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Datum/Zeit
Datum - 09.10.2019
19:00 - 21:00

Veranstaltungsort
Lyrik Kabinett

Kategorien


Mit Zsuzsanna Gahse (Schweiz), Luciole (Frankreich), Milo de Angelis (Italien), Carolin Callies (Deutschland)

Moderation: Antonio Pellegrino

Eine Kooperation von Institut Français, Istituto Italiano di Cultura und dem Generalkonsulat der Schweiz und Lyrik Kabinett. Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der LH München und der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.
Für den Empfang am Ende des Abends danken wir Feinkost Farnetani.

International beginnt die Herbstsaison im Lyrik Kabinett – mit dem Nachsommer der Dichter. Aus der Schweiz kommt dafür Zsuzsanna Gahse (geboren 1946 in Budapest, heute wohnhaft in Müllheim); ihre quecksilbrig ‚instabilen Texte‘ flirren auf anregendste Weise zwischen Essayistik, Erzählung, lyrischer Verdichtung, Gedankenspiel, soziologischer Reflexion und Sprachwitz – und sie wurde dafür auch bereits vielfach ausgezeichnet, etwa 2019 mit dem Schweizer Grand Prix Literatur. In seinem Zyklus „Grabenkrieg“ aus dem Band Incontri e agguati / Begegnungen und Anschläge (2015) entfaltet Milo de Angelis (geboren 1951) eine intime und bestürzend eindringliche Auseinandersetzung mit dem Tod. An den Texten der Autorin und Komponistin Luciole (geboren 1986), Siegerin französischer Slam-Meisterschaften 2005 und 2006, rühmt die Kritik Kraft und Zärtlichkeit, rebellisches Aufbegehren und Bezauberung; Luciole wirkt seit über einem Jahrzehnt als eine der zentralen innovativen Stimmen des französischsprachigen Chansons. Carolin Callies (geboren 1980 in Mannheim) wird ihrerseits schon seit Jahren von der Kritik gefeiert; ihr 2019 erschienener zweiter Gedichtband schatullen & bredouillen besticht – so u.a. die NZZ – durch radikale Ehrlichkeit verbunden mit schillernder Vielschichtigkeit. Moderiert wird der Nachsommer wieder von Antonio Pellegrino (BR).


hundertzehn gründe, die grabteile neu zu sortieren

weil ich dein gesicht geliehen habe
& weil‘s den seuf so gar nicht gibt

& weil du heut sinister bist
& lichter irrst & heute sinken wir,

der blum sei dank & weil ich dich letze
& weil ich die beute deines schreckenkrauts bin

& weil das ragen deines kleinen kopfes
aus der erde so andauernd & müpfig ist.

Carolin Callies, aus: schatullen & bredouillen. Gedichte. Schöffling & Co. 2029, S. 75