[LiSe 05/21] Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat Mai diese Neuerscheinungen:

Julia Deck: Privateigentum
Verlag Klaus Wagenbach

Weil die Balkonpflanzen zu wenig Platz haben, beschließen Charles und Eva eine neue Immobilie zu erwerben in einem ökologischen Neubauviertel in einem Vorort von Paris mit Solarzellen, Biogasanlage, Gemeinschaftskompost und buchsbaum-umgrenztem Garten. (mehr …)

[LiSe 05/21] Jetzt auch in Hardcover

Das „Literaturportal Bayern“ bietet eine Tour d’Horizon der Bayerischen Literatur. Dieses Mal ganz „analog“.

Von Katrin Diehl

So herum geht es natürlich auch: dass Texte einer digitalen Plattform in einem Buch zusammenfinden. Gefühlt werden sie dadurch sichtbarer, erreichen vielleicht noch einmal ein anderes Publikum. Jedenfalls fährt man auf diese Art und Weise zweigleisig. Veränderungen müssen dabei – von einem zum anderen Medium – in irgendeiner Form vorgenommen werden. Denn selbstverständlich stehen hinter einem Buch eigene Gesetzmäßigkeiten, bestimmt durch die spezifischen Lesegewohnheiten der Rezipienten. Und dann gibt es da auch noch den Kostenfaktor. Eine Textauswahl muss also getroffen werden (weil: digital ist ja sozusagen endlos Platz), Textlängen müssen bestimmt, an einem Layout darf gebastelt werden. Der Band „Das Blaue vom Himmel“ macht was her. (mehr …)

[LiSe 05/21] Reformpädagoge und Retter

Das abenteuerliche Leben des Ernst Papanek

Von Katrina Behrend Lesch

Auf Wiedersehen, Kinder“, sagt Pater Jean zu seinen Schülern, als er von der Gestapo abgeführt wird. Eine Schlüsselszene aus Louis Malles Film von 1987, in dem der Regisseur seine Kindheitserlebnisse in einem französischen Internat während der deutschen Besatzung verarbeitet. Das jähe und schmerzvolle Ende, das seine Freundschaft mit einem jüdischen Jungen durch dessen Abtransport fand, beschäftigte ihn sein Leben lang. Bewusst hat Lilly Maier diese Worte als Titel für ihre Biografie über Ernst Papanek gewählt, denn auch er musste immer wieder Abschied von „seinen“ Kindern nehmen, zuerst in Wien, dann in Frankreich und auch in Amerika, blieb ihm das nicht erspart. Wer war dieser Mann, den die Autorin eine völlig zu Unrecht vergessene „Ikone der österreichischen, ja der internationalen Pädagogik“ nennt? (mehr …)

[LiSe 04/21] Rezension: „Euphancholisches“ Erwachsenwerden

Benedict Wells’ Coming-of-Age-Roman „Hard Land“

Von Slávka Rude-Porubská

Altwerden ist nichts für Feiglinge – und Erwachsenwerden erst recht nicht. Daher hat es der 15-jährige Sam Turner aus Grady im US-Bundesstaat Missouri denkbar schwer: Der Ich-Erzähler im neuen Roman des aus München stammenden Autors Benedict Wells hält sich selbst für einen „unreifen Schisser“, einen Feigling und Loser. Wells gewinnt der fast stereotypen Figur des nerdigen Außenseiters, der in der Schulcafeteria stets allein am Tisch sitzt, überzeugende Konturen ab und schenkt ihm einen unvergesslichen Sommer, über den Sam im Rückblick resümiert: „Ich fühlte mich so, wie ich mich schon mein ganzes Leben fühlen wollte: übermütig und wach und mittendrin und unsterblich.“ (mehr …)

[LiSe 04/21] Rezension: Vom allgemeinen Durchlavieren

Anatol Regnier betrachtet sie einzeln, die „Schriftsteller im Nationalsozialismus“

Von Katrin Diehl

So geht Literaturgeschichte. Um ein Gespür dafür zu bekommen, was so alles passiert ist in diesen „1000 Jahren“, zoomt da einer heran, bis einzelne Menschen erkennbar werden in ihrem angestrengten, eifrigen, übereifrigen, verzweifelten, beizeiten auch mühelosen Unterfangen, für sich einen Weg zu finden durch die irgendwie neue Zeit, die da ausgebrochen ist, und die nichts anderes war als eine durch und durch verbrecherische Diktatur. Nicht, dass es da nicht schon einiges gäbe über das nationalsozialistische Deutschland und seine Schriftsteller und Schriftstellerinnen. (mehr …)

[LiSe 03/21] Rezension: Circus Krone – Glanz und Glamour und Zeitgeschichte

Von Ursula Sautmann

Tiere, Artisten und Clowns, das sind die drei Säulen, auf denen Circus Krone, ein Unternehmen der Unterhaltungsbranche, seit Jahrzehnten ruht. Es beginnt um 1850 mit Guckkastenbildern in einer Schaubude, Schießbude und Zauberkunststücken bei den Vorfahren der Familie Krone, Carl Krone sen. und Friederike Philadelphia aus Pennsylvania. Auch der folgenden „Afrikanischen Negerschau“ ist wenig Erfolg beschieden, man baut eine Wandermenagerie auf mit zwei Bären und zwei Wölfen.  Neue Tiere kommen hinzu, Hyäne, Affen, Lama und ein blinder Löwe, und schließlich, 1886, ein Elefant. Die Expansion des Familienunternehmens geht zügig weiter, Stationen sind ein Zelt mit 4.000 Sitzplätzen 1909, die Geburt des Namens Circus Krone 1914, die Eröffnung des ersten Festbaus in München 1919 und des dritten 1962. Erst mit dem Festbau beginnt also die Münchner Geschichte. (mehr …)