by LiSe | 1. März 2015 | Blog, Titelgeschichte
Schwabinger Kaffeebohnen
Die „Kuhle“ ist Kult: Hans Magnus Enzensberger und sein Lieblingsbuchladen Lehmkuhl
„Lehmkuhl geht’s gut“, sagt Hans Magnus Enzensberger über seine Lieblingsbuchhandlung. Da schluckt man erstmal. Meint der Mann das wirklich? Das große Lamento über Amazon, macht der Branche die Kunden abspenstig, und da soll es einer Buchhandlung gutgehen? – „Amazon, die ignorieren wir einfach“, redet Enzensberger fröhlich weiter. Die Furcht mancher Autoren, sie könnten wegen Negativaussagen im Rating des Internetriesen herabgestuft werden, schüttelt ihn nicht. Der agile 85jährige sucht die „Kuhle“ oft mehrmals wöchentlich auf. –„Ist ja so praktisch für mich. Sie liegt über die Straße, die Buchhändlerinnen dort wissen Bescheid, kennen ihre Kunden, man kann die Bücher in die Hand nehmen, das sind paradiesische Zustände.“ – Mehr gibt es für ihn nicht zu sagen, und knapper und besser hätte man auch nicht auf den Punkt bringen können, was eine Buchhandlung von einem Onlineladen unterscheidet.
Michael Lemling, Geschäftsführer von Lehmkuhl, sieht das genauso. Er kann sich in seinem Stuhl zurück- und an eine über 100jährige Geschichte anlehnen. 1903 von Georg Steinicke gegründet, 1913 von Fritz Lehmkuhl übernommen, von 1934 bis 2005 im Besitz der Familie Schumacher, gehört der Laden heute den Verlegern Wolfgang und Hans-Dieter Beck. Ein Glücksfall. Eine Schwabinger literarische Buchhandlung in den Händen eines großen Schwabinger Traditionshauses. „Wir konnten vom Konzept her intakt bleiben, jenseits der Branchenentwicklung, mussten uns keine neuen Flächenkonzepte einfallen lassen, keine neuen Warengruppen aufnehmen. Wir sind die Stadtteil-Buchhandlung geblieben, die wir immer waren, traditionell und traditionsreich.“
So betritt man den Laden auch nach dem Umbau in Sommer 2012 mit Heimatgefühlen. Nach wie vor präsentiert er sich als langer Schlauch, mit einer großzügigen Ausbuchtung im Eingangsbereich, dem mit Büchern beladenen Flügel – Lehmkuhls Leitmotiv – und der Kassentheke, mit zwei kleineren Ausbuchtungen weiter hinten. Hier herrscht die Literatur, die schöngeistige und die unterhaltende, das Arsenal der Krimis und Thriller, die Kunst- und Fotobände, die Hörbücher und auch der Tolino, der eBook-Reader der Buchhandlungen. „Wir haben nichts gegen eBooks“, sagt Lemling. „Die Offenheit für die Digitalisierung muss sein. Das ist nicht der Untergang des Abendlandes und wird das gedruckte Buch nicht von der Bildfläche verschwinden lassen. Es sind ja beileibe nicht nur die Jungen, eher die 50plus-Leser, die sich dafür interessieren und sich von uns vor allem auch technisch beraten lassen.“
Im ersten Stock dominieren die Sachbücher, die Sprach- und Reiseführer, Musik-CDs und die Kinder und Jugendliteratur. Damit aus kleinen Lesern beizeiten große werden, widmet sich ihnen das Label Lehmcool mit einem besonderen Programm zum Bücher erleben, Autoren kennenlernen, Spaß haben. Dazwischen nicht zu vergessen die berühmte Treppe. Bei Lesungen, die zu organisieren in dem schmalen Laden ein wahres Kunststück ist, reißen sich manche Leute um einen Platz darauf. Dass Lesungen rückläufig sein sollen konnte Lemling bisher nicht wahrnehmen, im Gegenteil, der Bedarf an ihnen sei gewachsen. „Vielen Menschen ist die Tuchfühlung mit den Autoren eben wichtig und bei uns möglich. 80 Leute passen in den Laden, das ist eine angenehme Zahl. Aber einmal im Jahr machen wir die große Nummer, mieten das Audimax, tun uns mit den Kammerspielen und dem Residenztheater zusammen. Da zeigen wir, dass wir dazu auch fähig sind.“
Der Autor Enzensberger hingegen wehrt, auf Lesungen angesprochen, ab. Selber liest er nicht, nicht einmal aus seinem im Vorjahr so erfolgreichen autobiographischen Rückblick „Tumult“. Er zieht es vor, andere zu empfehlen, weniger bekannte Kollegen vorzustellen.
