[LiSe 06/22] „Heidi in Israel“

Eine Ausstellung im Jüdischen Museum München zur Geschichte des Kinderbuchklassikers in Israel

Von Katrin Diehl

„Heidi“, das Mädchen aus den Bergen, ist ein Phänomen. Es ist die Verkörperung der Schweiz, ist allgegenwärtig wie das Matterhorn (übrigens kein Gipfel aus Heidis Graubündner Bergwelt). Außerdem ist „Heidi“ ein bemerkenswertes Stück Literatur, ein Klassiker, ein Buch der großen Gefühle wie der großen Natur, durchzogen mit religiös überhöhten Momenten, was aber nicht ganz ungewöhnlich ist für einen deutschsprachigen Erfolgsroman des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Geschrieben wurden die beiden Bände „Heidis Lehr- und Wanderjahre“ und „Heidi kann brauchen, was es gelernt hat“ von der Schweizer Autorin Johanna Spyri (1827-1901). Zum ersten Mal erschienen sind sie 1880 und 1881. Bis heute wurde das Buch, das später üblicherweise beide Bände umfasste, an die 60 Millionen Mal verkauft, wurde in über 70 Sprachen übersetzt… unter anderem auch ins Hebräische. (mehr …)

[LiSe 05/22] NEUE SCHULE

Ein Projekt, das junge Menschen von der Kinderlektüre zur Erwachsenenliteratur führen möchte

Von Marie Türcke

Man liest Pippi Langstrumpf und die drei Fragezeichen, aber was liest man eigentlich dann?“ – „Ach verdammt, hätte mir doch jemand Herman Hesse gegeben als ich 15 war!“

Es sind Sätze und Gedanken wie diese, die am Anfang von Leander Steinkopfs Buchprojekt „Neue Schule. Prosa für eine neue Generation“ stehen. Wie kommt ein junger Mensch von der Kinderlektüre zur Erwachsenenliteratur? Und vielleicht noch wichtiger: Wie findet man einen Zugang zur Gegenwartsliteratur? Der Deutschunterricht ist durchgetaktet – Goethe, Schiller, die Romantiker –, hier ist keine Zeit mehr für die, die jetzt schreiben: über das Jetzt. (mehr …)

[LiSe 04/22] Ein Netzwerk aus Kunstschaffenden

Einblicke in die Ausstellung „Beziehungsstatus: Offen.“ im Zeppelin Museum, Friedrichshafen

Von Michael Berwanger

Natürlich könnte man die Berichterstattung über eine Ausstellung zum Thema Literatur und Kunst am Bodensee mit einer prominenten Person beginnen. Wie etwa Erika Mann, die 1926 mit ihrem Kurzzeitgatten Gustav Gründgens zu Flitterwochen im Kurhotel Friedrichshafen abgestiegen war und sich langweilte, wie zu lesen ist. Oder mit Golo Mann, der in Salem ins Internat ging und deutlich mehr von der ländlichen Idylle angetan war. Aber sind nicht Entdeckungen über weniger bekannte Künstler*innen viel reizvoller? Beispielsweise Grete Jehly. Die Vorarlberger Schriftstellerin, die ihre meiste Zeit in München verbracht hatte, lebte zwischen 1906 und 1923 mit ihrem Mann, dem Maler und Karikaturisten Olaf Gulbransson, zeitweise in Bregenz. Dort lernte sie den Maler Rudolf Wacker kennen. Mit diesem wiederum teilte das Ehepaar die Freundschaft zu den Schriftstellern Hermann Hesse und Emanuel von Bodman, die sich ebenfalls am Bodensee – allerdings auf der Schweizer Seite – niedergelassen hatten. (mehr …)

[LiSe 03/22] Zwei in Tuchfühlung: Wenn Literatur zu Musik wird

Der Komponist Wilfried Hiller gibt Einblick

Von Katrin Diehl

Die „Apokalypse“ steht an. Die des Evangelisten Johannes. Johannes befindet sich auf der griechischen Insel Patmos, dort in einer Höhle. Er lauscht, vernimmt durch Spalte in der Wand Worte, Sprache, die Stimme Gottes, die ihm in die Hand diktiert, was sich bis heute im letzten Buch des Neuen Testaments nachlesen lässt, ein wenig freundlicher anmutend auch die „Offenbarung des Johannes“ genannt. Wie sie beginnt, adelt – wer gewillt ist, das so zu verstehen – jedes Stück Literatur. Denn ginge es nach ihr, war „Im Anfang … das Wort.“ (mehr …)

[LiSe 02/22] POP PUNK POLITIK Die 1980er Jahre in München – eine Ausstellung in der Monacensia

Von Stefanie Bürgers

Wenn die Erde schreien könnte wären wir schon alle taub“, krakeelt ein knallgelbes Graffiti auf grauer Ziegelwand im Alabama-Gelände. Es geht um Protest, um Autonomie. Die Ausstellung „Pop Punk Politik“ ist als „fließendes Projekt“ konzipiert. Während ihrer Laufzeit bleibt die Monacensia im Austausch mit Zeitzeugen, um Lücken im Gedächtnis der Stadt zu schließen. Eine Art Feldforschung also. Viele Exponate stammen aus der privaten Hand der jeweiligen Künstler*innen, Fotograf*innen, Kulturschaffenden und präsentieren eine junge, vielfältige Text- und Medienproduktion. Digital ist derzeit bereits „Volume 2“ zu sehen. (mehr …)