Blutenburger Sommerbühne vom 12. Juli bis 6. September 2020

Die Stiftung Internationale Jugendbibliothek bietet im Innenhof von Schloss Blutenburg ein großes Open-Air-Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an

Nachdem die Bayerische Staatsregierung Ende Mai in Aussicht gestellt hat, dass ab Mitte Juni Veranstaltungen im Freien bis zu 100 bzw. mittlerweile bis zu 200 Personen erlaubt sind, hat sich die Internationale Jugendbibliothek kurzfristig entschlossen, die ‚Blutenburger Sommerbühne‘ ins Leben zu rufen.

Sie hat für dieses neu konzipierte Open-Air-Format Lesungen und Kindertheateraufführungen organisiert und mehrere Mitveranstalter für ein abwechslungsreiches Konzertprogramm am Abend gewonnen. Mit dem Ziel, in den kommenden Sommerwochen vor allem Kindern und Familien, die in den letzten Monaten ganz besonders von den Einschränkungen betroffen waren, ein attraktives Literatur- und Kulturprogramm anbieten zu können. Entstanden ist ein Programm mit über 70 Veranstaltungen: (mehr …)

Elke Erb erhält den Georg-Büchner-Preis 2020

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Georg-Büchner-Preis 2020 an die Schriftstellerin Elke Erb. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird am 31. Oktober 2020 in Darmstadt verliehen.

Begründung der Jury:
»Mit Elke Erb ehrt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ein unverwechselbares und eigenständiges schriftstellerisches Lebenswerk, dessen Anfänge 1975 in der DDR lagen und das sich nach deren Ende unbeirrt bis in die Gegenwart fortsetzt. Elke Erbs poetischer Sachverstand, der sich auch in ihrer reichen übersetzerischen Arbeit zeigt, beeinflusste mehrere Generationen von Dichterinnen und Dichtern in Ost und West. Ihre Gedichte zeichnen sich durch eine prozessuale und erforschende Schreibweise aus, in deren Verlauf die Sprache zugleich Gegenstand und Mittel der Untersuchung ist. Elke Erb gelingt es wie keiner anderen, die Freiheit und Wendigkeit der Gedanken in der Sprache zu verwirklichen, indem sie sie herausfordert, auslockert, präzisiert, ja korrigiert. Für die unverdrossene Aufklärerin ist Poesie eine politische und höchst lebendige Erkenntnisform.« (mehr …)

Ausschreibung „Writers Residency im Ebenböckhaus“

Bewerben können sich ab sofort professionelle Künstlerinnen und Künstler, deren Praxis auf Schreiben basiert, Autorinnen und Autoren sowie Kritikerinnen und Kritiker mit Wohnsitz außerhalb Bayerns. Sie richtet sich an Menschen jeder Nationalität und jeden Alters. Aufgrund der gegenwärtigen Situation ist die Writers Residency auf Bewerberinnen und Bewerber mit Wohnsitz in Europa begrenzt.

Zeitraum: 1. September bis 29. Oktober 2020
Bewerbungsfrist: Sonntag, 19. Juli 2020

Zur Ausschreibung …

[LiSe 07/20] „Democracy will win!“

Thomas Mann und die Politik – eine Ausstellung zur aktuellen Demokratie-Debatte im Münchner Literaturhaus.

Von Katrina Behrend Lesch

1938 konstatierte Thomas Mann, „(d)ass Demokratie heute kein gesichertes Gut, dass sie angefeindet, von innen und außen schwer bedroht, dass sie wieder zum Problem geworden ist.“ Heute haben seine Worte bestürzende Realität gewonnen, nach 75 Jahren Frieden und Freiheit, in einer Gesellschaft, in der Kräfte erneut an unseren demokratischen Grundwerten rütteln wollen. Diese Debatte um die Demokratie der Gegenwart hat das Literaturhaus aufgegriffen und sie am Beispiel Thomas Manns und seiner durchaus verschlungenen Entwicklung zu einem politischen Menschen in einer trefflichen Ausstellung veranschaulicht. Die Idee dazu kam der Leiterin Tanja Graf nach der Lektüre des jüngsten Werks „Das Weiße Haus des Exils“ von Frido Mann. Der heute in München lebende Enkel Thomas Manns erinnert sich darin an das kalifornische Haus seines Großvaters, das von der Bundesrepublik gekauft und 2018 als transatlantische Begegnungsstätte eröffnet wurde. In dem Buch (übrigens auch in einem Film, der in der Ausstellung gezeigt wird) wandert Frido Mann von Zimmer zu Zimmer, beschreibt die Zeit, die er dort als Kind verbracht hat, und verschränkt seine Erinnerungen mit den damaligen Ereignissen und den Reaktionen seiner Familie darauf, sie gleichzeitig in Beziehung zur heutigen Demokratie-Debatte setzend. (mehr …)

