Elke Schmitter kuratiert das forum:autoren beim Literaturfest

Die Schriftstellerin und Journalistin Elke Schmitter ist Kuratorin des forum:autoren beim Literaturfest München 2016. Unter dem Motto „ein wort gibt das andere“ will sie Möglichkeiten und Grenzen der Sprache durchleuchten und fragt: Welche Beziehungen bestehen zwischen Sprache, Dichtung und Politik? Wo treffen sich Sprache und Musik? Wie verändert die Digitalisierung den Umgang mit Sprache? Ist sie immer kommunikativ angelegt? Was können Übersetzungen vermitteln – und wo bringen sie Missverständnisse in die Welt? Wie funktionieren Sprachen ohne Schrift? Und wie verändert sich die Weise zu sprechen und zu denken durch die Medien, die man in aller Unschuld nutzt? (mehr …)

[LiSe 02/16] Lyrische Kostprobe

Oben die Blumen
in ihren Kästen.
Unten im Kreisel
die Kreise im Kreis.

Ich tue
was ich immer tue
wenn ich tue
was ich jetzt tue
während ich tue
was ich immer tue
wenn ich tue
was ich noch nie getan habe
was ich tun werde
wenn ich tue
was ich jetzt tue

Unten
die Kästen im Kreisel.
Oben
die Fliegen im Kreis.

Wolfram Malte Fues

[LiSe 02/16] Rezension: Der beste Rum des ganzen Landes

Eine Satire, ein Märchen, eine Parabel, ein Lehrstück – all das und noch viel mehr ist der wunderbare Roman „Die Serenaden des Ibrahim Santos“. Der Autor Yamen Manai erzählt darin die phantastische Geschichte des Dorfes Santa Clara in der Karibik – ein Dorf, dessen Bewohner ein einfaches, naturverbundenes, glückliches Leben führen und den köstlichsten Rum des ganzen Landes herstellen. Die neuen Machthaber zerstören diese Idylle: Mit Angst und Terror wollen sie die Alkohol-Produktion steigern und offenbaren dabei ihre menschenverachtende Staatsdoktrin. Ein Wirbelsturm und Ibrahim Santos’ Geigenklänge setzen dem Spuk ein Ende, ein glückliches Ende. (mehr …)

[LiSe 01/16] Enteignet ist seine Sprache

Das Writers-in-Exile-Programm des deutschen PEN-Zentrums nimmt sich verfolgter Schriftsteller, Journalisten und Verleger an.

Enteignet ist seine Sprache“, schrieb Theodor W. Adorno zur Situation der aus Nazideutschland geflüchteten Exilschriftsteller. Immer schon waren diejenigen, deren Handwerk die Sprache ist, den Mächtigen ein Dorn im Auge, traf sie deren Verfolgungsfuror, wurden sie mundtot gemacht, verboten, eingesperrt, verbannt, umgebracht, heute wie eh und je. Angesichts dieser elenden Tatbestände und auch auf Grund des im letzten Jahrhundert begangenen Unrechts durch die Deutschen wollte das deutsche PEN-Zentrum nicht länger untätig bleiben und gründete mit finanzieller Unterstützung der Bundesregierung 1999 das Writers-in-Exile-Programm. „Momentan gehören wir zu den aktivsten der über 140 weltweit existierenden PEN-Zentren“, sagt Franziska Sperr, Beauftragte des Programms. „Wir arbeiten zusammen mit dem Writers-in-Prison-Programm des PEN und mit anderen NGOs (Non-Governmental Organizations), etwa Reporter ohne Grenzen oder Human Rights Watch, organisieren Kampagnen und nutzen diplomatische Kanäle, um den in Bedrängnis geratenen Personen zu helfen. Den iranischen Schriftsteller Faraj Sarkohi haben wir buchstäblich von der Folterbank geholt. Das geht, wenn der Druck von höchster Stelle, etwa dem Auswärtigen Amt, erfolgt.“ (mehr …)

[LiSe 01/16] Kolumne: Häschtäglich Täsch

Häschtäg oder hächtäsch schwirrte es plötzlich Ende des letzten Jahres ständig aus dem Fernseher durchs Zimmer, egal wo man saß oder sah, wie eine Motte, aus Jauch, Will oder Maischberger oder war es jäschkläsch, egal, einige Male konnte man mit der Hand danach schnappen, aber es wich geschickt aus. Ich hatte es noch nie gehört oder gesehen. Andere, die total PC-affin sind, händeln das Wörtchen sicher schon seit Jahren, mag sein, aber unsere Welt klafft ja längst himmelweit auseinander, Parallelwelten! Oder war das wieder eines dieser Worte und Dinge, die plötzlich auftauchen und meist genauso schnell wieder verschwinden. Sicher irgendwas Manipuliertes, das in die Werkstatt zurückgerufen und umgerüstet werden muss, Anfang des Jahres, spätestens, häschtäg, Gesundheit! (mehr …)

[LiSe 01/16] Meine Lieblingsbuchhandlung (Folge 9)

Ein literarischer Schutzraum

Friedrich Ani ist Stammkunde im Buchladen „Glatteis“

34 waagrecht: tödliches Nussaroma; 46 senkrecht: männliche Vorsilbe für Tötungsarten – ein Kreuzworträtsel für Krimifans. Spürsinn und Kombinationsgabe sind gefragt in diesem Ratespiel, das die Münchner Buchhandlung „Glatteis“ ihren KundInnen zum Jahreswechsel offeriert. Ausgedacht hat sich das Kreuzworträtsel ein treuer Kunde der Kriminalbuchhandlung – und Stammkunden hat dieser Buchladen viele. Einer von ihnen ist der wohl prominenteste und beste deutsche Krimi-Romancier: Friedrich Ani. Seit 15 Jahren kommt er in die Corneliustraße 31. „Von Anfang an war die Buchhandlung ein Zuhause für mich, eine Anlaufstelle, ein literarischer Schutzraum“, verrät der Münchner Schriftsteller. (mehr …)

[LiSe 01/16] Lyrische Kostprobe

Herbstkind

Kühl rinnt die Sonnenzeit im Stundenglas,
Aus Glas ein Licht, aus hohen Himmels Blau,
Treibt Kälte gleißend Gold ins graue Gras.
Den Winterschläfer zieht´s in seinen Bau.

Noch unsichtbar hängt Schnee schon in der Luft,
Und zieht als Schattenkälte durch die Kleider,
Kartoffelfeuers süßer bitterer Duft,
Es schwelt zum Sonnenfrösteln unsrer beider.

Und Blätter fallen, schmieren taumelnd ab.
In seinem Bettchen fiebrig liegt ein Kind.
Denkst nie ans Ende, aber schmückst das Grab,
Willst nur ins Warme, weil so rau der Wind.

Der Schnee legt sich nun endlich auf das Land.
Nun sind es wir, die süchtig uns noch treiben,
Wir spähen zahm nach Krippen, trotz Verstand,
Wie wartend Wild, bis sich die Jäger zeigen.

Ottfried Fischer