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Datum/Zeit
Datum - 23.07.2022
14:30 - 19:00
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Veranstaltungsort
Stiftung Kunst und Natur (Gut Nantesbuch)

Kategorien


Worte bis zum Horizont

Das Erzählen von Geschichten war einst überlebensnotwendig zur Weitergabe von Wissen und Erfahrungen. Und auch heute sind Erzählungen eine wichtige Quelle für den Zugang zu Geschichte und Kultur. Als Blickfenster in alle Welt stiften sie Identität und Toleranz und erhöhen das gegenseitige Verständnis zwischen Menschen und Kulturen.

Zwei Sommertage für das Wort in der besonderen landschaftlichen Atmosphäre des Gutes Nantesbuch. Literatur, die berührt, ergründet und den Horizont wortreich erweitert.

Sa. 23. Juli
Lieblingsbücher
Buchhandlungen empfehlen – Schauspieler:innen lesen
Drei Buchhandlungen aus der Region wählen ihre ganz persönlichen Favoriten aus der unendlichen Fülle der literarischen Möglichkeiten.
Buchhandlung Rupprecht (Penzberg), Buchhandlung Winzerer (Bad Tölz), Buchhandlung Gattner (Murnau)

14.30 Uhr
Lieblingsbuch der Buchhandlung Rupprecht, Penzberg
Der Schneeleopard von Sylvain Tesson
Gelesen von Martin Feifel

Gemeinsam mit dem Fotografen Vincent Munier reist der Abenteurer und Schriftsteller Sylvain Tesson nach Tibet, auf der Suche nach einem der seltensten Tiere dieser Erde – dem Schneeleoparden. Auf über 5.000 Metern hinterfragt Tesson eine Welt, in der kaum noch Raum bleibt für das Ungebändigte und die Entfaltung der Natur. Der Schneeleopard ist eine meditative Reise in die weiße Stille des Himalayas, eine Erzählung von der Landschaft Tibets, von ihren Bewohnern und von Momenten überwältigender Schönheit. Es stellt die Frage nach dem richtigen Leben und einem angemessenen Umgang mit der Natur.

Martin Feifel leiht der Rauheit der Natur seine ausdrucksstarke Stimme und liest Auszüge aus dem kürzlich verfilmten Buch.

16.00 Uhr
Lieblingsbuch der Buchhandlung Winzerer, Bad Tölz
Geflochtenes Süßgras von Robin Wall Kimmerer
Gelesen von Bibiana Beglau

Am Anfang war ein Sturz: Die Himmelsfrau fällt in die Welt – und wird im Flug aufgefangen von Gänsen, die sie weich absetzen auf dem Panzer einer Schildkröte. Mit diesem Mythos beginnt für die indigenen Völker aus dem Gebiet der Großen Seen in Nordamerika die Schöpfung, ein Prozess voll gegenseitiger Fürsorge. Auch das zu Zöpfen geflochtene und getrocknete Süßgras spielt eine wichtige Rolle in den Ritualen nordamerikanischer Stämme.

Die Biologie-Professorin mit indigenen Wurzeln Robin Wall Kimmerer verwebt in ihrer außergewöhnlichen Essaysammlung indigenes Wissen mit persönlichen Geschichten und Erkenntnissen aus botanischer Forschung. Ein gleichermaßen kluger wie berührender Brückenschlag zwischen Mensch und Umwelt.

17.30 Uhr
Lieblingsbuch der Buchhandlung Gattner, Murnau
Das Dämmern der Welt von Werner Herzog
Gelesen von Heikko Deutschmann

Zwischen Fiktion und Realität schwankend erzählt Werner Herzog die reale und zugleich phantastische Geschichte eines Soldaten, der das Ende des Zweiten Weltkriegs verpasst und sich drei weitere Jahrzehnte durch den philippinischen Dschungel schlägt, um eine bedeutungslose Insel im Pazifik zu verteidigen.
In oftmals traumhaften Beschreibungen, spleenig, aber doch wirklichkeitsnah tastet sich Herzog an das Erlebnis des japanischen Guerillakämpfers Hiroo Onadas heran. Ein glühender und bewegender Tanz vom Sinn und Unsinn unserer Existenz.
Schauspieler Heikko Deutschmann legt die ganze Erfahrung seiner Stimme in diese schrägen Abenteuer.

