[LiSe 07/21] Kolumne: Alles testen, bitte!

Die Abiturprüfungen sind längst gelaufen, es gab den üblichen Corona-Ärger. Mathe, wieder viel zu schwer; Rechtsanwalt, sofort nachhaken! Die geplagten Eltern können sich kaum entspannen. Mancher Vater ging vor dem Abi auf 1,5 Meter Abstand zu sich selbst, um sich überhaupt im Spiegel zu erkennen. Dieses ständige Fiebern zwischen Wechsel-, Präsenz- und Distanzunterricht! Jetzt sucht er sich einen schönen Platz an der Isar, Tuch an Tuch, neben einer fremden Blonden, Typ Judith Rakers zum Beispiel, von der Tagesschau. Etwas Ablenkung nach dem Abistress. (mehr …)

[LiSe 06/21] Kolumne: Heißes Leben

Und mit dem Sommer, so heißt es, kommen die Wölfe (und wo der Wolf heult, ist der Luchs nicht weit). Jetzt sogar Bissingen, frommes Schwabenland! Dort wurde er Anfang Mai fotografiert, der Wolf, nur 99 km vor München, Luftlinie. Der Bürgermeister ließ, während man hier noch über den zweiten „Wiesn-Verzicht“ palaverte, die Zäune höher ziehen. Ausgerechnet Bissingen – was für ein Omen! Das kann doch kein Zufall sein. Aber der Wolf kommt, wohin er will. Und wann er will. Die Sommer sind ihm egal, denn der Sommer ist nicht mehr der alte! (mehr …)

[LiSe 05/21] Kolumne: Sorry – nicht heulen!

So eine Entschuldigung aus dem Munde der machtbewussten Kanzlerin wirft den von der Seuche geplagten, schwer genervten Literaturfreak nicht gleich aus der Bahn! Er wartet auf ersten oder zweiten Impftermin und greift, so lesen wir, verstärkt zum Haustier. Allein 17,5 Millionen Katzen umschnurren derzeit die Deutschen: weit mehr, als vor der Pandemie. Dazu kommen 10,7 Mio Hunde und ein Heer von Kaninchen und Meerschweinen – zoologische Fachverbände verbürgen sich für diese Zahlen. Lesen und streicheln – keine schlechte Überlebensstrategie. Es braucht aber auch aktuellen, mythischen Stoff! (mehr …)

[LiSe 04/21] Kolumne: Wandrers NachtApp

Damals auf dem Kickelhahn in Thüringen, vor gut 240 Jahren, wir haben das Jubiläum leider knapp verschlafen, im September 1780, hat die müde Hand des Weimarer Legationsrats, Chef der Bergbau- und Kriegskommission, ein paar unsterbliche Zeilen mit Bleistift ins Holz geritzt, etwa „in allen Wipfeln spürest du“ und „die Vögelein schweigen im Walde“. Ins Holz einer alten Schutzhütte, die später abgebrannt ist, man weiß nicht mehr ganz genau, wie der Originaltext eigentlich hieß. Und das mit dem „Bleistift“ wird einfach auch immer weitererzählt, obwohl es den damals noch gar nicht so gab. Ein Stück Graphit vielleicht, zugespitzt, ja, an dem er sich die Hände schmutzig machte, der Dichter J. W. Goethe, noch ohne „von“, und wer noch dabei war, ist auch nicht sicher. (mehr …)

[LiSe 02/21] Kolumne: Namenscheck

Speranza hieß (zufällig?) der zuständige Gesundheitsminister, als dort, im Land der glühenden Orangen, vor gut 12 Monaten „Corona“ ausbrach und der harte Lockdown beschlossen wurde. Speranza, hier in München, der nördlichsten Stadt Italiens, braucht man das nicht zu übersetzen, klarer Fall.

Aber mit Namen ist das ja so eine Sache. Die Menschheit teilt sich, grob betrachtet, in zwei Hälften. Die „Nomen est Omen“-Hälfte einerseits und andererseits die „Namen ist Schall und Rauch“-Sektion, wobei in düsteren Zeiten wie diesen das Ominöse dominiert! Die Menschen suchen nach „Zeichen“, nach „Be-deutung“ (Stichwort Kontingenz-Intoleranz), sie lechzen nach der magischen Kraft von Namen, wollen sich nicht abspeisen lassen mit trockenen wissenschaftlichen Erklärungen. Man hat genug von Statistiken und Begriffen wie Konfidenzintervall, Reproduktionszahl, Inzidenz! Selbst Autokonzerne vertrauen jetzt den Sternen. „Stellantis“ heißt der gerade neu geschmiedete Konzern aus Fiat, Chrysler, Opel und Peugeot. (Auguren flüstern allerdings schon jetzt, dass ihn der Name vor dem Untergang nicht retten wird.) (mehr …)