Michael Lemling wechselte 2006 von Carolus in Frankfurt zu „Münchens renommiertester Buchhandlung“ (laut Merian). Über das, was sich unter seiner Leitung seitdem getan hat, berichtet er mit Understatement. Etwa über 5plus, die seit 2009 bestehende Kooperation von anfangs fünf Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die inzwischen auf acht angewachsen ist. Das Kundenmagazin erscheint zweimal im Jahr gratis, mit Beiträgen namhafter Autoren und Buchempfehlungen der Mitarbeiter, Lesetipps par excellence. Dazu gibt es jährlich eine Art Jahresgabe, ein besonderes Stück Literatur in einer exklusiv edierten Ausgabe. Erweitert hat Lemling den Weihnachtsladen im Gartenhaus auf November und Dezember, festgehalten hat er an Traditions-Veranstaltungen wie Kundenfeste, Fahrten zu den Büchermessen, Bücherflohmärkte u.a. Lehmkuhl ist Mitglied des Vereins Buy Local und setzt sich damit für den unabhängigen Einzelhandel ein.
Mit einem Einkauf bei Lehmkuhl rettet man nicht gleich die Welt, heißt es in der Werbung, aber die Vielfalt Schwabings. Dass die Selbstbedienungs-Kaffeemaschine, die neben der gemütlichen Sitzgruppe im Hintergrund des Ladens steht, mit Bohnen aus einer Kaffeerösterei ums Eck gefüttert wird, ist so eine Geste.
Katrina Behrend Lesch
In unserer Reihe „Meine Lieblingsbuchhandlung“ stellten die „LiteraturSeiten München“ in der ersten Folge den Münchner Autor Christoph Poschenrieder und „Buch & Bohne“ vor.
by LiSe | 1. Feb. 2015 | Blog, Vermischtes
Weil er „ein frisches und originelles Bild von Bayern“ zeichnet, wurde der Münchner Volk Verlag im Dezember mit dem Bayerischen Kleinverlagspreis 2014 ausgezeichnet. 200 Sachbücher, Bildbände, Comics und Kinderbücher – alle rund um München und Bayern – hat Verlagsleiter Michael Volk in 17 Jahren herausgebracht. Mit Publikationen zu Münchner Stadtteilen und allen Regionen Bayerns kämpft der Kleinverlag stetig gegen die Großen an. Das bislang erfolgreichste Buch des Volk Verlags „Genuss mit Geschichte“ stellt die fünfzig besterhaltenen denkmalgeschützten Gaststätten in Bayern vor. „Der Volk Verlag macht Lust auf Bayern mit einer breitgefächerten Palette von hochwertigen Sachbüchern jenseits der gängigen Bayern-Klischees“, lobte der Bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle bei der Preisverleihung im Rahmen des Münchner Literaturfests.
Simone Kayser
by LiSe | 1. Feb. 2015 | Blog, Lyrische Kostprobe
Möchtest du ein Stückchen mitkommen? Du brauchst
auch keine Angst zu haben, ich bin in der Phase der
Verlässlichkeit. Vorübergehend.
Es ist wie Eis im Winter. Dann grünt auch schon
alles vor berstender Ungewissheit – die Stimme
des Lebens. Nirgendwo offenbart es sich mehr, als
im selbstlosen Gras.
Geh nicht. Du hast nichts zu befürchten. Er blies
ein Blatt vor sich. Ich möchte nur ein bisschen
reden, solange der Regen an die Dächer trommelt.
Verstehe mich nicht falsch, ich werde dich nicht
verschonen, ich möchte dir nur einen Rat
geben. Weil für dich das Beste ist, was für mich
das Beste ist. Auch wenn du für uns beide bezahlst.