Lyrikkarussell
An drei exponierten Naturorten um Nantesbuch herum geben zeitgenössische Lyriker:innen Einblick in ihre Auseinandersetzung mit der Welt, der Geschichte und der Landschaft. Jahreszeiten, Klima, Tiere, Gestirne, Nähe und Weite… Gedichte, die sachte aber entschieden über das hinausführen, was wir kennen, damit neue Bilder ahnbar werden, während Wind die Worte bis weit über den Horizont hinausträgt.

14.30, 16.00, 17.00 Uhr
Station 1
Judith Zander: im ländchen sommer im winter zur see
Zwei Orte, zwei Jahreszeiten, zwei Personen in zwei Teilen eines Ereignisses. Mit der ganz eigenen nonchalanten Sprache ihrer Verse löst Judith Zander endlose Gedankengestöber im Kopf aus. Das trockene und das feuchte Element, Hell und Dunkel, Innen und Außen, Belebtes, Unbelebtes, Wiederbelebtes und Nichttotzukriegendes, Sommer und Winter – Die Gedichte aus Judith Zanders aktuellem Band sprühen nur so vor Dichotomien und Isotopien.

15.30, 16.30, 17.45 Uhr
Station 2
Marcus Roloff: Gespräch mit dem Horizont

Marcus Roloffs „Gespräch mit dem Horizont“ setzt haargenaue Beobachtungen mit transzendentalen Überlegungen ins Verhältnis. Immer aufs Neue öffnet er damit ungekannte Räume, wenn nicht gar Horizonte. Dabei leben seine Gedichte von einer ihnen innewohnenden Ambivalenz, Brechungen und Perspektivwechseln: Heiliges trifft auf Profanes, das Dunkle auf das Helle – bis das Ganze wieder in Teile zerfällt oder vom Strand in den Weltraum aufbricht.

15.00, 17.00, 18.30 Uhr
Station 3
Daniela Danz: Wildniß und andere Gedichte

Gedichte voller wilder Experimentierlust, die weit ausgreifen in die Landschaft, in die Welt, in die Geschichte – und doch immer wieder zurückführen in enge Räume, in das Haus, die Wohnung, das innerste Fühlen. Daniela Danz‘ zeitgenössischer Lyrik wohnt eine ganz besondere Dringlichkeit inne, die sie, fern aller schlichten Idylle, besonders in ihren Naturgedichten zeigt.

Konzert
18.30 Uhr
Gregor Praml
Seasonal Prologues
Jahreszeiten-Zyklus mit Kontrabass und Loop Station

Mehrere Kontrabässe zusammen hört man für gewöhnlich nur in einem Orchester. Der Ausnahmebassist Gregor Praml jedoch, beherrscht die Kunst, den Kontrabass zum Solisten zu machen, der sich selbst begleitet und mit einer besonderen Mehrstimmigkeit umspielt. Sein Bass grooved, er singt und baut ganze Klanglandschaften, die schier endlos zu sein scheinen. Dabei wird Praml mal zum zupfenden Jazzbassisten und mal zum klassischen Streicher mit Bogen. Jeder Klang ist gezielt eingesetzt, um Melodiebögen und rhythmische Akzente zu setzen. Eine Loopstation ermöglicht deren raffinierte Vervielfältigung zum großen Klangbild.

Während der Pandemiezeit schuf Gregor Praml vier Jahreszeitenprologe als Einzelkompositionen, die sich jetzt hier zu einem Zyklus zusammenfinden.

Musikalische Nachmittags-Begleitung: Duo Torres und Monaco Swing

Infos und Tickets: nantesbuch.de/literaturfest