[LiSe 04/18] Auf dem Weg – immer noch

Evas Töchter – Münchner Schriftstellerinnen und die moderne Frauenbewegung /Ausstellung in der Monacensia 

Von Stefanie Bürgers

München um 1900, bayerische Residenzstadt, wird zu einer der bedeutendsten Kunst- und Kulturstädte Europas, zum Zentrum der Schwabinger Bohème – und einer noch jungen Frauenbewegung, die in der Folge großen Einfluss auf das Bürgertum in ganz Bayern gewinnt. Seit 1894 ist München von der modernen Frauenbewegung bestimmt, die für ein neues Frauenbild, das Recht auf Bildung, Selbstbestimmung und Erwerbstätigkeit der Frau eintritt. Die Stadt ist geprägt von Frauen wie Anita Augspurg, Sophia Goudstikker, Ika Freudenberg, Emma Merk, Marie Haushofer, Carry Brachvogel, Helene Böhlau, Emmy von Egidy und vielen anderen. Betritt man die Monacensia-Ausstellung, blicken einen diese Damen aus lebensgroßen Fotografien direkt und herausfordernd an.  (mehr …)

[LiSe 03/18] Politisch und provokant

Politisch und provokant
1968, vor 50 Jahren, wurde Rainer Werner Fassbinders ganz besondere Art der Schauspielkunst geboren

Von Ursula Sautmann

Rainer Werner Fassbinders Filme sind berühmt. Seine einschlägigen und praktischen Erfahrungen mit Bühne und Schauspiel, mit Buch, Regie und Inszenierung, begannen aber im Theater. Hier legte er die Grundlagen für seinen eigenen Stil. Im August 1967 stieß Fassbinder zum Action-Theater, einem Off-Theater mit gut 50 Plätzen in der Müllerstraße. Dort saß er täglich im Zuschauerraum, unübersehbar. Ein Ensemblemitglied brach sich den Arm, Fassbinder bekam die Rolle. Wenig später wurde er Mit-Regisseur bei Büchners „Leonce und Lena“ und inszenierte schließlich im Dezember „Die Verbrecher“ von Ferdinand Bruckner. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete das Theater am 21. Dezember als „eine der lebendigsten unter den zahlreichen Münchner Privatbühnen“.  (mehr …)

[LiSe 03/18] Dichter-Denkmäler in München (Folge 5)

Seiner Zeit weit voraus
Frank Wedekind und sein Brunnen / Todestag vor hundert Jahren

Von Stefanie Bürgers

Eine Bank unter lauschigen Bäumen im Halbrund nahe dem Brunnen. Das liebliche Lächeln der von Ferdinand Filler geschaffenen Brunnennymphe am Wedekindplatz in Schwabing lädt zum Verweilen. Von der abgründigen Tiefe, in die sie einen locken kann, ahnt man auf den ersten Blick nichts. Die sinnend an die Stirn gelegte Hand und die Schriftrolle weisen auf den Schriftsteller, die Lyra auf den Liedersänger, die Maske auf den Schauspieler Frank Wedekind. Artige Anerkennung eines viele Jahre abgelehnten Dichters. Die Deutung der Skulptur von 1959 meidet den Aufruhr, den Wedekind mit seinen Werken stets verursacht hat. Anatol Regnier, Enkel Wedekinds, damals 14 Jahre alt, erinnert sich an die Einweihungsfeier: Tribünen, der Theaterwissenschaftler Artur Kutscher war da, sogar das Fernsehen. Seine Mutter Pamela, die Tochter Wedekinds hat Wedekind-Lieder gesungen. (mehr …)

[LiSe 02/18] Namen locken

Vor 60 Jahren wurde die Bayerische Akademie der Schönen Künste gegründet

Von Katrina Behrend Lesch

Wenn sich an einem nasskalten Vorweihnachtstag gegen sechs Uhr vor dem Eingang der Residenz auf dem Max-Joseph-Platz eine Menschentraube bildet, dann ist Akademiezeit. Diesmal war es Heinrich Bölls 100. Geburtstag, der für Gedrängel an der Pforte sorgte. Da mag sein Name, der im Nachkriegsdeutschland zu den wichtigsten unter unseren Schriftstellern zählte, an Bedeutung verloren haben, wenn die Akademie ruft, ist der Andrang groß, und sicher trug neben Gert Heidenreich und Sven Hanuschek als Referenten auch Regisseur Volker Schlöndorff dazu bei. Seine Verfilmung der Böll’schen Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von 1975 führte seinerzeit einem großen Publikum eindringlich vor Augen, wie machtlos der Einzelne einer zur Massenhysterie angeheizten öffentlichen Meinung.ausgeliefert war. Geändert hat sich daran nichts, damals war es eine gewisse Boulevardpresse, heute wabern Verunglimpfung und Hetze durch die sozialen Medien. (mehr …)

[LiSe 01/18] Puppenspiel, Gauklerball und Weizenbock

München steht im Zeichen von Faust / Das Goethe-Drama animiert zu mehr als 500 Veranstaltungen

Von Ina Kuegler

Am Anfang waren es zwei, jetzt sind es über 120. So viele Veranstalter zählt das Faust-Festival München, das das kulturelle Leben der Landeshauptstadt in der ersten Jahreshälfte 2018 prägen wird und dem weltweit bekanntesten Werk der deutschen Literatur gewidmet ist. Offizieller Auftakt ist am 23. Februar – an diesem Tag eröffnet die Kunsthalle ihre Ausstellung „Du bist Faust – Goethes Drama in der Kunst“. Kunsthalle und Gasteig sind die Initiatoren des Festivals, das mehr als 500 Veranstaltungen präsentieren will. (mehr …)

[LiSe 12/17] Geschenke – ein literarisches Ratespiel

In zehn Werken der Weltliteratur erfüllen Geschenke ihren Zweck: so hintersinnig, wie es eben große Autoren und Autorinnen ersinnen können. Auch eine Anregung für den literarischen Gabentisch. Wir wünschen viel Vergnügen beim kleinen Ratespiel!

  1. Ein amerikanischer Autor aus Chicago, Nobelpreis 1976, entwirft, durchsetzt mit fiktiven Briefen an Eisenhower, Einstein, Spinoza die
    Lebenskrise eines Professors, der seine kapriziöse Ehefrau verliert und sein Kind mit Geschenken an sich binden will:

Als erfahrener Vater wartete er weise, bis sie den (Ford) Falcon erreichten und sagte erst dann: „Ich habe Geschenke für dich im Kofferraum!“ „O Papa, was hast du mitgebracht?“ … Und er überlegte, wie sie diese Welt der großen Werkzeuge, der physikalischen Prinzipien und der angewandten Wissenschaft einst erben würde.

  1. Österreicher wider Willen, der in seinem umfangreichsten Roman von Rom aus die engen Verhältnisse seiner Heimat sezieren lässt:

Die Mutter sagt zu einem solchen Mann, ich schenke dir einen Erben und nimmt ihm gleichzeitig und tatsächlich praktisch alles weg. Andererseits hat der neue Vater das Gefühl, die Schuldigkeit getan zu haben, auf die es ihm angekommen ist. Ist der Erbe da, interessiert ihn die Frau gar nicht mehr. (mehr …)