Ich weiß, ich müsste jetzt sagen, das alles wäre
meine Schuld. Das sind so die obligaten Worte. Aber das
alles ist mehr zufällig und mehr abstrakt. Das Böse
ist so. Und das Gute.
Ivor Joseph Dvorecki
by LiSe | 1. Feb. 2015 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Arwed Vogel packt sein Thema, das Planen, Schreiben und Veröffentlichen eines Romans, wuchtig an, indem er sein Buch einfach und direkt „Der Roman“ nennt und erst im Untertitel verrät, was er damit verfolgt.
So geht seine Anleitung, allen prospektiven Romanschreibern das nötige Rüstzeug an die Hand zu geben, weit darüber hinaus. Der umtriebige Dozent für Kreatives Schreiben ist selbst Romanautor (Die Haut der Steine) und weiß, wovon er spricht. Die eigene Erfahrung hat ihn gelehrt, zu verstehen und uns Leser verstehen zu lassen, warum der Roman zur beliebtesten Literaturgattung gehört. In einem Roman, schreibt er, bringe man mehr als nur Worte aufs Papier. Es sei Ausdruck unserer Welt, und gleichzeitig unserer Vorstellungskraft. Alles, was im eigenen Leben nicht gelebt werden kann, Wünsche, Träume, ungenutzte Möglichkeiten, können wir auf die Probebühne unseres Romans stellen und zusehen, was dort passiert. Und so nimmt uns Vogel, indem er von den ersten Ideen, dem vagen Plan, der Figurenkonstellation, über die Gliederung, Erzählsituation und -weise, dem Schreibfluss bzw. der Schreibkrise, die sprachliche Gestaltung, den Spannungsaufbau bis zur Veröffentlichung den Werdegang eines Romans beschreibt, sacht an die Hand und führt uns unmerklich durch einen Diskurs über die Kriterien und Merkmale, die einen guten Roman ausmachen. Das macht das Buch über den Lehrcharakter hinaus zu einer ermunternden und bereichernden Lektüre.
Katrina Behrend Lesch
Arwed Vogel
Der Roman
Planen – Schreiben – Veröffentlichen
Sachbuch, 176 Seiten
Allitera Verlag, München 2014
16,90 Euro
by LiSe | 1. Feb. 2015 | Blog, Kolumne
Schneeziegen, korrekt oreanus americanus, leiden, und das stimmt nachdenklich, seit fünf Jahren unter einem Geburtenrückgang von 75 Prozent.
Kanadische Forscher, die den Ziegen seit vielen Jahren in aufreibenden Feldstudien nachsteigen, schwanken, ob dies am räuberischen Puma liegt oder an anderen Stressfaktoren. Die Weibchen, und das soll jetzt kein Vorwurf sein, gebären eben auch erst sehr spät, nämlich mit fünf Jahren und dann auch nur jeweils ein einziges Zicklein!
„Ein weites Feld“ hätte Theodor Fontane dazu vermutlich bemerkt. Der Autor (1819–1898), der sich in einem gut erhaltenen Brief an seine Frau als „Sonntagsschriftsteller“ bezeichnete, bei dem es „nur dröppelt“ und keineswegs „strömt“, hätte derlei Forschungsergebnis im Berlin der 1860er Jahre, wenn es denn zu ihm vorgedrungen wäre, sicher mit Bedauern kommentiert.
Das Faktum, dass sich eine Forschergruppe jahrelang in den Bergen herumtreibt, um aus dem Kot der weiblichen Ziegen prüfend und wertend Stresshormone zu gewinnen und Rückschlüsse auf deren Gebährlust zu ziehen, ist bemerkenswert, zeigt es doch wieder einmal den engen Zusammenhang von Interesse und Erkenntnis. Auch weisen die Forscher es als „Mythos“ zurück, wonach Adler mit ihren Schwingen die kleinen Kitze von den Klippen in die tödliche Tiefe stürzen. Möglicherweise entdecken wir hier sogar gerade eine wunderbare „Wandersage“ ähnlich der, die den Yeti umkreist oder die Spinne in der Yuccapalme. Wenn es diese Erzählungen und den schönen Begriff dazu in Zeiten des Dichters nur schon gegeben hätte! Doch das überlassen wir jetzt mal bis auf weiteres der Sprachforschung.
