[LiSe 11/26] Autor*innen leben lassen

Eine „werk[statt]“ – lesen und reden über soziale wie finanzielle Nöte

Von Katrin Diehl

„Scham ist auch etwas Schönes.“ Der Satz schillert. So stehen lassen möchte man ihn nicht.

Die Autor*innen Sebastian Schmidt und Christina Madenach haben gerade aus ihren Texten gelesen, Schmidt aus seiner 2025 erschienenen Near-Future „Powerschaum“, Madenach aus ihrem noch unveröffentlichten Roman „Unbehagen“ (Arbeitstitel), und jetzt kommt man miteinander ins Gespräch. Es geht um Klassismus, um gesellschaftlichen Druck und auch darum, wie das ist, wenn man schreibt, Familie hat, finanziell über die Runden kommen muss. (mehr …)

[LiSe 11/26] Kolumne: Ich heiße

Eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schreiben. Aber dann war eine große Tageszeitung schneller und Nachschieben schmeckt lau. Tja, Dinge liegen in der Luft, werden eingesogen, und wer zuerst ausspuckt, hat gewonnen. Wenn Sie also mehr erfahren wollen, über das augenfällige Phänomen, dass es Bücher, dass es Literatur in die Etagen der Modebranche geschafft haben, dann googeln Sie das mal. In der Zwischenzeit denke ich darüber nach, ob ich mir eines von diesen süßen Täschchen von Dior kaufe. (mehr …)

[LiSe 11/26] 8. Schamrock-Festival – Lyrik von Frauen für Menschen

Es ist wieder so weit: Vom 13. bis zum 15. November versammeln sich in München mehr als 50 Lyrikerinnen aus 20 Ländern, um auf Einladung von Augusta und Kalle Laar der Poesie die Bühne zu überlassen. Das 8. Schamrock-Festival der Dichterinnen nimmt das Motto des 7. Festivals 2024 auf: „Conference of the Birds II“, als wäre immer noch nicht genug gewarnt vor dem Krieg. Denn Vögel, so hatte es die ukrainische Dichterin Iryna Tsilyk bereits 2018 angemerkt (der Schwerpunkt des Festivals war damals die Ukraine ), wissen schon um die Katastrophe, bevor sie offensichtlich wird. Dichterinnen auch. Und die Gefahr ist nicht vorbei. (mehr …)

[LiSe 11/26] Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für November diese Neuerscheinungen:

Lauren Groff: Raufbold
Claassen

Die Energien des menschlichen Herzens durchdringen jeden Satz in Lauren Groffs neuen Erzählungen. Für sich genommen ist jede von ihnen ein Triumph – kühn und vor Kraft strotzend. Doch sie alle kreisen um ein Thema: die Auseinandersetzungen zwischen den hellen und den dunklen Seiten in uns allen. Sei es die jähzornige Highschool-Schwimmerin, der die Bezugsfigur fehlt. Die Mutter, die ihre Familie verliert und der Welt abhandenkommt. Oder der Spross einer Bankiersdynastie, dem ein spezielles Erbe zuteilwird: Sie alle versuchen, das Richtige zu tun – und sie alle drohen zu fallen. (mehr …)

[LiSe 11/26] Rezension: Vom Schweigen in der Familie

Von Ursula Sautmann

Fritzi und ihr Vater sind auf einem Zeltplatz in Italien. Es ist Mittag, hell und heiß. Die beiden bauen das Zelt ab und räumen den Platz. Vom ersten Satz an spüren Leserinnen und Leser, dass irgendetwas nicht stimmt. Es dauert ein paar Seiten, bis klar ist: Die Familie gibt es nur noch zur Hälfte, Mutter und Bruder Kornelius sind verschwunden. Der Vater schweigt, Fritzi versucht, sich einen Reim darauf zu machen. Da kommt die Meldung in der Tagesschau von der Entführung einer Lufthansa-Maschine nach Mogadischu gerade recht. Könnte es nicht sein, dass Mutter und Bruder in der Maschine sitzen? (mehr …)