Literatur ist gefährlich. Man kann sich an ihr verschlucken. Man kann an ihr ersticken. Was auch daran liegt, dass Menschen, egal welchen Alters, nie aufhören, mit dem Mund zu erkunden. Wie schmeckt ein Buch, ein Vorwort, ein Inhaltsverzeichnis? Bücherfresser wissen darauf eine Antwort. Sie sparen sich Lesezeichen (auch Regalplatz), beginnen die Seiten, die sie konsumiert/gelesen haben, ein zweites Mal essend zu konsumieren. Und das geht so: Das Blatt herausreißen, zusammenknüllen, in den Mund schieben, zerkauen, hinunterschlucken. Je nach Papierqualität kann das alles ganz schön mühsam werden, und wenn’s schlecht läuft, wenn’s am griffbereiten Wasserglas fehlt, auch schlimm enden.

Hunger, Appetit stehen sicher nicht am Anfang der Bücherfresser-, der Bücherwurm-Idee, eher die Vorstellung, dass alles, was man in sich hineinschiebt, einem gehört, einen nährt. Das Verspeiste wird Teil des eigenen Körpers. Man hat die Lektüre in sich, intus sozusagen, ein Wort, das eben beides bedeutet: etwas vor kurzem gegessen oder etwas verstanden zu haben. Nach der geistigen Erfassung durch Auge und Hirn kommt die körperliche Erfassung durch Mund und Magen. Was ich körperlich aufnehme, verbreitet sich über Zellen, über Blut …, gibt mir Energie, macht, dass meine Haare wachsen, meine Füße, mein Verstand. Das hat etwas Effizientes, Ökologisches, Ökonomisches … Und schlecht anhören tut sich das ja nicht: Den neuesten Murakami, den neuesten Fitzek …? Alles aufgefressen.

Ob die Figuren von Playmobil ökologisch nachhaltig sind? Keine Ahnung. Die Firmen-Website gibt da sicher gerne jubelnd Auskunft. Firmen-Websites sind so. Jedenfalls wird Playmobil in diesem Jahr 50 Jahre alt, und dass sich diese Spielzeugfirma sehr um Literatur verdient gemacht hat, wissen wir längst, kennen die „Sommers Weltliteratur to go“ – Kurzvideos, in denen ein Michael Sommer mit Playmobil Figuren Szenen aus der Weltliteratur nachstellt. Im Übrigen existieren im Playmobil-Universum ein kleiner Plastikgoethe, ein kleiner Plastikluther und vor allem ein kleiner Plastikschiller. Vor allem deshalb, weil der kleine Plastikschiller (Nr.70688) von Playmobil durch unglaublich viele saugertaugliche Accessoires ausgestattet worden ist. Alles aus Plastik natürlich: ein Schreibtisch, eine Schreibfeder, ein Tintenfass, eine Miniausgabe von „Wilhelm Tell“, ein knallroter, knackiger und niemals faulender Apfel.

Vor allem der ist eindeutig als „kleinteilig“, als verschluckbar, als erstickungsgefährlich zu bezeichnen. Dann doch lieber herzhaft in ein Reclam-
Heftchen beißen.

Dika