Manches, wenn schon nicht alles ist eben eine Frage des Angebots. Bedeutende deutsche Dichter aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben wir nicht allzu viele, weshalb die Forschung ihren Blick konzentriert auf das Vorhandene lenkt. Und da haben wir eben den Text-Auswurf des durchaus schreibfreudigen Dichters T. Fontane – von wegen „dröppelt“: Mehr als 10.000 seiner Original-Handschriften und 12.000 Blatt Kopien verschollener Original-Texte will das Potsdamer Fontane-Archiv nach jüngsten Meldungen für das Internet „aufbereiten“ und ins Netz stellen. Die Fontane-Forschung wird befruchtet und beflügelt werden! Man kann sich vorstellen, wie der künftige, junge Fontane-Forscher sich behände und gämsengleich zwischen den Texten bewegt, ihnen – pardon – Proben entnimmt, diese prüft und bewertet.
Wer die Schneeziege in den eisigen Höhen der Rocky Mountains erforschen will, so heißt es, muss eben schwindelfrei sein. Nicht nur der und nicht nur das.
WH.
by LiSe | 1. Feb. 2015 | Blog, Titelgeschichte
Und mein Hund Moe bekommt immer Kekse
Der Schriftsteller Christoph Poschenrieder und seine Lieblingsbuchhandlung „Buch & Bohne“
„Inzwischen ist Amazon gigantisch mächtig und unheimlich geworden.“ Und: „Bücher sind für Amazon wie Plastikeimer oder Waschlappen.“ So sieht es der Schriftsteller Christoph Poschenrieder, und so sehen es auch viele MünchnerInnen: Sie trotzen dem Online-Riesen und bestellen und kaufen ihre Bücher in der Buchhandlung gleich um die Ecke. Wir von den „LiteraturSeiten München“ (LS) wollen in den nächsten Monaten Buchläden und deren prominente KundInnen vorstellen – nach dem Motto: „Meine Lieblingsbuchhandlung“.
Vier Räume hat die Buchhandlung „Buch & Bohne“ und ist damit eine
Große unter den kleinen Buchläden Münchens. Sie liegt zwischen Goethe- und Kapuzinerplatz in der Häberlstraße; Mariann Geier eröffnete sie im Oktober 2010. „Zu Buch & Bohne gehe ich seit vier Jahren“, sagt der Münchner Schriftsteller Christoph Poschenrieder. „Eine Buchhandlung hat in meinem Viertel – südliche Isarvorstadt – gefehlt. Tja, es gibt Bücher, guten Espresso, gute Unterhaltung und Beratung, und mein Hund Moe hat immer die Kekse von Random House bekommen. Was will man mehr.“
Mit „Buch & Bohne“ hat sich Mariann Geier, die vor 30 Jahren von Ungarn nach München gekommen ist, einen Jugendtraum erfüllt. „Ich wollte in München die alte Kaffeehauskultur von Budapest wieder aufleben lassen.“ Die Buchhändlerin Geier erinnert sich voll Schwärmerei an ihre Heimat: alte Kronleuchter, an den hohen Wänden Zeichnungen und Bücher, „und zu jedem Kaffee gab es einen kleinen Schnaps.“ Schnaps gibt es in der Häberlstraße nicht, dafür selbstgemachten Kuchen und Kaffee in allen Variationen. Zwischen Belletristik und Sachbüchern stehen ein Biedermeiersofa mit drei alten Stühlen sowie zwei weitere Tischchen, an denen die Kunden Espresso oder Cappuccino trinken, plaudern, diskutieren, lesen.
Christoph Poschenrieder kommt fast täglich zu „Buch & Bohne“. „Ich wüsste nicht, warum ich mir ein Buch bei Amazon holen sollte, wenn ich es mit einer e-mail und einem Spaziergang von einer Viertelstunde bei meiner Buchhandlung bekomme.“ Poschenrieder ist nicht nur Stammkunde bei „Buch & Bohne“, er hat dort auch schon seine Werke vorgestellt. Lesungen gehören zum festen Programm von Mariann Geier, so waren beispielsweise Tilmann Spengler, Frank Günther, Kai Hensel, Sebastian Glubrecht, Tillmann Rammstedt, Lukas Hartmann oder Christine Kaufmann in der Häberlstraße zu Gast.
