[LiSe 09/21] Lyrische Kostprobe

Tier und Sprache

Mara-Daria Cojocaru ist Schriftstellerin und Philosophiedozentin. Sie hat bislang vier eigenständige Gedichtbände, einen Band poetischer Korrespondenzen mit Ron Winkler und zwei Sachbücher publiziert. 2015 war sie Finalistin beim Literarischen März. Neben dem Bayerischen Kunstförderpreis Literatur 2017 erhielt sie den Alfred-Gruber-Preis beim Lyrikpreis Meran, den Deutschen Preis für Nature Writing 2021 sowie den Lyrikpreis des Mondseelandes 2021. Am liebsten schreibt sie in der Gesellschaft von Tieren. (mehr …)

[LiSe 09/21] Jung und schreibend (Folge 1): Lyrik als Performance: Lisa Jeschke

Nach unserer Serie über literarische Funde „Aus den Archiven“ beginnen wir mit dieser Nummer der LiteraturSeiten eine neue Folge mit dem Titel „Jung und schreibend“. Die Porträts Münchner Autorinnen und Autoren sollen einen Einblick geben in die junge Literaturszene der Stadt.

Von Katrin Diehl

Etwas bannt. Etwas oder jemand? Und wenn jemand, dann wer? Der? Die? Das? Also doch etwas? Die Lyrikerin und Performerin Lisa Jeschke liefert Beeindruckendes und wenn das jetzt nach laut und hämmernd klingt, dann ist da was dran. Viel meat, viel Fleisch. Aber auch die Knochen darunter zählen. (mehr …)

[LiSe 09/21] Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat September diese Neuerscheinungen:

Ljudmila Ulitzkaja: Eine Seuche in der Stadt
Carl Hanser Verlag

1939, Moskau. Ein Wissenschaftler reist zu einer Konferenz – und bringt, ohne es zu ahnen, die Pest in die Stadt. Bevor eine tödliche Epidemie ausbrechen kann, reagiert der autokratische Staat – aber zu welchem Preis? Auf 110 Seiten hat Ulitzkaja einen mitreißenden Kurzroman geschaffen, der sich wie ein Film Noir liest. Der erste Entwurf stammt aus dem Jahr 1978 und war tatsächlich eine Drehbuchvorlage – die allerdings nie verfilmt wurde. Heute ist die Geschichte, die von wahren Ereignissen erzählt, wieder hoch aktuell. (mehr …)

[LiSe 09/21] Kurzgeschichte: Gottfried ist unsterblich

Von Gabriele Eichl

Anfangs sprachen Herrmann und Fausthild S. nicht darüber. Darüber zu sprechen hätte bedeutet, zuzugeben, dass man beunruhigt war. Hätte als eine Art Eingeständnis einer Schuld gedeutet werden können. Und das wollten beide unbedingt vermeiden. So wie sie seit jenem Tag nie wieder seinen Namen ausgesprochen hatten. Und doch hatte Gottfried nie aufgehört, im Haus anwesend zu sein. (mehr …)

[LiSe 09/21] Rezension „Es ist immer ein eigen Ding mit unseren Briefen gewesen …“

Die berührende Korrespondenz zwischen Kurt Landauer und dessen späteren Frau Maria Baumann

Von Katrin Diehl

Kurt Landauer (1884-1961) ist in München kein Unbekannter mehr. Wer sich ein bisschen für Fußball und den FC Bayern München interessiert, wer die Augen nicht ganz davor verschließt, was mit den jüdischen Münchner und Münchnerinnen während der Nazizeit geschehen ist, der weiß mit diesem Namen etwas anzufangen. 1919 bis 1933 hatte Landauer die Präsidentschaft des FC Bayern inne. Unter ihm wurde der Verein – das war 1932 – zum ersten Mal deutscher Meister. Ein halbes Jahr später kommt Hitler an die Macht. Landauer muss als Vereinspräsident zurücktreten. Weil er Jude ist. Ein Tag nach der Reichspogromnacht im November 1938 wird er, völliger Willkür ausgesetzt, verhaftet. Es folgen 33 Tage Konzentrationslager Dachau. Danach ist auch ihm, der dieses München so liebte, der im Ersten Weltkrieg als Freiwilliger gekämpft hatte, klar, dass er das Land verlassen muss. Dass ihm das gelingt, hat mit viel Glück zu tun: Die ihm bekannte Familie Klauber/Klopfer (und das ist eine andere Geschichte) hatte sich um Bürgschaft und Aufenthaltspapiere für ihn gekümmert. Landauer landet in der Schweiz, in Genf, bleibt dort über sechs Jahre, dem Tod zwar entkommen, aber ansonsten fast allem verlustig, was ein zuversichtliches Lebensgefühl ausmacht. Vier seiner sechs Geschwister, Franz, Gabriele, Leo und Paul, waren in der Shoah ermordet worden. (mehr …)

Stipendien für Literatur vergeben

Die Landeshauptstadt München zeichnet (Nachwuchs-) Autor*innen für vielversprechende literarische Projekte aus. Die diesjährigen Literaturstipendien erhalten: Daniel Bayerstorfer für sein Lyrikprojekt „Neulich starb Antigone“, Christian Hödl für sein Romanprojekt „Wie man barfuß auf Kies stolziert“, Jan Hoffmann für sein Romanprojekt „Monte Serpente“ und Fabienne Imlinger für ihr Romanprojekt „Alles über meine Eltern“. Das Stipendium für Übersetzungsprojekte erhält Maximilian Murmann für seine Übersetzung von Eeva-Liisa Manners: „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“. Die beiden Stipendien im Bereich Kinder- und Jugendbuch gehen an Benita Berge für ihr Kinderbuchprojekt „Emma und die verrückte Weihnachtsnacht“ und an Yasmin Shakarami für ihr Jugendbuchprojekt „Die Perfekten“. Die alle zwei Jahre vergebenen sieben Stipendien sind mit jeweils 6.000 Euro dotiert. Zusätzlich wird der Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für Autor*innen unter 30 Jahren in Höhe von 3.000 Euro in diesem Jahr an Louise Kenn für ihr Projekt „Wir bauen Gehege und wundern uns dann“ vergeben. Dies beschloss gestern der als Feriensenat tagende Verwaltungs- und Personalausschuss, jeweils auf Empfehlung einer Jury.

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