[LiSe 09/26] „Schaust halt“ … oder: Benedikt Feitens 60-seitige „München-Beschimpfung“

Von Katrin Diehl

Alles gar nicht so einfach. Auch das Granteln nicht, vor allem, wenn‘s darum geht, anderen gleichzeitig erklären zu wollen, was es mit diesem Granteln auf sich hat und wie sehr es in der bayerischen Landeshauptstadt zu Hause ist. Und ist es das überhaupt oder gehört auch das zu den überlieferten „Bildern“, die man bewahren möchte, um München, die Münchner*innen irgendwie charakterisieren, packen zu können? „München-Beschimpfung“ heißt das Bändchen, das unsere Stadt abspaziert in echt und im Kopf und gerne auch entlang ihrer neuralgischen Punkte, und das dabei weder Bier noch Fußball noch Brezn noch O-Fest … außen vor lässt. „München-Beschimpfung“ ist ein Stadtporträt, das die Vorstellungen, die als typisch oder urmünchnerisch gelten, sowohl stehen lässt als auch an ihnen rüttelt. (mehr …)

[LiSe 07-08/26] Das ganz große Drama

Die literarische Verwertung des Fußballs hat eine lange Tradition, die über alle Genres hinweg bis zur diesjährigen Weltmeisterschaft reicht.

Von Markus Czeslik

„wenn er beim eckball wie / eine blonde katze aus dem / tor stürmt auf einer welle / der begeisterung durch die / blauen lüfte fliegt …“

So dramatisch klingt die Ode, die Albert Ostermaier dem damaligen Titan im deutschen Tor, Oliver Kahn, aufs Fußball-Trikot schrieb („Flügelwechsel“, Insel 2014). Es ist nicht überliefert, ob der Münchner Autor auch Kahns Nachfolger Manuel Neuer eine Ode singen wird. Aber überliefert ist, dass Fußball und Pathos eine perfekte Symbiose eingehen. Deutschlands Volkssport Nummer 1 gleicht – so der Buchautor und Sportjournalist Christoph Biermann – einer „Schicksalsaufführung“. Dies umso mehr, wenn 48 Nationen um die Weltmeisterkrone kämpfen. Ein Drama aus Schweiß und Tränen, Erlösung und Verzweiflung, bei dem Mythen geboren und Träume beerdigt werden. (mehr …)

[LiSe 05/26] Die Geschichten vom Geschichtenerzähler

Die Internationale Jugendbibliothek lädt zu James Krüss’ 100. Geburtstag.

Von Katrin Diehl

Irgendwann zog es ihn in den Süden und dann wurde er für über 15 Jahre (1949 bis 1966) in München heimisch. Hier machte er seinen Weg, wurde als Schriftsteller groß, holte sich Bewunderung auch vom älteren Kollegen Erich Kästner. Am 31. Mai 2026 wäre der Helgoländer James Krüss 100 Jahre alt geworden, und das gilt es zu feiern in der Stadt, in der er Geschichten wie „Mein Urgroßvater und ich“ (1959) oder „Timm Thaler“ (1962) aufs Papier gebracht, den Bayerischen Rundfunk mit wunderbaren Kinderhörspielen versorgt hat und in der er reimte, dass es die reinste Kinderlust war („Henriette Bimmelbahn“, „Der blaue Autobus“, „Der kleine Doppeldecker“ …). Zu etwas Geld gekommen zog Krüss in den 1960er Jahren von Lochham um ins eigene Haus mit Garten nach Gilching. Nach noch mehr Erfolg und Bekanntheit wurde ihm das auf einmal alles zu viel und er, der Inselmensch, machte sich auf nach Gran Canaria, seinem letzten Zuhause. (mehr …)

[LiSe 04/26] „Dort, wo man Bücher verbrennt …“

Eine im November 2025 erschienene „Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933 – 1945“ legt neue Erkenntnisse zum  Publikationsverhalten während des Dritten Reichs dar.

Von Michael Berwanger

Anfang April 1933 – im direkten Zusammenhang mit der Machtergreifung Hitlers – rief die „Deutsche Studentenschaft“, ein nationalistischer Zusammenschluss der deutschen Hochschulverbände, eine vierwöchige „Aktion wider den undeutschen Geist“ aus. Sie begann am 12. April 1933 mit der Bildung von „Kampfausschüssen“ und endete am 10. Mai desselben Jahres mit spektakulären öffentlichen Bücherverbrennungen in über 30 Universitätsstädten von Berlin über Dresden bis München. Viele Literat*innen wurden verfolgt, bekamen Berufsverbot, mussten fliehen oder begaben sich in die innere Emigration. (mehr …)