by LiSe | 3. Nov. 2015 | Blog, Kurzgeschichte
Heute nehme ich eine S-Bahn früher. Einmal nicht die Letzte sein. Ausnahmsweise bin ich sogar stolz auf mein Gastgeschenk.
Wein kann man nämlich vergessen. Er würde die Flasche auspacken, den Arm lang machen und mit zur Seite geneigtem Kopf das Etikett begutachten. Dann würde ganz kurz ein Ausdruck von Resignation über sein Gesicht huschen, der aber, wenn er die Flasche auf die marmorne Arbeitsfläche gestellt hätte, einem neutralen Lächeln gewichen sein würde. Dann würde er den Champagner aus dem Kühler ziehen, mit einer weißen Stoffserviette den Nebelschleier vom Etikett wischen, während sie überschwänglich erzählen würde, wie sie dieses Ausnahmegetränk auf ihrer letzten Tour durch das Valée de la Marne in einem kleinen Weingut entdeckt hätten. Also keinen Wein. (mehr …)
by LiSe | 29. Sep. 2015 | Blog, Titelgeschichte
Eine Erich Kästner-Ausstellung des Literaturhauses München
Fast 30 Jahre, von 1945 bis zu seinem Tod 1974, hat Erich Kästner in München gelebt. Er hat den Literaturpreis der Landeshauptstadt München und andere Auszeichnungen erhalten. Die Ausstellung weist auf Bekanntes hin und arbeitet Unbekanntes heraus. Sie spricht Experten, Laien und Kinder an. (mehr …)
by LiSe | 29. Sep. 2015 | Blog, Kolumne
Wieder den ersehnten Anruf aus Stockholm nicht bekommen? Vom Sekretär der Akademie nicht nach IBAN und BIC gefragt worden? Schmerzhaft wird man daran erinnert, wenn am 10. Oktober der Literaturnobelpreisträger bekannt gegeben wird, und die Überweisung von acht Millionen Schwedischen Kronen (ca. 867.000 Ä) auch dieses Jahr ausbleibt. Uns wurden die geheimen NSA-Protokolle einer Skatrunde zugespielt, die GG einige Wochen vor seinem Tod mit zwei anderen Großen im Münchner Schelling Salon einberufen hatte, mit Martin Walser (MW) und Peter Handke (PH). Man muss vielleicht noch wissen, dass Nobelpreisgewinner vorschlagsberechtigt sind für einen neuen Kandidaten, den die Schwedische Akademie benennt. (mehr …)
by LiSe | 29. Sep. 2015 | Blog, Vermischtes
Ein Raum für Frauen
Lillemor’s Frauenbuchladen und Galerie – die Lieblingsbuchhandlung von Luisa Francia
Unverkennbar der Schriftzug im Ladeneinerlei der Barerstraße. Lillemor’s. Darunter Frauenbuchladen und Galerie. Tritt man ein, bleibt der Blick gleich hängen an einer großen grünen Fläche über der Ladentheke. Kein Bild, einfach nur grün. „Es beruhigt“, sagt Uschi Neubauer. Seit 1979 gehört sie dazu, ist fast eine der Gründungsmütter von Lillemor’s, dem ersten Frauenbuchladen in der Bundesrepublik. Er wurde am 3. November 1975 in München eröffnet. Viele folgten, etablierten sich im Zuge der Frauenbewegung in fast allen westdeutschen Großstädten, aber nur wenige sind übrig geblieben. Lillemor’s hat standgehalten, feiert jetzt sein 40jähriges. Hat mit feministischer Literatur Durchhaltevermögen gezeigt, mit konstanter Kompetenz sich auf Literatur weiblicher Autoren und Sachbücher mit frauenspezifischem Inhalt spezialisiert. Wurde deswegen sogar für den heuer erstmals ausgelobten Deutschen Buchhandlungspreis nominiert als „unverzichtbar für die Vielfalt unserer Buchkultur“, wie es in der Ausschreibung heißt. „Ja“, sagt Kollegin Andrea Gollbach, „so gesehen haben wir alles richtig gemacht. Aus dem einfachen Grund, weil es uns noch gibt.“ (mehr …)
