[LiSe 10/16] Ausstellung „Der ewige Stenz“

Helmut Dietl und sein München

Erstmals in einer großen Ausstellung zu entdecken: Helmut Dietl als Literat und als literarische Figur. Mit seinen Kultserien prägte er wie kein anderer das München-Bild der Siebziger- und Achtzigerjahre. Über München sagte er: Ich wollte sie besitzen wie eine Geliebte. Und er erfand eine geradezu mythische Stadt: die der legendären, von ihm liebevoll-ironisch inszenierten Bussi-Schickeria. Zum Todestag des großen Filmregisseurs und Autors, der sich am 30. März 2016 zum ersten Mal jährte, stellt Tamara Dietl, seine Witwe, nun dem Literaturhaus den bislang unbekannten Nachlass mit vielen überraschenden und kuriosen Stücken zur Verfügung: darin u.a. die berühmte gelbe Chinalackdose aus „Der ganz normale Wahnsinn“.
RED
Eröffnung: Donnerstag, 13.10.2016, 19.30 Uhr. Ausstellungszeit: 14.10.2016 bis Februar 2017. Öffnungszeiten: Mo–Mi & Fr: 11–19 Uhr, neu: Do: 11–21.30 Uhr, Sa/So/Feiertage: 10–18 Uhr. 7/4 €. Montags für Studierende und SchülerInnen 3 €.

[LiSe 10/16] Festival: „Immerzu wachsen Worte im Mund“

3. Schamrock-Festival

Was Barbara Yurtdas beim 2. Schamrock-Festival 2014 formulierte, hat seine Gültigkeit nicht verloren beim 3. Schamrock-Festival der Dichterinnen Ende Oktober in der Pasinger Fabrik. Etwa 50 Frauen aus 19 Ländern locken mit Poesie und Lyrik, mit Konzerten und Performances, mit Gesprächsrunden und Workshops. Vom 28. bis 30. Oktober in München und in zwei Vorläufer-Veranstaltungen in Krailling (14. Oktober) und Wien soll Dichtung aus Frauenmund im Mittelpunkt stehen – und die Teilnehmer, Akteure wie Zuhörer, ein- und verbinden. (mehr …)

[LiSe 10/16] Kurzgeschichte: Pianistin 525

Ich hatte die Einstellung, die Eltern müssten alles tun, um mich zu fördern. War kein Geld da, müssten alle überlegen, wie es zu beschaffen sei. Ich wollte Pianistin werden, eine Skrjabin, eine Rubinstein, eine Argerich, so die Mischung, egal, ob ich die Erste war in der Familie. (mehr …)

[LiSe 10/16] Rezension: Durchsetzen, worin man anders ist

Thomas Langs Roman über eine eigensinnige Künstlernatur

Immer nach Hause zieht es den jungen Hermann Hesse, er mag so oft weggehen, wie er will. Aber was ist die Bestimmung? Das scheint die Essenz des Buchs zu sein, das der Münchner Autor Thomas Lang über einen weniger bekannten Abschnitt aus dem Leben eines unserer meist gelesenen, 1946 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Dich-ters geschrieben hat. Der Bachmannpreisträger des Jahres 2005 begibt sich in seinem fünften Roman auf dünnes Eis. Denn das Hesse-Bild, das Millionen von Leser in sich tragen, das in mehreren Biografien, auf vielen Fotografien – unverkennbar die hagere Gestalt mit Strohhut und Nickelbrille – dokumentiert ist, aber vor allem seinen Büchern innewohnt, interpretiert er hier auf ganz eigene Weise. Für den Titel ließ sich Lang von Novalis inspirieren. Der lässt seinen Protagonisten Heinrich von Ofterdingen, also einen, der beständig auf der Suche ist, fragen: Wo gehn wir denn hin? Und das Mädchen antwortet: Immer nach Hause. (mehr …)

[Gastbeitrag] Der Poet

Bei strahlendem Wetter wurde die Poesie-Skulptur von Sabine Paul und Thea Deyhle mit einem rauschenden Fest und tatkräftiger Hilfe von Kulturbürgermeister Josef Schmid am Kunstforum HMP enthüllt.
Eigene Poesie trugen TV-Moderator Christopher Griebel, Dr. Ammer und Li Grindler-Lambertz vor. Schauspieler Henner Quest und das kachina Theater trugen an den Briefkasten am Hans-Mielich-Platz gesandte Gedichte vor. Malika Kilgus begeisterte das Publikum mit ihrem Else Lasker-Schüler-Programm.

Unter Federführung von Sabine Paul und Thea Deyhle wurde die seit September 2013 gesammelte Poesie mit den Schülern der Cincinnati- und Icho-Mittelschule am Kunstforum Hans-Mielich-Platz in Form einer Installation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Aus den eingesandten Gedichten wurde ein wechselnder Querschnitt präsentiert.
Ein überdimensionaler angespitzter Bleistift ragt aus der Mitte eines kreativen Gespinst, aus diesem Kokon wächst eine Figur, der Poet umgeben von Gedichten.

