In den Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend in Kochel versucht Friedrich Ani sich und seine Eltern zu verstehen.
Als Sohn eines syrischen Medizinstudenten und einer schlesischen ‚Vertriebenen‘ wächst er in der gegenseitigen Fremdheit der Eltern auf. Sie sind beide Heimatlose und finden keine gemeinsame Sprache. In der Atmosphäre lebenslangen Schweigens findet er früh seinen Schlupfwinkel in der Literatur.
„Schreiben ist meine Art, in der Welt anwesend zu sein.“
Es ist Friedrich Anis große Meisterschaft, alle Wörter gegen den Strich zu bürsten und noch einmal ganz ungewohnte Kombinationen zu wagen. Das macht seinen Text zu einem unvergleichlichen Lesevergnügen. (NDR Kultur Annette Stoltenberg)
Den Gedichtband Im Zimmer meines Vaters schrieb Ani 12 Jahre nach dem Tod des Vaters. Ein Zyklus aus 19 Gedichten ist dem Vater gewidmet, dem „Sohn des Sandes“ und „Kind Mesopotamiens“. Es ist »ein bemerkenswerter Gedichtband. Aus dem Zusammenspiel von Inhalt, Klang und Rhythmus entwickelt sich Nähe in Versordnung.« (Thorsten Schulte, literaturkritik.de)
Schreibend so nah wie vielleicht nie im Leben erzählt Ani dem Vater auch von der bedrückenden Tagespolitik: „Bürger mit/geborgten Hirnen“ schimpfen über „die Ungewaschnen mit der falschen Haut“. Seine Überzeugung sieht den Vater an seiner Seite: „wir jagen niemand zurück/ zum Tod im Leichenbasar./Welt heißt Asyl./Geburt heißt Asyl.“