by LiSe | 29. Sep. 2015 | Blog, Vermischtes
Seit gut zwei Jahrzehnten vergibt die Landeshauptstadt alle zwei Jahre Stipendien für vielversprechende literarische Projekte vorwiegend jüngerer, noch nicht etablierter Münchner AutorInnen beziehungsweise für besonders anspruchsvolle Übersetzungen ins Deutsche. Im Zusammenhang mit diesen Literaturstipendien wird auch der Leonhard und Ida Wolf Gedächtnispreis (dotiert mit 3000 Euro) verliehen. Eingereicht werden können nur deutschsprachige und bisher unveröffentlichte Texte aller Genres (Prosa, Lyrik, dramatische Formen) sowie Kinder- und Jugendliteratur und Übersetzungsprojekte. Die diesjährigen Preisträger sind Pierre Jarawan (ausgezeichnet wurde „Am Ende bleiben die Zedern“), Sophia Klink („Kakaoschichten menschlicher Unwissenheit“), Markus Ostermair („Der Sandler“), Denijen Pauljevic ( „Mimicria“), Silke Kleemann („Manic Road Movie“, ein Jugendbuchprojekt), Richard Barth (Übersetzungsprojekt) und Jan Reinhardt „Elias und Elyathyne“, Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für Literatur). Die Literaturstipendien sind mit jeweils 6.000 Euro dotiert.
oh
by LiSe | 29. Sep. 2015 | Blog, Lyrische Kostprobe
die rote fläche ist nur ein teil
vom zimmer
in dem
etwas zerbricht
der fuss hängt
über die kante
wie ein socken
auf einer stuhllehne
der stuhl stand vorher
wie die anderen
am tisch
flog dann
die rote fläche
dieser teil im zimmer
bleibt
seit frühstem frühling
unverändert
Stein Vaaler
by LiSe | 29. Sep. 2015 | Blog, Kurzgeschichte
Jetzt fängt er wieder an zu schreiben, mein alter Freund Wolf, anstatt beim Schachspiel zu bleiben oder in seinem Labor. Seit Jahren droht er damit, wieder zu schreiben. Wie ich ihm drohe, die Violine zu spielen.
Gelegentlich reisen wir gemeinsam. Wenn wir im Zug nach Rom fahren oder nach Wien, bricht er plötzlich das Gespräch ab und sagt „übrigens, ich werde wieder schreiben.“ Fahren wir mit dem Pkw von München nach Paris, dreht er spätestens bei Ulm den Recorder leise und flüstert mir ins Ohr, „Max, ich schreibe wieder“. (mehr …)
by LiSe | 29. Sep. 2015 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Christoph Poschenrieder begleitet in seinem neuen Roman „Mauersegler“ eine noble Senioren-WG bis zum Ende
Sie waren Freunde, Knaben aus einer Kleinstadt, wuchsen gemeinsam in der Nachkriegszeit auf. 60 Jahre später sind sie fünf „gutaussehende, braungebrannte Erfolgstypen, Alphawölfe, Überholspurfahrer, FDP-Wähler, als es die noch gibt“ – so beschreibt Christoph
Poschenrieder seine Protagonisten in dem soeben erschienenen Roman „Mauersegler“. Das Quintett gründet eine Senioren-WG in einer Villa am Starnberger See und schließt einen Pakt: Jeder von ihnen soll selbstbestimmt sterben können – und die anderen helfen ihm dabei. Bis es zum ersten Pflegefall kommt, führen die Fünf ein komfortables Leben: Sie trinken Champagner und teure Cognacs, fahren Porsche, ziehen Tomaten und schlagen Golfbälle in den Starnberger See. Ein launiges Szenario, mit viel Charme und sanfter Ironie erzählt. (mehr …)