[LiSe 10/22] Empfehlung : In den Müh(l)en des Witzes

Mit fröhlichem Spott und beißender Ironie zeichnete Wolfram Hirche die teilweise absurden, teilweise lustigen Seiten des Literaturbetriebs nach. Über zehn Jahre lang erschienen seine Glossen links neben dem Auf-macher des Blattes, das Sie gerade lesen. Nun sind knapp 90 seiner Texte in einem Band vereint.

Wolfram Hirche schreibt nicht nur satirische Glossen und Kolumnen, sondern auch Lyrik und Kurzgeschichten. Er war viele Jahre lang erster Vorsitzender des Münchner Literaturbüros.  Red

Wolfram Hirche: Spottlichter. Die Kolumnen aus den „LiteraturSeiten München“ 2010 bis 2021
Verlag p.machinery, 2022
Paperback: 13,90 Euro
Hardcover: 16,90 Euro

[LiSe 10/22] Rezension: Spiele

Ulrike Draesners neuer Roman aus dem Umfeld des Olympia-Attentats 1972

Von Stefanie Bürgers

Katja, Journalistin, Anfang 40, steht  in der Münchner U-Bahn. Sie will Max anrufen, doch das fällt ihr schwer. Das Gespräch mit Max beginnt abgehackt, holprig. Man ahnt, dass Katja in Max’ Schuld steht wegen eines massiven Vertrauensbruchs in Teenagertagen. In Rückblenden – oftmals wie Gedankensprünge eingeführt – ergeben Katjas Erinnerungen für den Leser, die Leserin nach und nach ein Bild.
Als Halbwaise ist Katja in den 1960iger Jahren bei ihrem Vater in engem Kontakt zu den Großeltern aufgewachsen und kämpft mit dem frühen Verlust der Mutter. Sie verhält sich launisch, lässt ihren unkontrollierten Gefühlen Lauf, quält die eigene Katze. (mehr …)

[LiSe 09/22] Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat September diese Neuerscheinungen:

Lieke Marsman: Das Gegenteil eines Menschen
Klett-Cotta

Ida, eine junge Klimawissenschaftlerin aus Amsterdam, malt sich als Kind häufig aus, eine Gurke zu sein − ihr Lieblingsgemüse, das zwar wächst, aber nicht fühlt. Jahre später stellt sie ihr biologisches Geschlecht in Frage und hinterfragt eindringlich das gegenwärtige Verhältnis von Mensch und Natur. Ida verlässt Amsterdam für ein Forschungsprojekt in den norditalienischen Alpen. Doch der Preis für die neue Erfahrung ist hoch, denn sie lässt ihre Freundin Robin in Amsterdam zurück, was die Liebe der beiden Frauen auf eine harte Probe stellt. Ein hochaktuelles Thema und berührender Liebesroman zugleich. (mehr …)

[LiSe 09/22] Rezension: Kann eine deutsch-jüdische Existenz gelingen?

Marian Offman schreibt ein lesenswertes Buch, das mit einer Antwort auf diese Frage noch wartet.

Von Katrin Diehl

Autofiktionale Texte treiben mit uns ein unruhiges Spiel. Immer doch ein wenig voyeuristisch, verlässt uns beim Lesen die Frage kaum, was da jetzt „stimmt“ und was nicht. Autofiktionales Schreiben ist gerade ziemlich angesagt, obwohl – und das erklären uns Autor*innen schon lange – eigentlich jeder Text seine fiktionale wie autobiografische Komponente hat. Mal mehr vom einen, mal mehr vom anderen. In Marian Offmans „Mandelbaum“-Buch dominiert eindeutig das Autobiografische als Inhaltsgeber. Und das ist ziemlich aufregend, auch weil es diesen oder jenen aus der Münchner Gesellschaft, erkennt der sich wieder, ziemlich aufregen könnte. (mehr …)

[LiSe 06/22] Empfehlungen: Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat Juni diese Neuerscheinungen:

Gary Shteyngart: Landpartie
Penguin

Es ist März 2020. In einem idyllischen Landhaus außerhalb von New York versammelt der Schriftsteller Sasha Senderovsky eine illustre Gruppe alter Freunde, um die Pandemie bei gutem Essen und anregenden Gesprächen auszusitzen. Über die nächsten Monate wachsen neue Freund- und Liebschaften, während sich längst vergessen geglaubte Kränkungen mit frischer Kraft manifestieren. Doch mit der Ankunft eines Hollywoodstars gerät das mühsam konstruierte Gleichgewicht dieser Wahlfamilie gefährlich ins Wanken. Shteyngart dokumentiert die Gefühls- und Erlebniswelt des Jahres 2020 und verpackt sie in einen süffig-intelligenten Roman. (mehr …)

[LiSe 06/22] Rezension: Mit der Kraft der Worte gegen die Härte und Unerbittlichkeit der Nachkriegszeit

Volker Widmann und seine starke Naturpoetik

Von Ursula Sautmann

In „Die Molche“ malt Volker Widmann mit Worten eine Kindheit im Übergang zur Jugend in einem bayerischen Dorf. Der Krieg zwischen den Nationen ist beendet, in den Seelen der Menschen tobt er weiter. Die Väter sind innerlich und äußerlich versehrt und mit ihrem Schweigen den Familien ein Rätsel, die Mütter geben ihr Bestes, nur Halt suchen die Heranwachsenden vergebens. (mehr …)