[LiSe 10/26] Kolumne: Schreiben für die Freiheit

Die Bundesregierung hat einen Wunschtraum: Sie fantasiert davon, die Nachrichtendienste so auszustatten, dass es möglich ist, rechtsstaatliche Kontrollen auszuschalten. Wohnungen sollen heimlich durchsucht und so manipuliert werden können, dass Betroffene, deren Anwält*innen oder Richter*innen, nie davon erfahren. Kleiner Vorgeschmack gefällig? Kulturstaatsminister Weimer hatte im vergangenen März drei für den Deutschen Buchhandlungspreis vorgeschlagene Buchhandlungen aus der Liste streichen lassen – angeblich wegen Erkenntnissen des Verfassungsschutzes. Wie auch immer der zu dieser Erkenntnis gekommen war – das könnte Schule machen. (mehr …)

[LiSe 09/26] Kolumne: Die schönen Grenzen der Vier-Ohren-Ebene

Verstehen wir uns? Wahrscheinlich eher nicht. Wir reden aneinander vorbei. Vielleicht sind es nicht mehr als drei Millimeter. Drei Millimeter zu weit rechts, zu weit links von unseren Ohren, unseren Hirnen, unseren Herzen entfernt. Knapp daneben eben. Am Ende funktioniert dann ja meistens doch die Verständigung, worüber man mal kurz staunen darf. Die Person, die etwas sagt, ist wahrscheinlich in dem Moment, in dem sie das sagt, das einzige Wesen weit und breit, das zu hundert Prozent versteht, was da gerade aus seinem Mund kommt. „Schönes Wetter heute“, eine Kopfgeburt. (mehr …)

[LiSe 07-08/26] Kolumne: Zehn wackeln froh

Jetzt sieht man sie wieder allerorten. Jetzt kommen sie wieder nach draußen, ans Licht, dürfen zappeln und tief einatmen, sind frei und sockenlos: die Zehen. Wie die sich so – ob lang, kurz, dick, dünn, krumm, gerade, sauber, schmutzig, gut oder schlecht gelaunt, lackiert oder ungeschminkt – nach langer Dunkelheit aus den Sandalen, Flip-Flops oder sonstigen Schlappen nach der Sonne recken, erinnert natürlich an den Gefangenenchor aus Beethovens Fidelio. (mehr …)

[LiSe 06/26] Kolumne: Ein echter Wumms

„ich wär’ so gerne Millionär. Dann wär’ mein Konto niemals leer …“,

… haben schon 1991 Die Prinzen gesungen. Da gab es Günther Jauch noch nicht, der in schöner Regelmäßigkeit Otto Normalwisser dazu einlädt, in seiner Show genau diese Million einzuspielen. Spezielles Allgemeinwissen wäre neben einem kompetenten Telefonjoker und etwas Glück eine notwendige Voraussetzung. Eine andere Option, mit deutlich mehr Wartezeit verbunden, ist der Gewinn des Literaturnobelpreises. Denn die 11 Millionen Schwedischer  Kronen, die das noble Komitee spendiert, entsprechen rund 1 Million Euro. (mehr …)

[LiSe 05/26] Kolumne: Enemies to Lovers

Neulich bekam ich per Post einen gedruckten Mitgliederbrief. Darin die Aufforderung, ich solle doch überlegen, ob ich das Schreiben nicht lieber per E-Mail erhalten möchte, um Ressourcen zu sparen. Ja, natürlich möchte ich sparen helfen. Aber stimmt es überhaupt, dass Digitales einen geringeren CO2-Fußabdruck hat als Gedrucktes? (mehr …)

[LiSe 04/26] Kolumne: Under Cover

Ich muss Sie warnen. Sie können nicht mehr einfach eine Buchhandlung betreten und sich dann links und rechts umschauen (links vielleicht, aber bitte nicht in der extrem linken Ecke), ein Buch mit EC-Karte kaufen (Vorsicht, Datenschutz), und sich mit einem locker-subversiven Spruch verabschieden (z. B. „560 Seiten? Na, dann auf in den Kampf“)! (mehr …)