Neben Lesungen veranstaltet „Buch & Bohne“ auch Blueskonzerte oder Kasperltheater für Kinder, die bei Mariann Geier ein wahres Eldorado vorfinden: So gibt es einen eigenen Raum für die Kleinen, der zweigeteilt ist. In einem Bereich dürfen Kinder malen, auf der Schreibmaschine tippen oder mit großen Steifftieren spielen, im anderen Bereich können die jungen Kunden in den Büchern stöbern – aber nur, wenn Mama oder Papa aufpassen. Für Kinder hat die Buchhändlerin auch gleich noch einen besonderen Tipp: So empfiehlt sie das Bilderbuch „Der Bär, der nicht da war“ von Oren Lavie in der Übersetzung von Harry Rowohlt und mit Illustrationen von Wolf Erlbruch – für Kinder ab vier Jahren und natürlich auch für (wie jedes gute Kinderbuch) Erwachsene. Denen rät Mariann Geier unter anderem zur Lektüre von „Die Gierigen“ von Karin Tuil, „Die Interessanten“ von Meg Wollitzer, „Das achte Leben“ von Nino Haratischwili oder von „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler.
Ja, und sie empfiehlt natürlich auch Christoph Poschenrieders „Das Sandkorn“. Das Werk, im Vorjahr im Diogenes-Verlag erschienen, war bislang der größte Erfolg des Schriftstellers: Es stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Zwei Jahre arbeitete der 1964 in Boston geborene Autor an diesem historischen Roman. „Zwecks Recherche und Inspiration war ich in Italien und in Berlin. Für Berlin allerdings waren alte Stadtpläne und Fotos hilfreicher, da sich die Stadt so sehr verändert hat seit 1914.“ Derzeit schreibt der Autor an einem neuen Roman, zu Titel und Thema will er noch nichts ausplaudern. Aber er verrät dann doch: „Nichts Historisches, eine Art Komödie. Schwarzer Humor.“
Buchhandlungen, so versichert Poschenrieder, gehörten einfach zur Kulturinfrastruktur einer Stadt. Und der „Buch & Bohne“-Kunde Reinhard Ammer, der derzeit seine rabenschwarzen Gschichtn mit dem Titel „Herzzreissn“ präsentiert, ergänzt: „Es gibt doch in München nun wirklich genug Nadelstudios und Telefon-Läden.“ Zudem arbeite eine Buchhandlung ökologisch: So nimmt der Buchladen die gesammelten Bestellungen seiner Kunden tagsüber entgegen und habe die Bücher am nächsten Morgen parat. „Da muss nicht jedes Buch einzeln in jeden Haushalt geliefert werden.“ Wir leben doch nicht, ergänzt
Poschenrieder, auf einem Einödhof in der nördlichen Oberpfalz! Nein, wir leben mitten in München.
Ina Kuegler
by LiSe | 1. Jan. 2015 | Blog, Vermischtes
2015 schreibt das Kulturreferat München wieder sechs mit je 6.000 Euro dotierte Literaturstipendien der Stadt München für vielversprechende Projekte von Münchner (Nachwuchs-)Autoren/innen (auch Kinder-/Jugendbuch) sowie für besonders anspruchsvolle Übersetzungsprojekte aus. Bewerbungen werden ab Januar entgegen genommen. Einsendeschluss ist der 26. März. Außerdem gibt es ab 2015 neu jährlich zwei mit je 6.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien für neue Projekte von Münchner Autorinnen und Autoren, die sich literarisch bereits ausgewiesen haben (d.h. mindestens zwei literarische Werke veröffentlicht haben). Auch dafür nimmt das Kulturreferat die Bewerbungen entgegen, Einsendeschluss ist der 12. März 2015.
Nähere Infos unter www.muenchen.de/literatur.
by LiSe | 1. Jan. 2015 | Blog, Vermischtes
Junge Münchner AutorInnen stellen sich am 24. Januar vor/
Sieben Stunden wird gelesen, rezitiert und geslamt.
