[LiSe 07/20] „Democracy will win!“

Thomas Mann und die Politik – eine Ausstellung zur aktuellen Demokratie-Debatte im Münchner Literaturhaus.

Von Katrina Behrend Lesch

1938 konstatierte Thomas Mann, „(d)ass Demokratie heute kein gesichertes Gut, dass sie angefeindet, von innen und außen schwer bedroht, dass sie wieder zum Problem geworden ist.“ Heute haben seine Worte bestürzende Realität gewonnen, nach 75 Jahren Frieden und Freiheit, in einer Gesellschaft, in der Kräfte erneut an unseren demokratischen Grundwerten rütteln wollen. Diese Debatte um die Demokratie der Gegenwart hat das Literaturhaus aufgegriffen und sie am Beispiel Thomas Manns und seiner durchaus verschlungenen Entwicklung zu einem politischen Menschen in einer trefflichen Ausstellung veranschaulicht. Die Idee dazu kam der Leiterin Tanja Graf nach der Lektüre des jüngsten Werks „Das Weiße Haus des Exils“ von Frido Mann. Der heute in München lebende Enkel Thomas Manns erinnert sich darin an das kalifornische Haus seines Großvaters, das von der Bundesrepublik gekauft und 2018 als transatlantische Begegnungsstätte eröffnet wurde. In dem Buch (übrigens auch in einem Film, der in der Ausstellung gezeigt wird) wandert Frido Mann von Zimmer zu Zimmer, beschreibt die Zeit, die er dort als Kind verbracht hat, und verschränkt seine Erinnerungen mit den damaligen Ereignissen und den Reaktionen seiner Familie darauf, sie gleichzeitig in Beziehung zur heutigen Demokratie-Debatte setzend. (mehr …)

[LiSe 06/20] Fragen an Michael Ott

Michael Ott ist Teamleiter der Abteilung 1 – Darstellende Kunst, Literatur, Film, Wissenschaft und Preise im Kulturreferat der Landeshauptstadt München.

LiteraturSeiten München (LSM): Sie sind im Kulturreferat der Stadt München u. a. für die Literaturförderung zuständig, welche Bereiche genau umfasst diese Förderung?

Michael Ott: Wir unterstützen zum einen Institutionen wie das Literaturhaus, die Internationale Jugendbibliothek oder das Lyrik Kabinett mit Zuschüssen; auch das Münchner Literaturfest gehört hierzu. Zum zweiten gibt es viele einzelne Veranstaltungen, Reihen, poetry slams oder kleinere Festivals, die wir durch Kooperationsbeiträge fördern und oft erst ermöglichen. Und schließlich unterstützen wir Autor*innen mit Preisen und Stipendien – vom Münchner Literaturpreis über die Arbeitsstipendien bis zum Hoferichter- oder Tukanpreis; hier organisieren wir Jurys und Preisverleihungen. In engem Austausch sind wir auch mit der Stadtbibliothek und der Münchner Volkshochschule, die aber eigenständige Institutionen mit eigenem Veranstaltungsprogramm sind. (mehr …)

[LiSe 05/20] Villa Waldberta: Ein Refugium für die Künstlerseele

Dr. Martin Rohmer leitet das internationale Residenzprogramm der Stadt München.
Die LiteraturSeiten haben ihn befragt.

LiteraturSeiten München (LSM): Die Villa Waldberta ist das Residenzhaus der Stadt München für internationale Stipendiatinnen und Stipendiaten, gelegen ist die Villa aber am Starnberger See, in Feldafing. Wie ist es dazu gekommen?

Dr. Martin Rohmer: Die Villa Waldberta wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut und hat eine wechselvolle Geschichte, schön aufbereitet in Tobias Mahls Buch „Kosmopolitentreff und Künstlerhaus. Die Villa Waldberta als Spiegel des 20. Jahrhunderts“. Die Villa stand auch in Privatbesitz schon immer für Kunst, Kultur und Begegnung. Die letzte Eigentümerin der Villa, Bertha Koempel, stiftete das Anwesen der Landeshauptstadt München, und seit 1983 ist hier das Artist-in-Residence-Programm derStadt angesiedelt. Internationale Gastkünstler*innen wohnen auf Zeit, arbeiten und präsentieren sich selbst und ihre Arbeit der Öffentlichkeit. (mehr …)

[LiSe 04/20] Einblicke „under cover“

Das Münchner Übersetzer-Forum

Von Stefanie Bürgers

Ein Großteil der Weltliteratur liegt uns kurz nach Erscheinen fremdsprachiger Ausgaben in deutscher Sprache vor. Diese für uns so selbstverständliche Annehmlichkeit verdanken wir der Übersetzung. 

“Becoming“ von Michelle Obama wurde von einem sechsköpfigen Team binnen einer Frist von nur zwei Wochen aus dem Amerikanischen ins Deutsche übertragen. Alle Fassungen weltweit sollten gleichzeitig erscheinen. Autor und Titel zieren das Cover. Wer übersetzt hat, findet sich auf dem Innentitel. Nur wenige Verlage präsentieren dies auf Cover oder Rückendeckel. (mehr …)

[LiSe 03/20] Geschichten erzählen, Panel für Panel

Die Münchner Comic-Zeichnerin Barbara Yelin

Von Katrin Diehl

Vor den drei großen Schaufenstern spielen sich Geschichten ab, so wie sich auf der ganzen Welt und zu jedem Zeitpunkt Geschichten abspielen. Man muss sie nur sehen, das heißt sehen wollen. Barbara Yelin will. Denn Geschichten sind für sie zum Sehen, und dann – haben sie das Zeug dazu – zum Erzählen da. Barbara Yelin erzählt mit Zeichnungen. Sie erzählt in Comics, und so schwer man sich mit der Verortung dieses Genres zwischen Literatur, bildender Kunst, Film… auch tut, für Yelin ist der Comic eben ein Erzählmedium, eines, das aus einer Folge gezeichneter Bildern besteht, kombiniert mit mal mehr, mal weniger Text. Auf viele Menschen, Kinder, Erwachsene, üben Comics eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus, sie sind „populär“ und sie sind eine Kunstform. Eine absolut reizvolle Kombination. (mehr …)

[LiSe 02/20] Kommt ein Bot in die Bar

Künstliche Intelligenz im Münchner Literaturbüro 

Von Wolfram Hirche

Die Künstliche Intelligenz (KI) literarisch einzufangen war das Thema zweier Abende im Münchner Literaturbüro Ende letzten Jahres. Sieben Autorinnen und Autoren haben sich der Herausforderung vor einem kritischen und diskussionsfreudigen Publikum gestellt.

2019 war ja nicht nur das Jahr des Klimaprotestes, der Peter-Handke-Schlacht und des literarischen Doppel-Nobelpreises, sondern auch der aufgeregten KI- Berichte. Die Künstliche Intelligenz oder Artificial Intelligence ist in aller Munde. Nach unzähligen Artikeln und Serien in der Süddeutschen Zeitung, der Zeit oder der FAZ zum heißen Thema des Jahres, nach uralten literarischen Würfen wie E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ (1816) und Ian McEwans „Maschinen wie ich“ (2019) war es an der Zeit, das Thema aufzugreifen. (mehr …)