[LiSe 04/26] „Dort, wo man Bücher verbrennt …“

Eine im November 2025 erschienene „Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933 – 1945“ legt neue Erkenntnisse zum  Publikationsverhalten während des Dritten Reichs dar.

Von Michael Berwanger

Anfang April 1933 – im direkten Zusammenhang mit der Machtergreifung Hitlers – rief die „Deutsche Studentenschaft“, ein nationalistischer Zusammenschluss der deutschen Hochschulverbände, eine vierwöchige „Aktion wider den undeutschen Geist“ aus. Sie begann am 12. April 1933 mit der Bildung von „Kampfausschüssen“ und endete am 10. Mai desselben Jahres mit spektakulären öffentlichen Bücherverbrennungen in über 30 Universitätsstädten von Berlin über Dresden bis München. Viele Literat*innen wurden verfolgt, bekamen Berufsverbot, mussten fliehen oder begaben sich in die innere Emigration. (mehr …)

[LiSe 04/26] Kolumne: Under Cover

Ich muss Sie warnen. Sie können nicht mehr einfach eine Buchhandlung betreten und sich dann links und rechts umschauen (links vielleicht, aber bitte nicht in der extrem linken Ecke), ein Buch mit EC-Karte kaufen (Vorsicht, Datenschutz), und sich mit einem locker-subversiven Spruch verabschieden (z. B. „560 Seiten? Na, dann auf in den Kampf“)! (mehr …)

[LiSe 04/26] Lyrische Kostprobe: Die Trinität der Zeilen

Harald Albrecht, geboren 1955, schreibt seine Lyrik „im Bewusstsein, dass vor allem die Sprache unsere Wahrnehmung beeinflusst, wenn nicht gar formt“, so der Essayist Jürgen Brôcan. Die Sprache der Gedichte und deren strenge Form sollen Ordnung schaffen in einer unübersichtlichen, sich in dauerndem Wandel befindlichen Welt – nicht von ungefähr wird die „Kunst der Fuge“ aufgegriffen. Inhaltlich spannt die Lyrik Albrechts dabei einen weiten Bogen, der Kulturen und Religionen verbindet – von Oberammergau bis zur Rose von Jericho. Der Unternehmer, Verleger und Lyriker Harald Albrecht lebt mit seiner Familie in München. (mehr …)

[LiSe 04/26] „Was liest du denn da?“ (Folge 3) Pelz heißt „Kürk“

Von Katrin Diehl

Eine junge Frau sitzt in der S-Bahn, den Kopf leicht gegen die Scheibe gelehnt. Es geht Richtung Ostbahnhof. Die junge Frau liest, ist versunken in dieser anderen Welt. Nicht ganz. Nicht ihr ganzer Körper jedenfalls. Die Beine wissen, was zu tun ist. An der nächsten Haltestelle steigt die junge Frau aus, die Augen fest fixiert an den Textzeilen. Das Buch liegt in der offenen Hand, der Daumen wendet die Seite, links oben geht es weiter. Dann ist die junge Frau verschwunden. (mehr …)

[LiSe 04/26] Literaturfest München: Der Begriff der Freiheit

Das Literaturhaus München und die Münchner Volkshochschule (MVHS) veranstalten zusammen mit dem städtischen Kulturreferat vom 21. bis zum 30. April das Literaturfest München. Das von der Autorin Dana Grigorcea kuratierte Programm legt den Fokus auf eine facettenreiche Auseinandersetzung mit dem Begriff der Freiheit. Ob als politische Errungenschaft, individuelle Wahl oder Voraussetzung des künstlerischen Schaffens: Bei Lesungen, Diskussionen, Workshops und Konzerten werden Freiheiten im Erzählen, in der Kunst und Musik gefeiert. (mehr …)

[LiSe 04/26] Kurzgeschichte: Fünf Geschichten

Von Marc Richter

Er klappte das Buch zu und starrte ins Leere. Er öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Lotti, wollte er rufen. Lotti Liebling. Aber sie war so tot wie seit drei Jahren. So tot wie Frodo, der gerade in die Feuer des Orodruin gestürzt war. Er klappte das Buch wieder auf und fuhr mit dem Finger die Zeilen nach. Kein Zweifel. Sam weinte um Frodo, Gollum floh mit dem Ring. Nein … Er hatte das Buch zuletzt gelesen, als er ein junger Mann war. Falsch, falsch, falsch! (mehr …)

[LiSe 04/26] Italienische Literatur: ILfest

Vom 24. bis 26. April 2026 findet das Italienische Literaturfestival in Neuhausen statt.

ILfest ist das Italienische Literaturfestival in München. ILfest lädt alle ein, die die Lust am Treffen und Diskutieren mit italienischen Autoren teilen – unabhängig ob auf Italienisch oder auf Deutsch. (mehr …)

[LiSe 04/26] Rezension: Immer dazwischen

Safia Al Bagdadi schreibt über eine Familie ohne soziale und kulturelle Sicherheiten

Von Ursula Sautmann

Layla, die Protagonistin in „Unser Haus mit Rutsche“ von Safia Al Bagdadi, ist pleite und einsam. Sie leidet an einem Händewaschzwang. Sie hat ihre Eltern verloren, ohne dass diese gestorben wären. Und sie sehnt sich nach einer harmonischen Familie. (mehr …)