Bühne frei für den „Großen Tag der jungen Münchner Literatur“. Es ist eine Premiere, für München und für die drei Organisatoren Tristan Marquardt, Nora Zapf und Daniel Bayerstorfer: Die junge Münchner Literatur- und Lyrikszene will sich erstmals konzentriert und in ihrer ganzen Vielfalt der Öffentlichkeit präsentieren – und gemeinsam Party machen. Im Einstein-Kultur wird am 24. Januar sieben Stunden lang gelesen, geslamt, rezitiert und deklamiert.
Auf den „Großen Tag der jungen Münchner Literatur“ haben in München viele gewartet. Literaturhaus, Lyrik Kabinett und das Kulturreferat der Stadt unterstützen das Projekt, das zwar ein Novum in der blühenden Münchner Literaturszene ist, aber auf vielfältige Aktivitäten – Lesereihen, Werkstätten, Kollektive, Zeitschriftenprojekte und Kellerlesungen – aufbauen kann. Das Verdienst von Tristan Marquardt, Nora Zapf und Daniel Bayerstorfer ist es, den vielen Stimmen gerade der jungen, noch nicht arrivierten Literaten eine Heimat zu geben: für den gemeinsamen Auftritt, aber auch für den Einstieg in eine vernetzte Zukunft.
Alle drei haben Erfahrungen in der Organisation und Gestaltung von literarischen Projekten. Am bekanntesten dürfte die Lesereihe „meine drei lyrischen ichs“ sein, die Tristan Marquardt 2012 in München begründete. Alle drei werden am 24. Januar selber lesen und moderieren. Das Ziel des Organisations-Trios ist es, junge Dichter und Schriftsteller in München aus ihrer Isolation zu befreien. „Du bist nicht Dostojewski, aber schreibe!“, unter dieser Überschrift arbeiten bereits einige Initiativen, die nicht die Konfrontation zur etablierten Literaturszene suchen, sondern sich als notwendige Ergänzung verstehen. Der „Große Tag“ ist geplant als niederschwelliges soziales Ereignis, nicht die Konkurrenz soll im Vordergrund stehen, sondern der Austausch, der Aufbruch, die gegenseitige Versicherung vor der Eroberung der Feuilletons.
Der Zulauf zum Projekt war riesig, die Organisatoren haben erfahrene Einrichtungen und Moderatoren ins Boot geholt und die 50 Autorinnen und Autoren, die lesen werden, in Gruppen aufgeteilt, die jeweils von etablierten Vertretern wie Pia-Elisabeth Leuschner vom Lyrik Kabinett, Katrin Lange vom Literaturhaus, oder Ko Bylanzky aus der Spoken-Word-Szene vorgestellt werden. Frauen und Männer teilen sich die Bühnen, sowohl bei den Literaten wie bei den Moderatoren. Gelesen wird parallel in zwei Hallen. Das detaillierte Programm ist unter grossertagderjungenmuenchnerliteratur.com einzusehen.
Alle, die lesen, haben sich bereits in der Vergangenheit der Öffentlichkeit gestellt. Namentlich genannt seien hier Lena Gorelik, die mit „Die Listensammlerin“ große Anerkennung erfahren hat (18 Uhr), Katharina Adler, die an einem Roman über ihre Großmutter arbeitet, die ihrerseits als „Fall Dora“ in die Literatur über Freud einging (19 Uhr), Fabian Bross, der Herausgeber und Mitbegründer der online-Zeitschrift „Parsimonie“ ist (19 Uhr), Markus Ostermair, der in seinem Roman „Der Sandler“ dargelegt hat, was Obdachlosigkeit ist und macht (21 Uhr), und Ayna Steigerwald, die als Dramaturgin „Geschlossene Gesellschaft“ von Sartre im Keller der kleinen Künste betreut hat (23 Uhr). Mit Installationen von Jonas von Ostrowski und Johannes Tassilo Walter sowie Werken von Catalina Schenk werden die Lokalitäten gestaltet.
Ursula Sautmann
Großer Tag der jungen Münchner
Literatur, 24. Januar 2015 im Einstein-Kultur, Einsteinstraße 42.
Einlass 17 Uhr, Eröffnung 17:30 Uhr, Eintritt 10/7 €.