[LiSe 11/21] Lyrische Kostprobe

Ein Kenotaph für Newton, Opening Night.

Gravitationsfinsternis.
Die Nacht öffnet ihren Mund wie ein Planet. Oben, wird unten
behauptet, pflanze jemand Zypressen, lockere die Erde, häufe
Dünger im Kreis um die Kugel. Der Zirkel noch frisch, das totale
Lächeln von Masse. So bohrt man sich schließlich Tunnel zur
Nacht. Durch Gebirge, Moose und Dohlen. Dabei auch versehentlich
gekitzelte Tamarisken. Jedoch die Nacht öffnet ihren Mund, wie
ein Planet. Der hat dem Schwarz Reflexe antrainiert, und so gibt’s
dunkle, zuckende Klumpen: Die igeln sich ein und
adlern sich aus. (mehr …)

[LiSe 10/21] Lyrische Kostprobe: Ohne Distanz

Seit Jahresbeginn läuft das Litauische Kulturjahr unter dem Motto: „Ohne Distanz – Litauische Kultur in Bayern 2021“

Im Lyrik Kabinett wird am 7. Oktober der Litauische Lyriker und Bürgerrechtler Tomas Venclova im Gespräch mit dem Schriftsteller und ehemaligen Verleger des Carl Hanser Verlags, Michael Krüger, auftreten. Außerdem stellen sich Lyriker*innen der jüngeren Generation Litauens vor: Aušra Kaziliūnaitė, Giedrė Kazlauskaitė und Marius Burokas, von dem wir hier das Gedicht „mieste karantinas“ im Original und in deutscher Übersetzung präsentieren dürfen. Wir danken dem Autor und dem Portal „lyrikline“ (www.lyrikline.org), wo man mehr über den Verfasser und über litauische Lyrik erfahren kann. (mehr …)

[LiSe 09/21] Lyrische Kostprobe

Tier und Sprache

Mara-Daria Cojocaru ist Schriftstellerin und Philosophiedozentin. Sie hat bislang vier eigenständige Gedichtbände, einen Band poetischer Korrespondenzen mit Ron Winkler und zwei Sachbücher publiziert. 2015 war sie Finalistin beim Literarischen März. Neben dem Bayerischen Kunstförderpreis Literatur 2017 erhielt sie den Alfred-Gruber-Preis beim Lyrikpreis Meran, den Deutschen Preis für Nature Writing 2021 sowie den Lyrikpreis des Mondseelandes 2021. Am liebsten schreibt sie in der Gesellschaft von Tieren. (mehr …)

[LiSe 07/21] Lyrische Kostprobe: Streng und spielerisch

Andrzej Kopacki, geboren 1959, ist Essayist, Lyriker, Übersetzer sowie Dozent an der Warschauer Universität und bei der Literaturzeitschrift Literatura na Świecie. In einem Ton und Rhythmus, der streng und spielerisch zugleich ist, wendet sich der Warschauer Dichter in der Sammlung „Gedichte für Marianna“ an ein Kind und an die Welt, an Königinnen und Liebhaber, an Hunde und Obstfliegen und Kellnerinnen im Hafen. Seine Form: Sonett und freier Reim …, und wissen Sie noch, was eine asklepiadeische Ode vom Dichter verlangt? (mehr …)

[LiSe 06/21] Lyrische Kostprobe: Weiche warme Tiere

Slata Roschal, geboren 1992 in Sankt Petersburg, ist Lyrikerin und Literaturwissenschaftlerin. Sie lebt bei München. Ihr Debütband Wir verzichten auf das gelobte Land erschien 2019 bei Reinecke & Voß in Leipzig. RED

Den Anfang machten alte Frauen

Sie ließen verbliebene Haare toupieren und wellen

Dann kamen Piloten dazu Kapitäne zur Hälfte gerauchte Zigarren

Es kam ein Schwarm dazu an Libellen

Ein guter Tod ist ein verjährter Tod (mehr …)