[LiSe 03/26] Kolumne: Hauptsache lesen?

Fröhlich radle ich durch die zapfige Morgenluft. Es ist nicht der MVG-Streik, der mich dazu bewegt, sondern die Freude am Fahren und Erleben! Ein kleiner Auszug der Verlockungen: Eisformationen im Sonnenlicht, freigelegte Landschaft in auflösendem Nebel, zugefrorener Isar-Kanal mit Enten und Gänsen, Soundspektakel des übrigen Federviehs. Es ist wie die Beschreibung einer Szene zu Beginn einer Geschichte. Was werde ich heute erleben? (mehr …)

[LiSe 02/26] Kolumne: Der oder das nächste Halt

Wenn sich hochgezogene Schultern mit heruntergezogenen Mundwinkeln irgendwo in der Mitte treffen, dann bedeutet das in der Regel: „Ist halt so“. „Ist halt so“ ist Alltag, gehört als mimische, gestische oder sprachliche Äußerung zum ewigen Hintergrundgeplätscher und -geplapper und hat es doch faustdick hinter den Ohren: Da ist gerade eine Batterie am Leergehen. Da macht sich gerade eine fette Resignation breit. Da hat eine*r jetzt echt keinen Nerv mehr, keinen Bock mehr darauf, Empathie zu zeigen, geschweige denn zu fühlen. (mehr …)

[LiSe 01/26] Kolumne: Verdächtige Zeichen

Haben Sie mal versucht, außerhalb Ihrer vier Wände in Ruhe zu lesen? So zumindest mein Vorsatz für das neue Jahr: mehr lesen, nicht auf dem Smartphone, sondern smarte Bücher – überall, unterwegs, Seite für Seite, alles drumherum vergessen. Dem „wandering mind“ ein Schnippchen schlagen. Denkste! (mehr …)

[LiSe 12/25] Kolumne: Wie alle Jahre

Wenn die Buchpreise verteilt sind, der Deutsche, der Georg-Büchner-, der Nobel-, der Alfred-Döblin-, der Wilhelm Raabe-, der Tukan-, der Bayerische, der Bremer, der Wasweißich-, ist für gute Befüllung unter dem Weihnachtsbaum gesorgt und Oma weiß, was sie ihren Töchtern, Enkeln oder dem Opa zum Christkind schenken soll, denn Weihnachten wird, das wissen wir seit Medias Markt-Werbung, unterm Baum entschieden. (mehr …)

[LiSe 11/25] Kolumne: Ähm …, räusper, räusper …

Es gibt Länder und Städte, da macht in den öffentlichen Verkehrsmitteln ein Piktogramm darauf aufmerksam, dass Manspreading unerwünscht ist.Manspreading beschreibt ein Verhalten, nämlich das von Männern, sich sehr breitbeinig hinzusetzen, den Blick freizugeben auf ihren wunderbaren Schritt. Vielleicht ist das bequem, vielleicht ein Ergebnis von Erziehung, vielleicht der Hinweis auf fehlendes Selbstbewusstsein. Keine Ahnung. Ist ein prima Thema für den Küchentisch, an dem dann jeder so genüsslich wie unterhaltsam sein Wissen zu Social-, Behavioral- oder Gender-Studies auspacken darf. Fakt ist, dass so ein breitbeinig dasitzender  Mann mehr Platz einnimmt als nötig, Platz, der vielleicht anderen fehlt. (mehr …)

[LiSe 10/25] Kolumne: Maß voll

Alexander von Humboldt war ein Forscher und Abenteurer, furchtlos und neugierig. Für seine Zeit ein wahres Genie. Mit Sextant und Quadrant, mit Thermo- und Barometer bewaffnet – und allem, was sich noch an Meterware zum Messen eignete –, wagte er sich in die entlegensten Winkel der Erde, sammelte und zählte aus Leidenschaft. Selbst die Läuse auf dem Kopf der Einheimischen waren nicht sicher vor ihm. Würde er heute noch leben, hätten ChatGPT & Co. ihre helle Freude. Humboldts Messungen würden den größten Datenhunger jeder künstlichen Intelligenz stillen. (mehr …)