[LiSe 01/21] Kolumne: Skandal verpufft

Seni, der Hofastrologe des berüchtigten Feldherrn Markus Söder, wusste es schon längst, oder arbeitet er für Wallenstein, na, egal, dass Mitte Dezember schweres Unheil dräute: Jupiter überholte den weiter entfernten Saturn und beide standen, von der Erde aus betrachtet, in teuflischer Konjunktion! Schon im ahndungsvollen Vorgriff darauf hatte der marsbegnadete Polemiker Maxim Biller in der SZ den steirischen Dorf-Unschuldsengel Lisa Eckart (Berufswunsch: Kabarettistin) mit seiner „sehr blonden HJ-Frisur“ aus allen Wolken gezerrt und die „Hitlerboys“ vom ZDF gleich dazu, das hatte gesessen – mochte mancher meinen.

Zumal die SZ (und das nicht nur in Klammern) ja auch gerade wild um Aufmerksamkeit, Sensationen und Auflage buhlt. Einsparungen müssen sein! Bis Silvester sollten, so hieß es, 50 Redakteure aus der großen Zeitung „sozial verträglich“ ausgebootet werden! (mehr …)

[LiSe 12/20] Kolumne: Wildes Meer

Es müssen Virologen gewesen sein, die in diesem Herbst den Deutschen, Schweizer und Österreichischen Buchpreis entschieden haben, lauter Überraschungen! Aber können wir uns wirklich vorstellen, dass irgendjemand außer Drosten, Streeck, Schmidt-Chanasit oder Kekulé noch irgendetwas von Bedeutung entscheiden könnte? Man kennt sie, die mächtigen Herren und die ihnen gelegentlich beigesellten Damen der virologischen Wissenschaft ja inzwischen so gut, dass man Titel und Geschlechtsbezeichnung längst weglässt. Drosten durfte sogar die sogenannte Marbacher „Schillerrede“ (Geburtstag 10. November) halten! Heinrich Heine (* 13.12.) und Theodor Fontane (* 30.12.) böten sich als die nächsten an. (mehr …)

[LiSe 11/20] Kolumne: Briefe, Klagen, Honorare

Mein Herzensschatzerl! ich schreib Dir schon wieder, weil ichs nicht aushalten kann …“ so der junge Albert Einstein anno 1901 an seine Geliebte, Mileva Marić, nicht ahnend, wie böse es enden sollte. Für Verlage sind die Briefe der Berühmten ein gefundenes Festessen, egal ob sie von Franz Kafka, Ingeborg Bachmann oder Theodor Fontane stammen – solide Auflagen sind garantiert. Im Zeitalter der E-mails könnte diese Quelle aber sehr bald versiegen, was also tun? – Am besten, man sammelt die Post des eigenen Personals! (Andere Verleger expandieren, indem sie attraktiven Damen einen eigenen Verlag schenken – aber das ist eher die Ausnahme.) (mehr …)

[LiSe 10/20] Kolumne: Hoamat!

Schön, dass Sie da sind. Bitte beachten Sie …“ Die neue Begrüßungskultur der Deutschen Bahn auf vielen Plakaten – vorbildlich! Das macht natürlich Schule. Schön, dass Sie das lesen, verehrte Leser, wundervoll! Bitte halten Sie während der Lektüre Abstand zu Ihrem Nachbarn und/oder Mund und Nase bedeckt und niesen Sie nur in den Ellenbogen! Verlieren Sie nicht die Selbstkontrolle, selbst wenn der Inhalt Sie nerven sollte, fahren Sie nicht aus der Haut, vor allem, wenn sie noch vom Urlaub an den bayerischen Seen gebräunt ist!

Werbeslogans können Gesellschaft spiegeln, greifen Trends auf. Etwa der Spruch „Sei frei, verrückt und glücklich!“ auf einer beliebten Tube mit Aroma-Dusch-Lotion – verrät er dem geschulten Privat-Soziologen nicht sofort die Regression des Anspruchs auf Glück, des ur-amerikanischen „Persuit of Happiness“ ins Allerprivateste, die Duschkabine? Und was verrät der Baumarkt-Spruch „Hier werden Sie geholfen“? Ist das Ausländer-Verhöhnung oder spielt das auf die bemerkenswerte Sprachgewalt der Baumarkt-Bastelkunden an, die bekanntlich ihren Jahresurlaub dortselbst verbracht haben? (mehr …)

[LiSe 09/20] Kolumne: Hamlet Bayern

Der „Sidekick“ bezeichnet in Literatur und Theater eine wichtige Nebenfigur, die eng an der Seite des Helden steht, seine Motive und Gedanken kennt und dem Leser oder Hörer nahebringt. Oft muss sie für ihn auch Wichtiges erledigen, und manchmal, nun ja, wird sie für ihn geopfert. Horatio etwa in Shakespeares Drama „Hamlet“ könnte als Sidekick durchgehen – er überlebt allerdings als einer der wenigen das Gemetzel. (mehr …)

[LiSe 07/20] Kolumne: Moosige Träume

Ach, der deutsche Wald – schon länger nichts mehr von ihm gehört – meldet sich kaum noch , der alte Bursche bei uns, der Presse. Dabei haben wir’s immer gut mit ihm gemeint, immer ein offenes Ohr für den alten Knaben. Beschwert sich höchstens mal in Facebook über uns, von wegen zu wenig MuNaSchu-Masken für ihn, der alles still erduldet, auf den alles einprasselt, Schwefel, Feinstaub, Viren – oder: zu wenig Regen, ruft er; dann kurz danach wieder: zu viel Regen! Ja, Menschenskind, Kerl, kann man’s dir gar nicht recht machen? Vorsicht! Nicht anschreien den W. – das mag er nicht, sensibel, wie er ist, Einzelkind! Auch die Dichter, früher, haben ihn jahrhundertelang immer gehätschelt, seiner Eitelkeit geschmeichelt, seine Einsamkeit gerühmt. Stifter, Hesse, Hamsun und Goethe, in allen Wipfeln spürest du … (mehr …)