[LiSe 06/20] Gratulation: Bilderbücher voller Leben

Wilfried Blecher, Illustrator und Preisträger des Deutschen Kinder- und Jugend-Literaturpreises, zum 90. Geburtstag

Von Katrin Diehl

Als im September 1949 die Internationale Jugendbibliothek in der Kaulbachstraße ein Zuhause gefunden hatte, da gab es für die Kinder kein Halten mehr. Sie stürmten die vom Krieg ein wenig ramponierte Villa, und was sie dort erwartete, war weitaus mehr als bloßes Lesefutter. Denn Jella Lepman, 1936 vor den Nazis von Deutschland nach England geflohen und von den Amerikanern als Leiterin der Bibliothek eingesetzt, dachte größer. Die von Sorge und Angst geprägten Kinder durften musizieren, durften unter der Anleitung von Erich Kästner Theater spielen, konnten sich in Sachen Demokratie üben, Gästen wie Erika Mann, Thornton Wilder oder Carl Zuckmayer lauschen oder sich ans Malen machen. Dafür standen im verwunschenen Garten, der bis an die Rückseite der Staatsbibliothek heran reichte, Staffeleien bereit. Einer der „Mallehrer“, die den Kindern mit Rat und Tat zur Seite standen, war Wilfried Blecher.

Wilfried Blecher lebt heute in einem Münchner Seniorenheim, und wenn man ihn anruft und fragt, wie es ihm in diesen seltsamen Zeiten so gehe, antwortet er sachlich bis heiter, „den Umständen entsprechend gut“. Sein 90. Geburtstag, den er in großer, schöner Runde Anfang Mai hatte feiern wollen, fand stark reduziert und den „Umständen entsprechend“ statt, und „wie gut, dass es das Telefon gibt“, an dem sich vom Heute und Gestern reden lässt. (mehr …)

[LiSe 06/20] Ausstellung: Von der Isar nach Jerusalem

Zeichnungen der Künstlerin Gabriella Rosenthal

Von Katrin Diehl

Das ist ein Bild: Im Innern des Stadtpalais, Brienner Straße 47, sitzt im ehrwürdigen „Rosenthal-Antiquariat“ zwischen hohen, dunklen Regalen ein junges Mädchen. Es ist vertieft, blättert in den alten Büchern, liest, sieht sich Abbildungen an. Sein Name ist Gabriella. Gabriella Rosenthal, Enkelin des Antiquariats-Besitzers Jacques Rosenthal, dessen Namen während der Weimarer Zeit für den Münchner Antiquariatshandel steht.

Manchmal hilft Gabriella dem Großvater bei dessen Arbeit, liest sich durch Literaturwelten, lernt über die Bücher Sprachen und Illustrationen kennen. Auch ihr Vater, Erwin, machte auf Antiquariate, eröffnet eine Filiale in Berlin, eine in Lugano … Gabriellas Mutter Margherita ist die Tochter des Florentiner Antiquars Leo Olschki … (mehr …)

Wiggerl Greiner: Ein Meister des Münchner Humors

Ausstellung im Innenhof des Isartors vom 27. Mai bis 13. November 2020
Ludwig Greiner war der beste Freund von Karl Valentin, sein Grafiker, sein Bühnenbildner und sein Theatermaler. Zu fast allen Szenen Valentins schuf er Plakate und Zeichnungen. Greiners Humor war höchst inspirierend. Zu allen Ideen Valentins hatte er die passenden Einfälle. Ein Leben lang befruchteten sich die beiden gegenseitig.
Wiggerl Greiners große Leidenschaft war das Zeichnen und die Musik. Er arbeitete als Gastwirt, Illustrator für Zeitschriften und Werbeanzeigen, Kulissenmaler und Ausstatter für Theater und Film, gestaltete Gaststätten und entwarf und baute Faschingswägen. Daneben trat er als Unterhaltungsmusiker auf und komponierte und textete eigene Lieder. Greiners Wesen war geprägt durch einen unverwüstlicher Humor. Er verstand es allen Lebenslagen, waren sie noch so schwierig, eine komische Seite abzugewinnen.

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Stiftung Lyrik Kabinett übernimmt die Lyrik-Bibliothek aus dem Nachlass von Christoph Meckel

Der im Januar verstorbene Dichter und Graphiker Christoph Meckel (1935-2020) war dem Lyrik Kabinett und seiner Gründerin Ursula Haeusgen durch eine jahrzehntelange Freundschaft verbunden. 1990 las er zum ersten Mal im Lyrik Kabinett, 2017 zum letzten Mal. In Kooperation mit dem Carl Hanser Verlag ehrte die Stiftung den Dichter aus Anlass seines 80. Geburtstags (2015) mit einer Ausgabe seiner gesammelten Gedichte und mit einer Festlesung.

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Monacensia ist ab sofort wieder geöffnet

Nach vielen Wochen Schließung öffnet die Monacensia im Hildebrandhaus am Montag, 18. Mai, wieder ihre Türen. Literaturarchiv, Bibliothek, Dauer- und Sonderausstellungen sind – unter Einhaltung der erforderlichen Abstands- und Hygienemaßnahmen – wieder für alle Besucherinnen und Besucher zu den gewohnten Öffnungszeiten zugänglich. (mehr …)

Von der Isar nach Jerusalem – Gabriella Rosenthal (1913—1975) – Zeichnungen

Inspiriert von dem französischen Illustrator Honoré Daumier, von Wilhelm Busch und auch Walter Trier zeugen Gabriella Rosenthals Werke von einem alltagsnahen, heiteren und liebevollen Blick auf das spannungsreiche und vielfältige Leben in Jerusalem zwischen 1935 und 1955. Gleichzeitig verweist sie mit feinsinnigem Humor auf ihre bayerische Vergangenheit. Sie zeichnete Vertreterinnen und Vertreter aller Augenzwinkern beleuchten ihre Skizzen den Alltag ihres Umfelds, ohne dabei gesellschaftspolitische Probleme auszusparen oder zu beschönigen. (mehr …)