[LiSe 10/19] Spanien im Herzen

Literatur im spanischen Kulturinstitut – das Instituto Cervantes

Von Bernd Zabel

Die Lage könnte besser nicht sein, zwischen Staatsoper, Akademie der Wissenschaften und Max-Planck-Institut, ein Filetstück in bester Innenstadtlage. Benannt nach dem wohl bekanntesten spanischen Autor, Miguel Cervantes, bietet das spanische Kulturinstitut nicht nur eine Bibliothek, hochwertige Sprachkurse auf allen Niveaus, sondern auch ein vielfältiges Kulturprogramm.

Literatur spielt dabei eine besondere Rolle. Von der klassischen Lesung über Workshops bis hin zu Ausstellungen reichen die Angebote. Darüber hinaus bietet das Haus über seine Kulturveranstaltungen eine Fülle von Möglichkeiten zur Begegnung mit Spanien und Lateinamerika. Sprachbarrieren sind nicht zu fürchten, die literarischen Events laufen in der Regel zweisprachig. Die nach dem paraguayischen Autor Augusto Rua Bastos benannte Bibliothek umfasst 30.000 ausgesuchte und ständig aktualisierte Medien. Zwar wurde ein Spanisches Kulturinstitut im Januar 1956 in München gegründet, doch erst mit dem Ausbau der Präsenzen Ende der 90er Jahre entfaltete das Haus, nun unter dem Namen „Instituto Cervantes“, das volle Spektrum seiner Arbeit. Davon profitierte besonders das literarische Programm, es spiegelt die Vielfalt des Landes wider: nicht nur spanische, sondern auch baskische, galicische und katalanische Stimmen sind zu vernehmen. Und wo gibt es das sonst in München? Lesungen von Autor*innen aus Mexiko oder Ecuador, aus Guinea und Kuba, aus Peru und Argentinien. Sie werden in der Regel zusammen mit ihren deutschen Verlagen präsentiert. Im Rahmen einer „Tournee durch Bayern“ findet alljährlich eine „Dichterreise – Viaje poético“ mit Übersetzerworkshops und öffentlichen Lesungen statt, die spanische Lyriker*innen an die Universitäten in Augsburg, Nürnberg-Erlangen, Regensburg und München führen. (mehr …)

[LiSe 09/19] Ein Bücherschloss für Kinder

Die Internationale Jugendbibliothek in der Blutenburg feiert ihren 70. Geburtstag

Von Katrin Diehl

Es klingt wie im Märchen: Bücher, die von anderen Welten erzählen, Kinder, die behütet in einem verwunschenen Schloss ihre Köpfe in diese Bücher stecken, schauen und lesen, jedes in seinem Tempo, die interessiert sind an allem, was anders und fremd ist, immer mehr lesen und immer schlauer werden, die, wenn sie erwachsen sind, die Welt zu einer besseren machen, einer also ohne Krieg. (mehr …)

[LiSe 07/19] Elefantenhaut und Hirnhäuslein

„Pluriversum“, die neue Ausstellung im Literaturhaus, ist dem Autor und Filmemacher Alexander Kluge gewidmet.

Von Katrina Behrend Lesch

Auf dem Lampenschirm sind Soldaten mit nackten Hintern abgebildet. Die „Grenadiere im Regen“, eine Hommage an Stanley Kubricks gescheiterten Napoleonfilm, wurden von Thomas Thiede gemalt. Für den Freund Alexander Kluge, der den Film aus dem nachgelassenen Material vollenden wollte, was wiederum am Tod von Helmut Dietl scheiterte. Daneben läuft der Minutenfilm „Der verhüllte Marx“, von einem venezianischen Künstler als Apoll geschaffen – „Er war ja auch einmal jung“. Gleichzeitig die Dokumentation von 1969 „Ein Arzt aus Halberstadt“, Besuch meines Vaters in München – „Mein Vater hat kein Gewicht im Vergleich zu Karl Marx, aber ich liebe ihn“. Hinzugefügt sind Stefan Moses’ Triptychen von der Verhüllung des Marx-Engels-Denkmals kurz nach der Wende in Ostberlin. „Derart unterschiedlich gewichtete Dinge lassen sich nur in einer Ausstellung miteinander verknüpfen“, sagt Alexander Kluge, während er durch sein „Pluriversum“ im Literaturhaus führt. (mehr …)

[LiSe 06/19] Muße zum wirklichen Leben

Henry David Thoreau suchte sie in der Natur. Er gilt als der Säulenheilige des amerikanischen Nature Writing.

