[LiSe 07/19] Literarische Archive (Folge 6): Herrlich frei, aber völlig ungesichert

Oda Schaefers Leben zwischen Emanzipation und Tradition

Von Ursula Sautmann

Wir sind Amazonen durch Zwang, nicht mehr durch eigenen Willen“, schrieb Oda Schaefer in ihrem Manuskript „Glanz und Elend der Emanzipation“ (Signatur M 62), das sich in ihrem Nachlass im Literaturarchiv der Monacensia befindet. Sie konnte schreiben und sie wollte schreiben. Aber sie musste auch schreiben, für wenig Geld, von Auftrag zu Auftrag und für den Lebensunterhalt auch ihres Mannes.

Oda Schaefer lebte von 1900 bis 1988. Sie wurde geboren in Berlin, als Kind baltischer Eltern. Der Vater, ein Journalist, der gern Schriftsteller geworden wäre, brachte sich 1918 um. Oda Schaefer besuchte eine private Kunstgewerbeschule, heiratete 1923, bekam einen Sohn 1924 und wurde ein Jahr später geschieden. Sie begann zu schreiben: Gedichte und impressionistische Naturschilderungen, kleine Prosa für Zeitungen und Zeitschriften. 1931 ließ sie sich mit dem Schriftsteller Horst Lange in Berlin nieder und heiratete 1933 ein zweites Mal. Das Paar hielt sich mühsam über Wasser, „herrlich frei, aber völlig ungesichert“ („Mein Leben, meine Arbeit“, M 89). Bereits 1933 ließ sie sich in die Reichsschrifttumskammer aufnehmen und konnte so publizieren. Eine Sammlung von Gedichten und Balladen erschien 1939 unter dem Titel „Die Windharfe“. Sie war nicht Mitglied der NSDAP. (mehr …)

[LiSe 07/19] Buchtipps aus erster Hand

Die Internationale Jugendbibliothek empfiehlt für Juli/August diese beiden Neuerscheinungen:

Elisabeth Etz: Nach vorn
Tyrolia

Als die 17jährige Helene nach über einem Jahr Krebstherapie endlich zurück ins normale Leben darf, will sie nur nach vorne schauen und alles, was an die Krankheit erinnert, hinter sich lassen: Ihre Freunde, die sie haarlos und schwach erlebt haben, die Eltern mit ihren sorgenvollen Blicken und sogar ihren alten Spitznamen. Doch der Versuch, die Spuren des alten Ichs auszuradieren, entpuppt sich als Flucht vor sich selbst … Eine berührende Geschichte, die zeigt, wie junge Krebsbetroffene mit ihren seelischen Narben darum kämpfen, ihren Platz im Leben neu zu finden. (mehr …)

[LiSe 07/19] Ausschreibung: Nature Writing

Erstmals wird vom Literaturhaus München ein Seminar zum Schreiben über Natur veranstaltet. Es soll Aufschluss geben über diese im angelsächsischen Raum längst etablierte literarische Gattung. Geleitet wird das Seminar von der Lektorin Meike Rötzer (Matthes & Seitz) und Andreas Weber, Autor, Philosoph und Biologe (Universität der Künste, Berlin). Bewerben kann sich, wer nicht älter als 40 Jahre ist, über Schreiberfahrung verfügt und aktuell an Texten zum Nature Writing arbeitet.

Termin und Ort: 19.-24.9.2019
Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg.
Kosten: 300 Euro (für Seminarplatz, Hotel, Verpflegung).
Bewerbungsschluss: 15.7.2019.
Infos: www.literaturhaus-muenchen.de

[LiSe 06/19] Literarische Archive (Folge 5): Der penetrante Neonazismus

Erika Mann und ihre „Pfeffermühle“ /  Der digitalisierte Nachlass in der Monacensia

Von Ina Kuegler

1.034 Mal stand sie auf der Bühne, dann war Schluss. Die letzte Station sollte 1937 New York sein, die erste war 1933 in München. Am 1. Januar hob Erika Mann (1905-1969) zusammen mit ihrem Bruder Klaus das politisch-literarische Kabarett „Die Pfeffermühle“ aus der Taufe und prägte es jahrelang. Die älteste Tochter des Literatur-Nobelpreisträgers Thomas Mann glänzte als Conférencière, als Schauspielerin, Sängerin, Texterin. Heute liegen Dokumente zur „Mühle“ in der Monacensia: 114 sind es – nur ein Bruchteil von insgesamt 6.167 Schriftstücken, dem kompletten, mittlerweile digitalisierten Erika-Mann-Nachlass. (mehr …)

[LiSe 06/19] Buchtipps aus erster Hand

Die Internationale Jugendbibliothek empfiehlt für Juni diese beiden Neuerscheinungen:

Franziska Biermann: Jacky Marrone rettet die drei kleinen Schweinchen
dtv

Kaum hat Jacky Marrone, findiger Fuchs und frisch gebackener Privatdetektiv, Aurelia, das wertvollste Huhn der Welt, sicher zurück in den Stall gebracht, wartet auch schon der nächste Auftrag auf ihn: Ein schwarzes Phantom treibt in der Stadt sein Unwesen und bedroht die drei kleinen Schweinchen. Mit Sprühseil, Schrumpftropfen und den superneuen Lichtnetz-Handschellen rückt der beste Schnüffler aller Zeiten dem Unbekannten zu Leibe. Ein wahres Feuerwerk an witzigen Einfällen in Text und Bild – auch für Lesemuffel. (mehr …)

[LiSe 05/19] Literarische Archive (Folge 4): Quer zu den Strömungen

Carl Amerys Nachlass in der Monacensia

Von Michael Berwanger

Wer sich das äußerst arbeitssame und vielschichtige Leben Carl Amerys vor Augen führt, wird es vollkommen sinnrichtig finden, dass sein Nachlass heute zu neunzig Prozent in der Monacensia liegt. Das Literaturarchiv, das zur Münchner Stadtbibliothek gehört, war schon zu Lebzeiten Amerys in den Besitz großer Teile des Vorlasses gekommen. Schließlich war Carl Amery von 1967 bis 1971 Direktor der Münchner Stadtbibliothek; nicht gerade ein selbstverständlicher Job für einen Literaturtheoretiker und Schriftsteller.  (mehr …)