[LiSe 10/18] Rezension: Das Glück in glücklosen Zeiten

Das Glück in glücklosen Zeiten
Die geheime Liebesgeschichte meiner Eltern

Von Katrina Behrend Lesch

Es liegt immer an der Zeit, die vergehen muss, damit lang gehütete Familiengeheimnisse endlich gelüftet werden können. Dass da etwas ist, über das die Eltern nicht sprechen wollen, ahnen die Kinder, aber sie schweigen ebenfalls. Auch Halldis Engelhardt findet erst nach dem Tod ihrer Mutter den Mut, Nachforschungen zu betreiben. In ihrem Buch „Sieh dich nicht um!“ schreibt sie: „Es war spannend und bedrückend zugleich, denn es ergaben sich immer neue Fragen – Fragen, die nicht nur meine Eltern betrafen, sondern auch mich. Es erschien mir immer sonderbarer, dass ich dieses Spiel meiner Eltern mitgespielt hatte.“  (mehr …)

[LiSe 10/18] Rezension: Vermeintliches Idyll

Vermeintliches Idyll
Katja Hubers neuer Roman „Unterm Nussbaum“

Von Stefanie Bürgers

Die Großfamilie im weitläufigen Garten an einer langen, schön gedeckten Tafel. Ein vermeintliches Idyll, mit dem Katja Huber in ihrem neuen Roman „Unterm Nussbaum“ die Leser*innen eingangs hinters Licht führt. Anlass für das Familientreffen ist der Siebzigste von Barbara. Sie hat vier Kinder, die nur losen Kontakt pflegen. Die älteste Tochter Mirjam beschließt, den Geburtstag ihrer Mutter mit allen Geschwistern und deren Familien in jenem Haus am Ammersee zu feiern, in dem Barbara aufgewachsen ist. Doch dieses Haus birgt schmerzliche Erinnerungen. Spannungen sind also vorprogrammiert, entladen sich in Dialogen mit Wortwitz und Esprit. (mehr …)

[LiSe 09/18] Rezension: Ein Opfer von Freud

Katharina Adler  und ihr Roman „Ida”

Von Ina Kuegler

Hysterische Erkrankungen“ – so formuliert es Sigmund Freud im Jahr 1905 – haben „ihre Ursachen in Intimitäten des psychosexuellen Lebens der Kranken.“ Eine dieser Kranken, die bei Freud in Behandlung war, ist weltberühmt geworden: Es war „Dora“ – ein 18jähriges Mädchen, das eigentlich Ida Bauer hieß. Ihr beziehungsweise ihrer Urgroßmutter hat die junge Münchner Schriftstellerin Katharina Adler den Roman „Ida“ gewidmet. Der Roman, ein Stück Zeitgeschichte zwischen 1890 und 1945, macht nachvollziehbar, warum Ida bzw. Dora die Behandlung bei Freud nach drei Monaten abbrach: Ida rebellierte gegen ihre Rolle auf Sigmund Freuds Couch. (mehr …)

[LiSe 09/18] Rezension: Gutes Potpourri

Fünf Jahre  Lyrik-Magazin „Signaturen“

Von Hans-Karl Fischer

Was ist der Unterschied zwischen einem Internet-Magazin und einer herkömmlichen Literaturzeitschrift wie „Akzente“? Wenn man das Lyrik-Magazin „Signaturen“ im Internet öffnet, so stößt der Leser auf ein „Gedicht der Woche“ und auf Rezensionen über gerade erschienene Gedichtbände. Es ist der Eindruck von größtmöglicher Aktualität, der überrascht; auf eine solche Fülle haben Anhänger von Lyrik schon lange gewartet. Das meiste, was in „Signaturen“ steht, ist jedoch ein beständig wachsendes Archiv, das aus den früheren Texten der wöchentlichen Ausgaben besteht. Das muss nicht von Nachteil sein: ich hole mir keinen Sonnenbrand an der puren Gegenwart, sondern komme darüber hinaus zu einer bestimmten Kenntnis der im Schatten liegenden modernen Lyrik. (mehr …)

[LiSe 07/18] Rezension: Frau folgt auf Frau

Hans Boeters Erstlingswerk über Erich Maria Remarque

Von Stefanie Bürgers

Mit Frauen? Mit Frauen tat ich mir immer leicht!“ – so Remarque noch als 50jähriger. Hans Boeters Erstlingswerk „Krieg und Liebe, Erich Maria Remarque und die Frauen“ zeichnet ein anderes Bild. Als lästiges Anhängsel der Mutter erlebt Remark die Kindheit. Die Liebe der Mutter ist verbraucht vom todkranken älteren Bruder und der nachgeborenen Schwester. Im Ersten Weltkrieg knapp dem Tod entkommen, erfindet er sich neu. Erich Paul Remark heißt fortan Erich Maria Remarque. Sein Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“ führt im Nationalsozialismus zur Ausbürgerung, zum Verlust der Heimat.  (mehr …)

[LiSe 07/18] Lyrik-Rezension: Herbstliche Stimmung

„Einmal einfach“ –  der neue Gedichtband von Michael Krüger

Von Hans-Karl Fischer

In den Besprechungen des Gedichtbandes „Einmal einfach“ von Michael Krüger werden Aspekte zum vielschichtigen Autor herausgegriffen; einer dieser Aspekte ist, dass die Altersgedichte auf einer Stufe mit Goethes Gelegenheitsgedichten stehen und als „großes Buch des Trostes“ für das Eingehen in die Literaturgeschichte vorgesehen sind. Schon wegen seiner Länge von 136 Seiten hätte dieses Buch jedoch zuerst einmal eine Eingrenzung verdient. Denn wenn es sich auch um Gedichte handelt, die das Alter zum Thema haben, so ist damit nicht das Alter an sich gemeint, sondern das reisefähige, rüstige Alter. (mehr …)