dieses Jahres an, im Ruhestand. Gleich in den ersten Tagen des neuen Lebensabschnitts war er so freundlich, den LiteraturSeiten einen „persönlichen Rückblick“ zukommen zu lassen, der ganz nebenbei auch über die Funktion und Arbeit des Archivs, das sich in Schwabing in der Winzererstraße 68 befindet, Auskunft gibt.

von Michael Stephan

Das Stadtarchiv München ist ein traditionell direkt beim Oberbürgermeister ressortierendes städtisches Amt und fungiert als „Gedächtnis der Stadt“. Das geschieht in erster Linie durch die ausgewählte Übernahme, Erschließung und Bereitstellung von Unterlagen der gesamten Stadtverwaltung seit dem Mittelalter (und ist deshalb heute eine gesetzlich vorgeschriebene kommunale Pflichtaufgabe) – dazu kommt eine aktive Sammlungstätigkeit von Unterlagen aus Privatbesitz; alles aneinandergereiht käme man auf eine Strecke von 20 Kilometern.

In meiner Amtszeit wurden alle bisher nur analogen Findmittel und Datenbanken zu den Hunderten von verschiedenen Beständen digitalisiert. Mit dem weltweiten Online-Zugang über die Homepage des Stadtarchivs hat sich eine Recherche spürbar erleichtert und ermöglicht zudem den direkten Zugriff auf mittlerweile 40.000 hinterlegte Digitalisate (Endprodukte einer Digitalisierung, d. Red.) von Archivalien, zumeist Fotos und Plakate. Und für die nur noch digital entstehenden Unterlagen konnte im Stadtarchiv ein digitales Langzeitarchiv in Betrieb genommen werden. (mehr …)

[LiSe 06/20] Gratulation: Bilderbücher voller Leben

Wilfried Blecher, Illustrator und Preisträger des Deutschen Kinder- und Jugend-Literaturpreises, zum 90. Geburtstag

Von Katrin Diehl

Als im September 1949 die Internationale Jugendbibliothek in der Kaulbachstraße ein Zuhause gefunden hatte, da gab es für die Kinder kein Halten mehr. Sie stürmten die vom Krieg ein wenig ramponierte Villa, und was sie dort erwartete, war weitaus mehr als bloßes Lesefutter. Denn Jella Lepman, 1936 vor den Nazis von Deutschland nach England geflohen und von den Amerikanern als Leiterin der Bibliothek eingesetzt, dachte größer. Die von Sorge und Angst geprägten Kinder durften musizieren, durften unter der Anleitung von Erich Kästner Theater spielen, konnten sich in Sachen Demokratie üben, Gästen wie Erika Mann, Thornton Wilder oder Carl Zuckmayer lauschen oder sich ans Malen machen. Dafür standen im verwunschenen Garten, der bis an die Rückseite der Staatsbibliothek heran reichte, Staffeleien bereit. Einer der „Mallehrer“, die den Kindern mit Rat und Tat zur Seite standen, war Wilfried Blecher.

Wilfried Blecher lebt heute in einem Münchner Seniorenheim, und wenn man ihn anruft und fragt, wie es ihm in diesen seltsamen Zeiten so gehe, antwortet er sachlich bis heiter, „den Umständen entsprechend gut“. Sein 90. Geburtstag, den er in großer, schöner Runde Anfang Mai hatte feiern wollen, fand stark reduziert und den „Umständen entsprechend“ statt, und „wie gut, dass es das Telefon gibt“, an dem sich vom Heute und Gestern reden lässt. (mehr …)

[LiSe 06/20] Ausstellung: Von der Isar nach Jerusalem

Zeichnungen der Künstlerin Gabriella Rosenthal

Von Katrin Diehl

Das ist ein Bild: Im Innern des Stadtpalais, Brienner Straße 47, sitzt im ehrwürdigen „Rosenthal-Antiquariat“ zwischen hohen, dunklen Regalen ein junges Mädchen. Es ist vertieft, blättert in den alten Büchern, liest, sieht sich Abbildungen an. Sein Name ist Gabriella. Gabriella Rosenthal, Enkelin des Antiquariats-Besitzers Jacques Rosenthal, dessen Namen während der Weimarer Zeit für den Münchner Antiquariatshandel steht.

Manchmal hilft Gabriella dem Großvater bei dessen Arbeit, liest sich durch Literaturwelten, lernt über die Bücher Sprachen und Illustrationen kennen. Auch ihr Vater, Erwin, machte auf Antiquariate, eröffnet eine Filiale in Berlin, eine in Lugano … Gabriellas Mutter Margherita ist die Tochter des Florentiner Antiquars Leo Olschki … (mehr …)

Wiggerl Greiner: Ein Meister des Münchner Humors

Ausstellung im Innenhof des Isartors vom 27. Mai bis 13. November 2020
Ludwig Greiner war der beste Freund von Karl Valentin, sein Grafiker, sein Bühnenbildner und sein Theatermaler. Zu fast allen Szenen Valentins schuf er Plakate und Zeichnungen. Greiners Humor war höchst inspirierend. Zu allen Ideen Valentins hatte er die passenden Einfälle. Ein Leben lang befruchteten sich die beiden gegenseitig.
Wiggerl Greiners große Leidenschaft war das Zeichnen und die Musik. Er arbeitete als Gastwirt, Illustrator für Zeitschriften und Werbeanzeigen, Kulissenmaler und Ausstatter für Theater und Film, gestaltete Gaststätten und entwarf und baute Faschingswägen. Daneben trat er als Unterhaltungsmusiker auf und komponierte und textete eigene Lieder. Greiners Wesen war geprägt durch einen unverwüstlicher Humor. Er verstand es allen Lebenslagen, waren sie noch so schwierig, eine komische Seite abzugewinnen.

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Stiftung Lyrik Kabinett übernimmt die Lyrik-Bibliothek aus dem Nachlass von Christoph Meckel

Der im Januar verstorbene Dichter und Graphiker Christoph Meckel (1935-2020) war dem Lyrik Kabinett und seiner Gründerin Ursula Haeusgen durch eine jahrzehntelange Freundschaft verbunden. 1990 las er zum ersten Mal im Lyrik Kabinett, 2017 zum letzten Mal. In Kooperation mit dem Carl Hanser Verlag ehrte die Stiftung den Dichter aus Anlass seines 80. Geburtstags (2015) mit einer Ausgabe seiner gesammelten Gedichte und mit einer Festlesung.

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Monacensia ist ab sofort wieder geöffnet

Nach vielen Wochen Schließung öffnet die Monacensia im Hildebrandhaus am Montag, 18. Mai, wieder ihre Türen. Literaturarchiv, Bibliothek, Dauer- und Sonderausstellungen sind – unter Einhaltung der erforderlichen Abstands- und Hygienemaßnahmen – wieder für alle Besucherinnen und Besucher zu den gewohnten Öffnungszeiten zugänglich. (mehr …)