Von Katrina Behrend Lesch

Muße zum wirklichen Leben“ wollte der Lehrer und Landvermesser Henry David Thoreau finden, als er sich 1845 am Waldensee in einer selbstgezimmerten Blockhütte für zweieinhalb Jahre in die Natur zurückzog. Fern von allem Komfort seiner Zeit, so dicht wie möglich am Naturgeschehen, das war das Ziel seines Experiments. Dass er damit zu einem Idol für ein Heer von Aussteigern wurde hätte ihn wahrscheinlich am meisten erstaunt. Zumal die wenigsten bei ihrer Suche nach der „wilden, unberührten Natur“ im Sinn hatten, worum es ihm ging. „Es kam auf das genaue Beobachten, Horchen, Fühlen, Schmecken an, auf das Registrieren und Vermessen, auch auf die Selbstbeobachtung und Selbsterkundung…“, so formuliert es Ludwig Fischer in seinem bei Matthes & Seitz erschienenen Buch „Natur im Sinn“. Fischer, von Haus aus Biologe und Philologe, widmet sich darin ausführlich dem Nature Writing, einer Literaturgattung, die sich in England und Amerika großer Beliebtheit erfreut, in Deutschland hingegen ein Nischendasein fristet. Das drückt sich schon im Namen aus, der sich nur höchst ungelenk ins Deutsche übersetzen lässt. Die Bücher, die sich neuerdings auf dem deutschen Buchmarkt zu Bestsellererfolgen aufschwingen, stammen zumeist aus dem angelsächsischen Sprachraum.  (mehr …)

[LiSe 05/19] „Manege frei“ für Hitler

Vor hundert Jahren eröffnete Circus Krone nicht nur mit Menschen Tieren Sensationen, sondern auch mit Großkundgebungen von Adolf Hitler.

Von Ina Kuegler

Hundert Jahre hält diese Verbindung nun schon, hundert Jahre Circus Krone und München. Am 10. Mai 1919 wurde auf dem Marsfeld der Circus-Krone-Bau eröffnet, mit der Araber-Stute Puppchen und mit Assam, dem einzigen Elefanten, der auf den Hinterbeinen durch die Manege laufen konnte. Zuvor war der Circus jahrzehntelang mit Wagen, Sonderzügen und Zelten durch ganz Europa getourt, jetzt gab es einen Festbau, einen 4.000 Zuschauer umfassenden runden Saal, der als Versammlungsort auch in die (Literatur)Geschichte einging. Hier gastierten 1966 nicht nur die „Beatles“, hier hatte Adolf Hitler seine ersten großen Kundgebungen. (mehr …)

[LiSe 04/19] Steinige Wege

Verfolgt, vertrieben, ihrer Sprache enteignet – wie es Autorinnen und Autoren im Exil ergeht

Von Bernd Zabel

Gestern noch in der Öffentlichkeit, am nächsten Tag im Versteck, dann die Verhaftung oder heimliche Flucht gegen hohe Schmiergeldzahlung. So erging und ergeht es zahlreichen Autor*innen weltweit. Viele, denen die Flucht gelang, landeten in Deutschland. Einige wenige erheben hier ihre Stimme und werden gehört, aber die Mehrzahl bleibt stumm, denn sie haben Familie und Angehörige zurücklassen müssen und die Regime halten sich mit Sanktionen und Schikanen schadlos. Daher die verbreitete Angst, nicht nur bei türkischen oder iranischen Flüchtlingen. Jedes Fluchtschicksal ist eben ein besonderes. Es macht einen großen Unterschied, ob er/sie hier eine Gemeinschaft von Landsleuten vorfindet, ob der Arm der Verfolger, der Geheimdienste, bis ins Gastland reicht und wie schwer die Traumatisierung durch Flucht, Verfolgung, Haft und Folter auf der Seele lastet. (mehr …)