Die literarische Haltung des Bluesmannes Willy Michl

Von Michael Berwanger

Es kann sein, dass den Jüngeren der Bluesmann und Isarindian Willy Michl kein Begriff mehr ist. Wer aber – wie ich – in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in Bayern sozialisiert worden ist, dürfte den kraftvollen Münchner kennen, der schon Blues und bayerische Sprache zusammenbrachte, als das Sujet „Heimatsound“, das der BR so gerne für sich in Anspruch nimmt, noch gar nicht erfunden war.

Willy Michl, der im Juli seinen 70. Geburtstag mit einem großartigen Livekonzert im Hof des Deutschen Museums feiern konnte, hat von Anfang an in seinen Texten die Natur gefeiert, auch schon, als er noch in Lederhose, Kutscherhemd und mit Stirnband unterwegs war. Der Respekt gegenüber jeglicher Kreatur und die Abscheu gegen die Ausbeutung der Natur sind in all seinen Texten präsent, und es ist für ihn ein wichtiges Anliegen, dies unter die Menschen zu bringen, durchaus auch mit Pathos und Sendungsbewusstsein. Da wirkt die Verwandlung zum Isarindian durchaus folgerichtig, wenn auch manche es als kulturelle Aneignung kritisieren. Diese Kritik ist derzeit weit verbreitet, birgt aber die Gefahr, Kultur als etwas Einheitliches und klar Begrenztes zu sehen, wie die Literaturwissenschaftlerin Anja Hertz betont.

Zu seiner Haltung gegenüber der Literatur befragt, betont Willy Michl: „Wenn wir von Literatur reden, dann wissen wir, sie ist in erster Linie ein Geschäft …, und da beginnt das Nachdenken über den Sündenfall.“ Das ist nicht nur so dahergesagt. So unterschreibt er beispielsweise grundsätzlich keine Verträge und vermarktet seine Lieder und Texte im Eigenverlag. Nur die Autobiografie „Traumwanderer“ ist im Nymphenburger Verlag erschienen. Das war aber schon im Jahr 2000 und der Verlag hat die Rechte daran an Willy Michl zurückgegeben.

Neben seinen Songs schreibt Willy Michl – fast ist man geneigt zu sagen, natürlicherweise – auch Lyrik und Romane. Die sind aber bisher nie publiziert worden. Exklusiv für die „LiteraturSeiten München“ hat er ein Gedicht verfasst, das wir hier erstmalig veröffentlichen. Es ist ein Trostgedicht für eine schwer erkrankte Freundin. Ein Trost, den alle gut gebrauchen können.

AHOW mein Kind
liebe Freundin
lege den Kummer
dort ab
wo du den Regenbogen geseh’n
Kummer macht schwach und krank
die Alten sagten
es is besser Leid zu ertragen
denn Kummer

Leid vergeht
Kummer bleibt
schick ihn fort
dorthin woher
er kommt
geh zum Baum
wo der Regenbogen war

der uns den Weg weist
woher wir kamen
wohin wir geh’n
das Leben ist schön
Schön muss vergeh’n
das ist des Schönen Gebot
in Schönheit wand’re dahin
sollst leben
und lächeln sogar noch
im Tod

Wakan Tanka

Willy Michl