[LiSe 07/20] Kolumne: Moosige Träume

Ach, der deutsche Wald – schon länger nichts mehr von ihm gehört – meldet sich kaum noch , der alte Bursche bei uns, der Presse. Dabei haben wir’s immer gut mit ihm gemeint, immer ein offenes Ohr für den alten Knaben. Beschwert sich höchstens mal in Facebook über uns, von wegen zu wenig MuNaSchu-Masken für ihn, der alles still erduldet, auf den alles einprasselt, Schwefel, Feinstaub, Viren – oder: zu wenig Regen, ruft er; dann kurz danach wieder: zu viel Regen! Ja, Menschenskind, Kerl, kann man’s dir gar nicht recht machen? Vorsicht! Nicht anschreien den W. – das mag er nicht, sensibel, wie er ist, Einzelkind! Auch die Dichter, früher, haben ihn jahrhundertelang immer gehätschelt, seiner Eitelkeit geschmeichelt, seine Einsamkeit gerühmt. Stifter, Hesse, Hamsun und Goethe, in allen Wipfeln spürest du … (mehr …)

[LiSe 07/20] Literarische Archive: „Mann was ist das Schreiben doch für eine Macht.“

Bedingt durch die Corona-Pandemie war der Artikel zu Karin Struck im April nur im Internet erschienen. Wir bringen ihn hier noch einmal in gedruckter Form.

Von Ursula Sautmann

Sehnsucht, Ehrfurcht, Demut, Selbstüberforderung: In diesem kleinen Satz „Mann was ist das Schreiben doch für eine Macht“, entnommen dem Roman „Klassenliebe“, steckt viel von Karin Struck und ihrem hohen Anspruch an die Literatur. Dabei geht es ihr um die Macht, die Dichter und Schriftsteller auf sie ausüben, wie auch um die Macht, die sie selber mit dem Schreiben ausüben möchte. In vielen ihrer Werke bezieht sie sich auf andere Dichter, so in „Klassenliebe“ auf Goethe’s Werther, in „Die Mutter“ auf Brecht, Gorkij und Pearl S. Buck, in „Männertreu“ auf Moravia und Gabriele Wohmann. Sie, die nicht mit Büchern aufwächst, verschlingt Literatur, sieht sich im Dialog mit Dichtern und Schriftstellern, möchte aber mehr – nämlich Menschen aus bildungsfernen Lebenswelten in ihren Werken eine Stimme geben. „Ich muss meine Kraft des Schreibens finden, meine Wortgewalt des Schreibens“, formuliert sie in einem ihrer Essays mit dem Titel „An die Frauen“. (mehr …)

[LiSe 07/20] Kurzgeschichte: Die Piloten

Von Paul Holzreiter

Der Himmel ist blau, die Piloten, schick in ihren orangefarbenen Overalls, Deutsche Luftwaffe, die Flieger mögen es, wenn der Himmel blau ist. Wir haben sie heraufgefahren, Hotel Lalibela, Café Lalibela, Kaffee und Kuchen in unserem schicken weißen Zelt „Café Lalibela“, Geräuschkulisse wie Freibad. Der Tisch und die Bänke sind schon mal in einem bayerischen Biergarten gestanden. Ja, sagen die schicken deutschen Piloten in den orangefarbenen Overalls und geben uns recht, klingt tatsächlich wie Freibad, aber sie haben nicht viel Zeit. Piloten haben nie viel Zeit. Wir werden sie wieder hinunterfahren zu ihrem Flugzeug, fünf Mann, eine Transall der Deutschen Luftwaffe. Ein solches Flugzeug, sagen sie uns, sei nichts, was man einfach herumstehen ließe. Aber sie wollten es mal sehen, unser Hotel Lalibela. (mehr …)

[LiSe 07/20] Literatur-Theater-Projekt: Literatur einmal anders: „Kopfkino“

Geschriebenes wird im Kopf zum Film 

Von Stefanie Bürgers

Ein schnarrendes, schlagendes Geräusch, ein Tonband oder Film rollt auf einer Spule und es geht los mit Henriette Fridoline Schmidt. Auf „poetischen Hörwegen … eine Wanderung durch Kopf und Stadt“ erleben, so fordert sie auf mit verheißungsvoller Stimme. Und schon folgt man ihr.

Im Folgenden drei Kostproben:

#1 In den Gedankensog einer Passantin auf Münchens Prachtstraßen gerät man in der ersten Folge „Sonst Ruhe vor blauem Himmel“. Woher die „Leichen in den Kellern“ entlang der breiten, klassizistischen Ludwigstraße und der pappelgesäumten, konsumorientierten Leopoldstraße? Unerwartetes lässt stolpern, verharren, neu ansetzen, um zu begreifen. Das Ohr hört, was das geistige Auge noch nicht recht fassen kann. Die Wahrnehmung setzt wiederholt neu an und konjugiert sich vorsichtig tastend, über verschiedene Zeiten hinweg, um all den Gedanken, auch dem Gedenken, gerecht zu werden. Und immer allgegenwärtig: das Atmen der großen Stadt, mit hallenden Schritten, Stimmen, Lärm aus Straßencafés und von Motoren. Katrin Diehl, Theatertexterin und Journalistin, lässt Wahr-zeichen der Münchner Stadtansicht Wahr-heiten begegnen, die sich der Flaneurin / dem Flaneur nicht ohne weiteres en passant erschließen. (mehr …)