Die Skulptur ist ab dem 13.September 2016 bis auf weiteres im Schulgarten der Cincinnatischule ausgestellt.

Mehr zur Legende der Poesie Installation unter www.myheimat.de

[LiSe 09/16] Bierhallen und Riesenräder

Von Karl Valentin bis Wolfgang Koeppen: Das Oktoberfest hat viele SchriftstellerInnen inspiriert

Beginnt erst das Oktoberfest, ist das ein erstes, wenn auch untrügliches Zeichen dafür, dass sich der Sommer seinem Ende zuneigt. Dieser Topos hat sich auch in die Literatur eingeschrieben. Wie kein zweites Medium vermag sie es, nicht nur das bunte, grelle, laute und zuweilen ordinäre Jahrmarktstreiben festzuhalten, sondern kann daneben die leiseren, fast schwermütigen Töne eines Herbst- und Erntedankfestes erklingen lassen.

Ein geradezu melancholisches Bild der Wiesn entwarf Karl Valentin: „Laukühl säuselt schon der Herbstwind durch die Münchner Luft – es herbstelt …“. Und weiter heißt es über den Herbst: „er … nimmt uns vieles, aber er bringt uns auch unser schönes Oktoberfest“. Ähnlich sah es der Oberpfälzer Dichter Georg Britting. Er war es auch, der auf die Irritation aufmerksam machte, die im Namen der Kirmes steckt. Das Fest sei zwar nach dem Oktober benannt, werde „aber in seiner großen Dauer schon im September gefeiert“. Man habe es „so eilig mit ihm, um dem Schnee zu entkommen, der in Oberbayern oft schon sehr früh sich zeigt. Und manchmal ist der Schnee noch schneller als das Fest, das vor ihm auf der Flucht ist, und fällt in die noch vollbelaubten Bäume und überfällt weiß strudelnd die bunten Zeltbauten“. (mehr …)

[LiSe 09/16] Kolumne: Heimkehr der Romane

Das soll es sein: Der Vater im Fond der Familienkutsche mit einem oder zwei Kindern, die Mutter am Steuer, so rollen jetzt die Heimkehrer über den Brenner, die Karawanken oder vom Bodensee wieder in München ein. Der hochgebildete Vater liest leichte Lyrik vor, Kästner, Eugen Roth oder ein Pixi-Buch, die Mutter, souverän, bleibt auch im Stau ganz ruhig, fährt niemals zu dicht auf, liefert sich keine Wettrennen mit anderen Verkehrsrowdys! Ja, überall schwappt der Frauenanteil über die Ufer, man schaue nur in die Justiz, in die Kliniken, von den Schulen ganz zu schweigen. Wir kommen auf sie zurück. Auch am Steuer hat der Mann nichts mehr zu suchen. „Writers don’t drive“ – und „Writer“ sind auch Denker. In einer Beziehung ist immer nur einer der Denker, und dies beanspruchen nach wie vor die Männer für sich – klar, dass sie dann nach hinten gehören. (mehr …)

[LiSe 09/16] Orte für Literatur, Teil 3

Genuss für Körper und Geist: La Cantina

Als Barbara Markus den schon seit langem leer stehenden Laden in der Elisabethstr. 53, ein ehemaliges Pelzgeschäft gegenüber vom Nordbad, in Augenschein nahm, – „Ich habe ihn nicht gesucht, er hat mich gefunden“, sagt sie lachend –, war ihr sofort klar, dass hier auch Lesungen stattfinden mussten. In erster Linie wollte sie mit Wein handeln, das hatte sie schon von ihrer Garage in Garching aus gemacht, aber diese Räume, der kleinere unten, der größere oben, schienen ihr ideal für beides. Das war vor dreizehn Jahren. La Cantina nannte sie ihre Bar, in der sie Weine und Spezialitäten aus Italien anbietet. Dazu kamen Antiquitäten, Accessoires, Schmuck. „Es hat sich so entwickelt, ich war machtlos.“ In der Tat sieht es fast so aus, als könne Markus nur schwer Nein sagen, wenn ihr wieder ein hübsches Möbel- oder Schmuckstück angeboten wird. Sie nimmt sie in Kommission, findet ein Plätzchen in ihrem sowieso schon voll gestellten Raum und hält, trotz aller Enge, ein Tischchen und zwei Stühle frei, an den sich der Besucher setzen und je nach Tageszeit einen Espresso oder einen Aperitiv trinken kann. Einen Stock höher finden die Lesungen statt, der Raum ein „Sälchen“, auch hier Antiquitäten die Menge, man sitzt auf Stühlen mit Stil. Hat man den Abend bequem darauf zugebracht, kann das Sitzmöbel möglicherweise käuflich erworben werden. (mehr …)