[LiSe 04/23] Kolumne: Wohin die Wörter gehen

Irgendwann macht man mit. Ein schlimmer Satz. Einer mit historischen Ausmaßen. Also, noch einmal von vorne: Irgendwann mache ich mit. Aufatmen. Schultern lockern. Neuer Kontext (weg vom unangenehmen Thema der ideologischen Verführbarkeit, hin zu Freizeit-Banalitäten wie: Irgendwann bin ich auch mit von der Partie). Cool bleiben. Geht ja nur (?) um Sprachgewohnheiten und da mache ich, vergeht nur etwas Zeit, einfach mit, und ich glaube tatsächlich, dass das fast allen so geht. Sorry. Irgendwann macht man mit. Würde sich sonst sprachlich schnell ein bisschen wie hinterm Mond aufführen, bisschen ins Abseits schießen also, und haben Sie das bemerkt? Haben Sie das „tatsächlich“ bemerkt? „Und ich glaube tatsächlich …“. War nur ein paar Zeilen drüber … Wenn Sie nochmal hoch gehen, finden Sie es. (mehr …)

[LiSe 04/23] Jung und schreibend (Folge 18): Joana Osman

Von Sevda Cakir

Joana Osman stiftet Frieden. Sie ist die Tochter eines palästinensischen Vaters und einer deutschen Mutter. Mit ihrem Debütroman „Am Boden des Himmels“ habe sie eine Möglichkeit gefunden, die traumatisierte Hälfte ihrer Identität in die andere – die deutsche Hälfte – zu integrieren, sagt sie. (mehr …)

[LiSe 04/23] Empfehlungen: Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat April diese Neuerscheinungen:

Nina Polak: Zuhause ist ein großes Wort
mareverlag

Nach sieben Jahren auf See kehrt Skip zurück in ihre Heimatstadt Amsterdam. Und schon bei der Ankunft begegnet sie den Geistern Ihrer Vergangenheit. So wird sie nicht nur von ihrer früheren Ersatzfamilie Zeno wieder aufgenommen, sondern begegnet auch ihrem Ex-Freund, der inzwischen mitten im Leben angekommen ist. Für Skip stellt sich bald die Frage nach der eigenen Zukunft zwischen Freiheitsliebe und dem Wunsch nach Zugehörigkeit. Die junge Niederländerin Nina Polak zeichnet humorvoll und temporeich ein gänzlich eigenes Bild ihrer Generation. (mehr …)

[LiSe 04/23] Spendenaktion: Lesen fördern

Bei der Organisation Lesezeichen des Vereins für Fraueninteressen e.V. engagieren sich derzeit 350 Ehrenamtliche für Schülerinnen und Schüler mit Lese- und Sprachschwierigkeiten. Diese Lesepatinnen und -paten brauchen Bücher und Lernspiele, um den Unterricht in derzeit 65 Kooperationsschulen interessant und anregend zu gestalten. (mehr …)

[LiSe 04/23] Kurzgeschichte : Der Laubbläser

Von Horst Oberbeil

Ich bin städtischer Laubbläser und als solcher saisonbedingter Quartalsbläser von September bis Dezember. Früher war ich Blechbläser, genauer gesagt Hornist, und ging zum Üben in den Wald. Doch eine Karriere blieb mir versagt. Ich hatte zu viele Tonausfälle. Der Dirigent sagte zu mir, ich sei kein Künstler, sondern ein Kiekser und schickte mich heim. Da hängte ich das Blech an den Nagel und beschloss, Laubbläser zu werden. (mehr …)

[LiSe 04/23] Rezension „Und ich habe meine Zugfahrkarten verloren.“

Von Katrin Diehl

Andrej Kurkow gehört zu den bekanntesten Schriftstellern der Ukraine. Ob er sich einen ukrainischen oder einen russischen Schriftsteller nennt, hängt von der Lage seines Landes ab, aber auch davon, vor wem er gerade spricht. Geboren wurde er 1961 in Sankt Petersburg, aufgewachsen ist er in der Ukraine, wo er bis zum Angriffskrieg Russlands im Februar 2022 in Kyjiw gelebt hat. Er schrieb und schreibt schon immer auf Russisch, gehört damit zur großen russischsprachigen Bevölkerung des Landes. Im November des vergangenen Jahres hat Andrej Kurkow in München den Geschwister-Scholl-Preis entgegengenommen, war Gast beim Literaturfest im Literaturhaus. (mehr …)

[LiSe 04/23] Ausstellung: Anders sehen

Eine ganz eigene Herausforderung an Sehgewohnheiten bietet die Internationale Jugendbibliothek. Hier werden bis zum 3. September Bilderbücher ohne Farben ausgestellt. Unter dem Titel „Schwarz Weiß Grau“ zeigen Illustratorinnen und Illustratoren aus aller Welt, was sie mit Linien, Formen, Konturen und Kontrasten auszudrücken vermögen. (mehr …)